Forscher wollen Cholerabakterien mit eigenen Waffen schlagen

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Autor: Scho

Die lebensgefährliche Durchfallerkrankung Cholera wird durch ein Bakterium ausgelöst. Im menschlichen Körper wird es zu einer Art Giftfabrik und produziert das krankheitsauslösende Choleratoxin. Die Grazer Biochemikerin Nina Gubensäk ist bei ihrer Suche nach einem Wirkstoff, der das Bakterium stoppen kann, bevor es im menschlichen Körper seine gesundheitsschädliche Arbeit aufnimmt, einen Schritt weitergekommen, teilte die Universität Graz mit.

Nina Gubensäk beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Vibrio Cholerae. So heißt das Bakterium, dessen Toxin zu schwerem Durchfall mit lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust führen kann. Es hat aufgrund seiner empfindlichen Sinnesorgane eine immense Fähigkeit, sich an herausfordernde Bedingungen anzupassen, wird durch verunreinigtes Wasser übertragen und vermehrt sich im menschlichen Körper prächtig. Doch woher weiß der Erreger eigentlich, dass er im Körper ist und in den Aktivitätsmodus wechseln soll? Und wie kann es im menschlichen Darm und Magen – wo ja auch keine günstigen Lebensbedingungen herrschen – überleben? Dazu hat die Grazer Forscherin und ihr Team neue Einblicke erhalten. Dabei spielt die menschliche Gallensäure eine Rolle.

„Unter der Schutzhülle des Bakteriums befinden sich zwei Proteine, ToxR und ToxS. Diese können die Gallensäure in unserem Verdauungssystem erkennen und funktionieren wie eine Art Schalter“, erklärte die Biochemikerin. Die Gallensäure signalisiere dem Bakterium, dass es sich in der Nähe eines Wirtsorganismus befindet. In ihrer jüngsten Studie haben die Grazer Forschenden detailliert beschrieben, wie die beiden Proteine Gallensäure erkennen und den Bakterien helfen, sich im menschlichen Körper anzupassen und zu gedeihen.

Das Ziel des Grazer Teams ist es nun, Substanzen zu finden, die die Gallenwahrnehmung und die Darmanpassungsprozesse der Bakterien stören. Das würde den Weg zur Entwicklung neuer Medikamente gegen Cholera ebnen. „Im Idealfall kann so ein Medikament in Krisenregionen dann vorsorglich an die gefährdeten Personen verteilt werden“, schilderte die Forscherin die Vision. Einige erfolgversprechenden Substanzen wurden bereits gefunden. Sie werden jetzt im Labor getestet.

(APA/red.)

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