Forscher lesen soziales Verhalten in den Hirnströmen

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Menschen mit mehr Tiefschlaf-Hirnwellen in einer bestimmten Hirnregion verhalten sich sozialer als andere. Das haben Forschende der Universität Bern in einer neuen Studie im Fachblatt „The Journal of Neuroscience“ gezeigt. „Je mehr langsame Hirnwellen eine Person im Tiefschlaf in der sogenannten rechten temporo-parietalen Verbindung (TPJ) aufweist, desto prosozialer handelt sie oder er“, erklärte Studienleiterin Daria Knoch in einer Mitteilung der Universität Bern.

Unter sogenanntem prosozialem Verhalten verstehen die Forschenden Handlungen, die darauf abzielen, das Wohlergehen anderer zu fördern, ohne dass die handelnde Person notwendigerweise selbst davon profitiert. Dazu gehören beispielsweise Spenden an Hilfsorganisationen oder ehrenamtliche Arbeit.

Das betroffene Hirnareal ist unter anderem an der Perspektivenübernahme, also der Fähigkeit, sich in ein Gegenüber hineinzuversetzen, beteiligt. Die Forschenden hoffen laut der Universität, mit dem besseren Verständnis über den Zusammenhang von Mechanismen im Gehirn und prosozialem Verhalten Ansätze zu inspirieren, die solches Verhalten fördern könnten.

Für ihre Studie montierten die Forschenden 54 Personen je 66 Elektroden am Kopf. Während sieben bis acht Stunden Schlaf massen sie ihre Hirnströme.

Wie prosozial sich jemand verhält, wurde dann in einem „Öffentlichen-Gut-Spiel“ eruiert. Die Versuchspersonen erhielten dafür je 20 Punkte im Wert von 50 Rappen und mussten anonym entscheiden, ob sie die Punkte behalten oder in einen gemeinsamen Topf werfen wollten. Jeder Punkt, der in den gemeinsamen Topf wanderte, wurde von der Spielleitung verdoppelt. Die Endsumme des Topfes wurde dann gleichmäßig an alle Teilnehmenden ausgezahlt. Auch diejenigen, die nicht in den Topf einzahlten, erhielten ihren Anteil.

Diejenigen, die in diesem Spiel großzügiger waren, hatten während des Schlafs eine viel stärkere Aktivität der langsamen Hirnwellen in der rechten temporo-parietalen Verbindung gezeigt. Es sei also nicht die Schlafdauer, die die Kooperationsbereitschaft beeinflusse, betonte die Universität Bern in der Mitteilung. Entscheidend sei, dass der Tiefschlaf in der richtigen Hirnregion stattfinde.

(APA/ag/red.)

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