Tirols Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) hat am Freitag das bisher bei 17 Jahren festgelegte Mindestalter für Patientenkontakt bei der Pflegeausbildung bzw. Pflegelehre infrage gestellt. Man müsse zwar auf das Alter „Bedacht“ nehmen, aber: „Wer es in jungen Jahren nicht packt, packt es auch mit 25 nicht“, sagte sie. Aufgrund zusätzlicher Ausbildungsmöglichkeiten mit aktuell rund 2.000 Auszubildenden war sie zudem optimistisch, den Personalbedarf stemmen zu können.
Bis zum 17. Lebensjahr dürfen aufgrund einer EU-Regelung in der schulischen Ausbildung wie auch in der Pflegelehre keine direkten pflegerischen Tätigkeiten durchgeführt werden. Dies sei in Liechtenstein anders, meinte Hagele und verwies darauf, dass dort die Pflegelehre der zweitbeliebteste Lehrberuf sei. Über die hiesige Regelung müsse man daher „nachdenken“ und dies „politisch diskutieren“, fand die Gesundheitspolitikerin. Die ersten Absolventinnen und Absolventen der Lehre sollten darüber befragt werden, dann müsse man daraus lernen.
Derzeit absolvieren in Tirol 367 Schülerinnen und Schüler an zehn Tiroler Schulen, darunter berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS), eine drei- bzw. fünfjährige Ausbildung zur Pflegeassistenz bzw. Pflegefachassistenz. Das Angebot werde auch weiterhin ausgebaut. Ab Herbst startet etwa in Schwaz eine dreijährige Ausbildungsmöglichkeit. Die Nachfrage nach der noch relativ neuen Ausbildungsform – erst seit 2020 gibt es die dreijährige Variante und seit 2023 die fünfjährige – sei sehr gut, sprach Martina Lasser, Direktorin der Innsbrucker HLWest, bei einer Pressekonferenz von „vollen Klassen“. Jugendliche könnten in dem Alter sehr wohl beurteilen, ob sie „wirklich in die Pflege wollen“, war Lasser sicher.
Teil der Ausbildung sind auch Praktika, wobei man am Anfang ob des jungen Alters der Auszubildenden „nicht sicher“ gewesen sei, wie das funktioniere. Doch die Schülerinnen und Schüler würden „hingeführt“ und sind „begeistert von der Praxis“, sagte Waltraud Buchberger vom Ausbildungszentrum West (AZW). Das AZW fungiert hier als Kooperationspartner und entsendet Lehrkräfte an die Schule.
Der Bedarf an Pflegekräften sei in Tirol weiter hoch, hielt die Landesrätin fest. Derzeit seien rund 2.000 Menschen in Ausbildung. Dies sei zwar „eine gute Zahl“, aber: „In den nächsten zehn Jahren gehen 40 Prozent in Pension.“ Sie glaubte, dass man den Bedarf „knapp“ abdecken könne. Gleichzeitig müsse jedoch das Beschäftigungsausmaß erhöht werden. Im stationären Bereich würden im Schnitt 30 Stunden pro Woche gearbeitet, im mobilen Bereich seien es 20 Stunden. Wenn das Beschäftigungsausmaß steige, würde damit auch mehr Dienstplansicherheit einhergehen, meinte sie.
Einem Bonus für Vollzeitarbeit stand Hagele indes skeptisch gegenüber, nachdem dies eigentlich laut Kollektivvertrag die „normale Wochenarbeitszeit“ sei. Sie tue sich schwer, etwas zu belohnen, „was man voraussetzt“. Ihr sei lieber, wenn Überstunden oder das Weiterarbeiten in der Pension aufgrund steuerlicher Vorteile begünstigt würde.
(APA/red.)

