Medizinisches Cannabis erhöht Risiko für Arrhythmie leicht

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Autor: Scho

Menschen, die medizinisches Cannabis gegen chronische Schmerzen einnehmen, haben ein leicht erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie). Das zeigt eine landesweite Studie in Dänemark, die im Fachblatt „European Heart Journal“ veröffentlicht wurde. Von einer Arrhythmie spricht man, wenn das Herz zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig schlägt. Auch der Freizeitkonsum von Cannabis wird mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Zu den Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis gibt es jedoch nur sehr wenige Untersuchungen. Dazu wurde nun von Anders Holt vom Universitätsklinikum Kopenhagen eine Studie geleitet. Sie umfasste Daten von 5.391 dänischen Patientinnen und Patienten, denen Cannabis gegen chronische Schmerzen verschrieben wurde. Die Forschenden verglichen diese Gruppe mit 26.941 Patienten, die ebenfalls unter chronischen Schmerzen litten, aber kein Cannabis zur Behandlung bekamen.

Die Daten zeigten, dass bei Patienten, die medizinisches Cannabis erhielten, ein Risiko von 0,8 Prozent bestand, innerhalb von 180 Tagen nach der Einnahme von Cannabis die Diagnose einer Herzrhythmusstörung zu bekommen, die überwacht und möglicherweise behandelt werden musste. Diese Gefahr war mehr als doppelt so hoch wie das Risiko für Patienten mit chronischen Schmerzen, die kein Cannabis konsumierten.

Der Risikounterschied zwischen den beiden Gruppen wurde jedoch kleiner, als das gesamte erste Behandlungsjahr betrachtet wurde. Bei Personen über 60 Jahren sowie bei Patienten, bei denen bereits Krebs oder Herzerkrankungen, Schlaganfälle sowie Diabetes diagnostiziert worden waren, stieg die Gefahr für Herzrhythmusstörungen am stärksten an.
„Medizinisches Cannabis ist mittlerweile zur Behandlung chronischer Schmerzen in 38 US-Bundesstaaten sowie mehreren Ländern in Europa – wie Spanien, Portugal, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich – und anderswo auf der Welt erlaubt“, sagte Holt. Dies bedeute, dass immer mehr Ärzte Cannabis verschreiben, obwohl es fehlende Nachweise in Bezug auf Nebenwirkungen gibt.

„Verbesserte Überwachung ratsam“

„Ich glaube nicht, dass diese Studie Patienten mit chronischen Schmerzen dazu bringen sollte, von medizinischem Cannabis Abstand zu nehmen, wenn andere Behandlungen unzureichend waren. Diese Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass zunächst eine verbesserte Überwachung ratsam sein könnte, insbesondere bei Patienten, bei denen bereits ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht“, erläuterte der Hauptautor der Studie.

Die Wissenschafter wiesen darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. „Wir brauchen viel mehr Forschung in diesem Bereich. Bevor wir zu einer Schlussfolgerung kommen, sollten die Ergebnisse dieser Studie in anderen Ländern und Umgebungen wiederholt werden“, betonte Holt.

In einem begleitenden Leitartikel im „European Heart Journal“ regte Robert Page von der University of Colorado in den USA an, künftig statt medizinischem Cannabis von „Cannabis für therapeutische Zwecke“ zu sprechen. Der Begriff „medizinisch“ impliziere, dass das Produkt möglicherweise einer klinischen Überwachung sowie Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten unterliegt, was alles andere als der Fall sei.

In Österreich kann Tetrahydrydrocannabiol (THC) als Reinsubstanz, auch bekannt unter der Bezeichnung Dronabinol, als sogenannte magistrale Verschreibung in der Apotheke abgegeben werden. Dronabinol wird als zusätzliche Medikation bei chronischen Schmerzen und im Rahmen von Krebstherapien gegeben. Außerdem sind in Österreich Cannabidiol-haltige (CBD) Medikamente zur Behandlung von Multipler Sklerose, Spasmen sowie bestimmten genetische Epilepsieformen zugelassen.

(APA/red.)

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