Junge Wienerinnen sind besonders erschöpft

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Autor: Scho

Mädchen und Frauen bis 29 Jahre sind in Wien laut einer neuen Befragung besonders stark von Erschöpfungszuständen, Ängsten und unkontrollierten Sorgen betroffen. Bei weiblichen Personen sind die Symptome deutlich stärker ausgeprägt als bei Burschen und Männern in der gleichen Altersgruppe, wie aus einer repräsentativen Befragung im Auftrag der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD-Wien) hervorgeht.

Generell zeigen die Ergebnisse der 2023 durchgeführten Befragung, dass die Herausforderungen für die psychische Gesundheit weiterhin hoch bleiben: Jede fünfte befragte Person berichtete von einer kontinuierlichen Verschlechterung ihres Zustands in den vergangenen beiden Jahren. 69 Prozent sehen eine Beeinträchtigung ihrer Alltagsroutine durch Erschöpfung (plus acht Prozentpunkte gegenüber 2022), mehr als ein Viertel davon täglich oder zumindest in mehr als der Hälfte der Tage.

Auch die Problematik mit Ängsten habe im Vorjahr im Vergleich zu 2022 nochmals zugenommen. 65 Prozent gab an, sich damit auseinandersetzen zu müssen, besonders junge Menschen und Frauen. Die Teuerung stellt für 59 Prozent aller Befragten eine schwere Belastung dar – dabei stehen vor allem steigende Lebensmittel-, Energie- und Wohnkosten im Fokus. Auch globale Entwicklungen wie der Krieg in der Ukraine belasten 30 Prozent der Wiener sehr oder ziemlich.

Die Last sei aber nicht für alle gleich – die ökonomische Ausgangssituation mache einen großen Unterschied, zogen die PSD-Wien Bilanz. Zudem: „Jene Menschen, die schon vor der Pandemie mit Herausforderungen zu kämpfen hatten, sind deutlich stärker betroffen, als andere. Junge Menschen und Frauen sind besonders belastet“, sagte der Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, Ewald Lochner.

Erschöpfung und Ängste haben bei jungen Menschen und Frauen im Jahr 2023 nochmals zugenommen und sind damit in jedem der vier bisher abgefragten Jahre seit 2020 gestiegen. Besonders betroffen seien dabei Frauen, die Sorgearbeit leisten und jene, die unter 29 Jahre alt sind und sich im unteren ökonomischen Drittel befinden.

90 Prozent aller jungen Frauen im unteren ökonomischen Drittel leidet an Erschöpfung und Ängsten, 80 Prozent an unkontrollierten Sorgen. „Wir erkennen auch bei der Sorgenhotline einen Anstieg von Anrufen, gerade von Frauen. Schon vor der Pandemie waren psychische Erkrankungen bei jungen Frauen die häufigste Ursache für Erkrankungen. Mit den Krisen der vergangenen Jahre ist diese Tendenz weiter angestiegen“, sagte die Leiterin der Psychosozialen Information, Ardjana Gashi.

Problematisch sei in diesem Zusammenhang, dass es rund um psychische Belastungen noch immer viele Tabus gebe. „Immerhin 28 Prozent der Personen, die Hilfe in Anspruch nehmen wollten, haben dies wegen eines Schamgefühls nicht getan“, so Gashi. Dabei sei eine frühe Hilfe bei psychischen Problemen besonders wichtig und wirksam.

Im Zuge der Befragung gaben 13 Prozent an, täglich oder an mehr als der Hälfte der Tage in den vergangenen vier Wochen Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingenommen zu haben. Ebenso viele Menschen sagten, Medikamente gegen Müdigkeit und Depressionen zu nehmen. Auch hier sind bei jungen Männern und Frauen die Zahlen höher: 33 Prozent der bis 29-Jährigen nahm zumindest an einzelnen Tagen Schlaf- oder Beruhigungsmittel zu sich, 31 Prozent Medikamente gegen Depression und Müdigkeit.

Geringe ärztlich begleitete Medikation

„Neben der hohen Anzahl an eingenommen Medikamenten, bereitet auch die vergleichsweise geringe ärztlich begleitete Medikation Sorgen. Denn während 79 Prozent der älteren Wienerinnen und Wiener berichten, dass die von ihnen eingenommenen Medikamente verschreibungspflichtig sind, gilt dies bei den unter 29-jährigen nur in 59 Prozent der Fälle“, sagte die ärztliche Leiterin der Suchthilfe Wien, Regina Walter-Philipp. Sie warnte davor, Arzneimittel, auch wenn diese nicht verschreibungspflichtig sind, ohne ärztlicher Beratung in Selbstmedikation einzunehmen.

Positiv zu vermelden ist, dass auch der Anteil an Personen, bei denen sich die psychische Gesundheit verbessert hat, auf 19 Prozent gestiegen ist. Dies trifft besonders auf jene Frauen und Männer zu, deren psychische Gesundheit sich bereits 2022 gesteigert hatte.

Die Studie wurde im Auftrag der PSD-Wien, der Magistratsabteilung 23 für Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23), der MA 57 für Frauenservices sowie dem Fonds Soziales Wien FSW) in Auftrag gegeben. Das Institut Foresight (ehemals SORA, Anm.) befragte dafür 1.033 Wienerinnen und Wiener ab 16 Jahren telefonisch oder online zu ihrer psychischen Gesundheit. 502 Personen wurden bereits 2022 für die Studie interviewt. Die Umfrage wird seit 2020 jährlich durchgeführt.

(APA/red.)

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