Gastro in Kliniken: „In Österreich ist da noch Potenzial“

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Autor: Scho

Inmitten von Ausstellern, die IT-Lösungen für Spitäler oder medizinische High-Tech-Geräte präsentieren: ein kleiner Stand, an dem ein Cafeteria- und Kaffeehaus-Konzept angeboten wird – für Kliniken und Krankenhäuser. Bilal Wilhelm Mukhey steht dort, er ist Regionalleiter von „Kanne Café“, das ein Teil der Compass Group PLC ist.

gesundheitswirtschaft.at: Sie bieten eine Gastronomie-Lösung an. Inwiefern ist das auf den Spitalsbereich beschränkt? Und was sind die Besonderheiten auf diesem Markt?

Bilal Wilhelm Mukhey: Wir haben ein Cafeteria-, Kaffeehaus- und Restaurantkonzept für Krankenhäuser. In Deutschland sind wir damit bereits das führende Unternehmen im Gesundheitswesen. Wir planen, investieren und betreiben die Kaffeehäuser selbst. In Deutschland haben wir 38 Standorte – und einen in Österreich, in der Klinik Floridsdorf. Unsere Zielgruppe sind Spitals-Mitarbeitende, denen wir einen Ort zum Austausch und für eine Auszeit bieten, Patientinnen und Patienten, die hier ein wohltuendes Stück Normalität finden und Besucherinnen und Besucher, die ihre Lieben hier fernab des Kliniktags treffen können.

Kaffee gibt es an allen Ecken, aber was würden Sie sagen ist Ihr Mehrwert?

Die Atmosphäre und das Angebot an den jeweiligen Standorten. Wir gehen auf den Wunsch unserer Kundinnen und Kunden ein: Ob sie gerne etwas Regionales oder auch Saisonales haben wollen. Wir haben die Möglichkeiten, unser Angebot flexibel anzupassen. Der größte Aspekt ist aber, dass wir für die Kliniken individuelle Lösungen erarbeiten. Als Investor, Bauherr und Betreiber übernehmen wir die Verantwortung für die Realisierung eines Kanne Cafés. Die Klinik hat also ein repräsentatives Angebot für Mitarbeitende, Patienten und Besucher. Unsere Cafés sind ein Eyecatcher. Und mit unserer Gruppe im Rücken haben sie ein krisensicheres Unternehmen mit der nötigen Finanzkraft, um das Bauvorhaben in einer Klinik umzusetzen und dauerhaft zu betreiben. Wir arbeiten außerdem mit „TOO GOOD TO GO“ zusammen, um hier gemeinsam Lebensmittel vor der Verschwendung zu bewahren. Es werden frische überschüssige Lebensmittel zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis an Nutzer beziehungsweise Kunden der App verkauft.

Bieten Sie das denn nur in Spitälern an?

Mit dem Konzept Kanne Café fokussieren wir uns nur auf Spitäler. Aber freilich: mit der Eurest als Tochtergesellschaft einer der weltweit größten Gastronomieanbieter, der Compass Group PLC, vereinen wir langjährigen Erfahrungen auf dem österreichischen Markt mit internationalem Know-how. Darum vertrauen bereits über 85 Unternehmen, Institutionen und Einrichtungen auf unsere individuellen Lösungen in den Bereichen Betriebsgastronomie, Facility Management sowie Eventgastronomie. Wir arbeiten auch im Cook-and-Serve-, Cook-and-Chill- und Cook-and-Freeze-Segment. Ein großer Markt sind Schüler und Senioren.

Was genau bieten Sie an?

Erstklassig in allen Segmenten zu sein, ist der Anspruch von Kanne Café. Unterschiedlichste Bedürfnisse werden in unseren Konzepten bedient. Wir können alles: lokal, regional, national und international. Die Basis unseres Handelns ist stets unser hohes Qualitätsbewusstsein. Die Auswahl an Speisen, Getränken, Snacks, Eis aus der Theke, belegten Brötchen und Kuchen etc. ist reichhaltig.

Und was sind die häufigsten Wünsche?

Also, wir haben das Wiener Schnitzel als auch eine Bowls-Bar, die derzeit so modern sind. Wir bieten auch eine saisonale Tagesempfehlung, eine Tagessuppe und vieles mehr. Die Karte ist jedenfalls klein gehalten, saisonal, frisch gekocht und eben abgestimmt.

Wo wird gekocht?

Vor Ort. Wenn wir nur ein Bistro machen, dann gibt es Snacks und Eis. Wenn es in Richtung Kaffeehaus geht, dann gibt es auch kleine Speisen. Und so wie in der Klinik Floridsdorf haben wir ein voll eingerichtetes Restaurant mit einer Cateringküche, um viele Veranstaltungen im Haus zu bedienen.

Ist nicht gerade in Wien die Konkurrenz zu Großküchen undurchdringbar?

Nein, wir bieten ja etwas. Und nicht alle wollen immer in der Kantine verweilen und essen und daher kommen dann eben viele zu uns. Den Leuten ist es oft lieber, wenn sie ihren Kaffee vom Barista bekommen. Und unsere Zielgruppe sind zudem die Besucher und die Patienten.

Sie sind hier unter Ausstellern, die Software anbieten und medizinisches Gerät. Würden Sie Ihr Angebot als Nische bezeichnen?

Das ist es. Absolut.

Ist es eine ausbaufähige Nische?

In Deutschland sind wir mit der Medirest sehr stark vertreten, in Österreich hat Kanne Café noch ein großes Potenzial. Und: Wir brauchen eine bestimmte Größe von mindestens etwa 500 Betten, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Ein 200- bis 300-Betten-Spital zahlt sich nicht aus. Der Unterschied zu Deutschland und Österreich: in Deutschland haben wir eine gewisse Exklusivität im Spital. Wenn wir dann aber wie in Österreich in einer Klinik auch einen Supermarkt haben, wird das freilich schwieriger. Das macht die Sache nicht einfach.

Alle Infos zum Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress 2024 finden Sie hier.

(red.)

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