Kleines Risiko für H5N1-Tier-Mensch-Übertragung in Städten

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Autor: Scho

Ein Team um die aus Österreich stammenden Forscher Christine Marizzi und Florian Krammer hat selbst in der Stadt New York das hochpathogene H5N1-Vogelgrippevirus nachgewiesen. Auch in urbanen Gegenden bestehe demnach also eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass Krankheiten wie diese von Tieren auf Menschen überspringen. Im Fall der Vogelgrippe ist dafür zwar enger Kontakt mit Wildtieren nötig, dennoch sollten Städte in die Überwachung des Infektionsgeschehens einbezogen werden.

Bisher konzentriere man sich bei der Überwachung des mittlerweile weltweit nachgewiesenen H5N1-Virus vor allem auf Geflügelfarmen und ländliche Gegenden, schreibt das Team um bei der Initiative „BioBus“ Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie die an der Icahn School of Medicine in New York tätigen Austro-Forscher in ihrer noch nicht von Fachkollegen überprüften, auf der Preprint-Plattform „bioRxiv“ aufrufbaren Arbeit. Man stützte sich für die neuen Analysen auf Proben aus Auffangstationen für Wildtiere und Vogelkot aus der US-Metropole, die u.a. von Teilnehmern des „New York City Virus Hunters“-Projekts gesammelt wurden. Im Rahmen der von Marizzi geleiteten „Citizen Science“-Initiative sammeln Wissenschafter gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern sowie Pädagogen Proben in Parks und anderen Umgebungen in der Stadt.

Insgesamt fand sich im Probenmaterial das H5N1-Virus sechs Mal in vier verschiedenen Vogelarten – allerdings bei insgesamt fast 2.000 untersuchten Proben. Gefunden wurde der Erreger bei mehreren Kanadagänsen (Branta canadensis), einem Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), einem Wanderfalken (Falco peregrinus) und einem Haushuhn (Gallus gallus domesticus). Führt man sich vor Augen, dass Städte mitunter ausgedehnte Grün- oder Wasserflächen beherbergen und gleichzeitig dicht besiedelt sind, habe man es hier mit einer Umgebung zu tun, in der Menschen und Haustiere durchaus in Kontakt mit ortsgebundenen Vögeln oder Zugvögeln aller Art kommen können.

Das ist vor allem interessant, wenn man berücksichtigt, wie stark momentan die N5N1-Gruppe mit der Bezeichnung „2.3.4.4b“ kursiert. Angekommen ist der Erreger in Nordamerika im Winter 2021/22. Mittlerweile ist das Virus nicht nur in Nord- und Südamerika weit verbreitet und hat in Wildvogelpopulationen und der Geflügelindustrie große Verluste beschert. Seit Ende März hat das US-Agrarministerium das Virus auch bereits in mehr als 30 Milchviehbetrieben in rund zehn US-Bundesstaaten registriert – nicht nur bei den Tieren, sondern auch in der Milch selbst. Die Weltgesundheitsorganisation WHO mahnt mittlerweile zu erhöhter Aufmerksamkeit bezüglich möglicher Infektionen bei Tier und Mensch. Neben bereits einigen Übertragungen auf Säugetiere gab es bisher aber erst recht wenige nachgewiesene Fälle bei Menschen. Ein Umstand, den Florian Krammer kürzlich im Gespräch mit der APA als durchaus überraschend bezeichnete.

Aufgrund von gewissen Übereinstimmungen mit Grippeviren, die in den vergangenen Jahren stark kursierten, könnten viele Menschen vielleicht Resistenzen gegenüber „H5N1 clade 2.3.4.4b“ haben. Trotzdem ist nicht ausgemacht, ob H5N1 nicht doch noch zu einem Problem außerhalb der Vogelpopulationen werden kann, da es bereits Hinweise auf Übertragungen zwischen Säugetieren auf Pelztierfarmen in Europa, unter Meeressäugern in Südamerika und eben auch unter Kühen und Ziegen in Nordamerika gab.

Für die Forscherinnen und Forscher ist klar, dass es in Ballungszentren Virus-Monitoring brauche. In der Arbeit zeige man auch, wie die Bevölkerung in solche Initiativen eingebunden werden kann, ohne dass sie einem erhöhten Erkrankungsrisiko ausgesetzt ist, und dass es sinnvoll sei, verschiedene Einrichtungen, wie Wildtier-Auffangstellen einzubinden.

Virus Hunters‘

„Die ‚New York City Virus Hunters‘-Initiative besteht seit vier Jahren, und ist weltweit wirklich einzigartig, weil sie gemeinsam mit ‚Citizen Scientists‘ entwickelt und vorangetrieben wird“, so Marizzi gegenüber der APA. Es gehe „um weit mehr als Daten, die als Frühwarnsystem für potenzielle Infektionskrankheiten in Städten fungieren. Wenn Leute aktiv mitmachen können, fördert das ein tieferes Verständnis wie Wissenschaft funktioniert und über auftretende Infektionskrankheiten und deren Auswirkungen in der Bevölkerung.“

Insgesamt sollte auch die Aufmerksamkeit gegenüber krank wirkenden und sich seltsam verhaltenden Vögeln in Städten gehoben werden. Marizzi: „Es ist wichtig, Wildtiere generell aus einer sicheren Entfernung zu beobachten – zum Schutz von Mensch und Tier.“ Menschen sollten wissen, an welche Stellen sie sich bei Verdachtsfällen wenden können, die mit solchen Verdachtsfällen professionell umgehen können.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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