Nachgefragt beim Radio-Onkologen Prof. Dr. Falk Röder

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Anneliese Ringhofer

In unserer neuen Rubrik „Nachgefragt“ bitten wir angesehene Ärztinnen und Ärzte sowie wichtige Führungspersönlichkeiten aus dem Gesundheitswesen zum Interview. Das Besondere daran: Unsere Interviewpartner:innen beantworten nicht nur fachliche, sondern auch persönliche Fragen – und geben uns damit einen Einblick in ihr berufliches wie auch privates Leben. Den Auftakt macht der neue Vorstand der Uniklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie am Uniklinikum Campus LKH Salzburg: Prof. Dr. Falk Röder.

Herr Prof. Röder, was war Ihr Beweggrund, Medizin zu studieren und Arzt zu werden?
Falk Röder: Interessanterweise stand Medizin ursprünglich gar nicht zur Debatte, ich wollte eigentlich Physik studieren. Letztlich haben meine positiven Erfahrungen während meines Zivildienstes auf einer internistischen Station zusammen mit ein paar glücklichen Begebenheiten den Ausschlag gegeben. 

Warum haben Sie sich für die Facharztausbildung in der Radio-Onkologie entschieden?
Rückblickend war ein technisches Fach natürlich naheliegend. Außerdem zeichnet sich die Radioonkologie durch ein breites inhaltliches Spektrum, eine gute Mischung aus Diagnostik und Therapie, eine nahezu einzigartige Verbindung von High-End-Technologie mit klassischem ärztlichem Handeln, hervorragende Forschungs- und Karrieremöglichkeiten und natürlich relativ flexible und angenehme Arbeitsbedingungen aus. Letztlich haben aber auch hier meine persönlichen Erfahrungen während meines PJs an der Uni Heidelberg eine wesentliche Rolle gespielt. Die Radio-Onkologen waren einfach die nettesten …   

Prof. Dr. Falk Röder ist 50 Jahre alt und in Karlsruhe aufgewachsen. Er studierte in Heidelberg Medizin und wurde am dortigen Uniklinikum zum Facharzt für Radio-Onkologie ausgebildet. Er war zudem mehrere Jahre am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) tätig und habilitierte sich an der Universität Heidelberg zum Thema Intraoperative Radiotherapie. Nach einer vierjährigen Zwischenstation an der Ludwig-Maximilians-Universität München kam er 2019 ans Uniklinikum Salzburg. Der bisherige geschäftsführende Oberarzt Professor Falk Röder übernahm im November 2023 die Leitung der Uniklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie am Uniklinikum Campus LKH. Er folgt damit Professor Felix Sedlmayer nach, der in den Ruhestand tritt. Professor Röder lebt in München und ist mit der Radio-Onkologin Dr. Ladan Saleh-Ebrahimi verheiratet.

Was sind die größten Herausforderungen als Leiter der Uniklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie am Uniklinikum Campus LKH?
Die wesentliche Herausforderung liegt in der stetigen eigenen Fortentwicklung unter zunehmend schwierigen äußeren Bedingungen. Dabei meine ich z.B. die Folgen des demographischen Wandels mit rückläufiger Verfügbarkeit von hochspezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach medizinischer und pflegerischer Versorgung. Hinzu kommen komplexe technische Entwicklungen (Stichwort KI), zunehmende regulatorische Anforderungen, eine weitere Subspezialisierung innerhalb der medizinischen Fächer und die sich hieraus ergebende Notwendigkeit zur verstärkten Kooperation. Glücklicherweise hat mein Vorgänger Herr Prof. Sedlmayer mir eine hervorragend aufgestellte Klinik mit einem  großartigen Team übergeben. Es gilt also nun, die sich hieraus ergebenden Potenziale optimal auszuschöpfen um auch in Zukunft sowohl eine adäquate Versorgung der Patientinnen und Patienten mit radioonkologischer Spitzenmedizin als auch deren stetige Weiterentwicklung durch universitäre klinische und physikalisch-technische Forschung zu gewährleisten.       

Welche Qualitäten und Anforderungen sind für diese Position Voraussetzung?
Kompetenz, Leidenschaft, Pragmatismus, Geduld, Empathie und Freude an Kommunikation. Eine schnelle Auffassungsgabe für komplexe Sachverhalte und ein gewisses Maß an Selbstreflexion sind sicher auch nicht von Nachteil.      

Beschreiben Sie bitte Ihren Führungsstil mit fünf Adjektiven.
Inspirierend-überzeugend, unterstützend-fördernd, respektvoll-wertschätzend, ausgleichend-moderierend, freundschaftlich-empathisch.

Zufriedenheit stellt sich ein, wenn etwas klappt, das ich mir vorgenommen hatte oder etwas eintritt, das ich mir wünsche. Um es mit einem Zitat aus einer 80er-Jahre-Fernsehserie zu beschreiben: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Welche Tätigkeiten sind die häufigsten in Ihrem Arbeitsalltag?
Die optimale klinische Versorgung steht an einer Universitätsklinik natürlich immer an erster Stelle, dicht gefolgt von hochqualitativer Wissenschaft und Lehre. Dabei bin ich im Tagesgeschäft rein quantitativ betrachtet aber vorwiegend organisatorisch, koordinierend und überwachend tätig.  Daneben nehmen Managementaufgaben wie Personalgewinnung- bzw. -entwicklung, Kennzahlenkontrolle, Prozessoptimierung, Qualitätsmanagement sowie langfristige strategische Planung und zukünftige Ausrichtung z.B. im Hinblick auf Kooperationen einen immer größeren Raum ein.      

Welche Tipps waren für Sie als junger Arzt hilfreich?
Sich nicht zu sehr auf Tipps, Einschätzungen oder Lösungen von anderen zu verlassen, sondern selbst Erfahrungen zu sammeln, sich ein eigenes Bild zu machen und sich und andere gelegentlich zu hinterfragen. 

Welche Tipps würden Sie heute jungen Ärzt:innen geben?
Siehe vorherige Antwort.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie in der Digitalisierung im Bereich der Medizin (inkl. KI)?
Natürlich bietet die Digitalisierung in vielerlei Hinsicht nutzbare Vorteile. Sie erleichtert z.B. eine adäquate Dokumentation, verbessert den Informationsaustausch an Schnittstellen, vereinfacht die Zusammenarbeit zwischen Berufsgruppen, Fachrichtungen und Einrichtungen und trägt somit letztlich deutlich zur Patientensicherheit bei. Dies trifft auch für den unterstützenden Einsatz von KI-basierten Systemen gerade in den technischen Fächern zu,  z.B. im Rahmen der Bildbeurteilung oder Therapieplanung, wobei alleine eine Aufzählung der bereits verfügbaren Möglichkeiten den Rahmen unseres Interviews sprengen würde. Insbesondere erlaubt sie uns aber bestehende Routine-Prozesse zu vereinfachen, um menschliche Ressourcen und Fähigkeiten für Bereiche freizusetzen, die nicht durch digitale Systeme übernommen werden können und heute bereits vielfach zu kurz kommen. Das wird im Hinblick auf den sich anbahnenden langfristigen Personalmangel ohnehin nicht anders gehen. Wichtig ist dabei sicherzustellen, dass Menschen zu jedem Zeitpunkt sowohl die Kontrolle über die digitale Anwendung selbst als auch das notwendige Wissen und die entsprechenden Kenntnisse zur Beurteilung der resultierenden Ergebnisse behalten.

Angenommen es wäre in Ihrer Station eine musikalische Beschallung möglich. Welche Musik würden Sie bevorzugen?
Für unsere Patientinnen und Patienten ist das tatsächlich möglich, wenn auch nicht auf unserer Station, so doch während der eigentlichen Behandlung an den Linearbeschleunigern. Dabei darf natürlich jeder seine Musik selbst wählen. Ich persönlich würde Jazz bevorzugen.  

Was macht Sie jeden Feierabend zufrieden?
Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Für mich trifft das klassische Arbeit-Feierabendkonzept nicht wirklich zu, ich bin eher ein Vertreter des work-life-blendings. Zufriedenheit stellt sich ein, wenn etwas klappt, das ich mir vorgenommen hatte oder etwas eintritt, das ich mir wünsche. Um es mit einem Zitat aus einer 80er-Jahre-Fernsehserie zu beschreiben: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“ Das kann sich durchaus auch auf kleinere berufliche Anlässe beziehen. Daneben beinhaltet es die Erfüllung ganz alltäglicher Wünsche, wie ein gutes Essen mit meiner Frau zu genießen oder einen gelungenen Abend mit Freunden zu verbringen.   

Wie entspannen Sie am besten?
Krimis lesen.

Wo holen Sie sich sonst noch Kraft, damit Sie Ihren ärztlichen Arbeitsalltag im Krankenhaus leichter bewältigen können?
Bei meiner Frau. Sie unterstützt mich jeden Tag aufs Neue obwohl Sie selbst eine leitende Position bekleidet. Das hilft ungemein und ich bin ihr dafür sehr dankbar.   

Welchen Traum möchten Sie sich in Ihrem Leben noch erfüllen?
So viel wie möglich von der Welt zu sehen …

Haben Sie ein Lebensmotto?
Nein.

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