Onkologisches Leitspital bietet Online-Informationsangebot für BrustkrebspatientInnen

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Autor: Scho

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Der Brustkrebsmonat Oktober macht auf die Situation von Erkrankten aufmerksam und stellt die Früherkennung sowie Brustkrebsforschung und -behandlung in den Fokus. Bei einem Online-Abend informierten Expertinnen des Brustgesundheitszentrums über neue Entwicklungen in der Chemotherapie, in der chirurgischen Behandlung, sowie Therapiemöglichkeiten bei Lymphödem nach einer Brustkrebsoperation. „Eine Krebsdiagnose ist immer ein Schock für die Betroffenen und deren Angehörige und mit vielen Fragen verbunden. Die eigene Erkrankung, sowie auch Therapiemöglichkeiten zu verstehen, ist essentiell.

Es ist uns ein besonderes Anliegen, unseren Patientinnen ein niederschwelliges Informationsangeboten zu bieten und Aufklärungsarbeit zu leisten“, erklärt OÄ Dr.in Ruth Helfgott, Leiterin des Brustgesundheitszentrums am Ordensklinikum Linz. 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen leiden unter Lymphödemen Wichtig ist es auch, über Begleitsymptome von Krebserkrankungen aufzuklären. Dr.in Viola Schöppl, Oberärztin der Plastischen Chirurgie, hat in einem Vortrag über das Lymphöden und Therapiemöglichkeiten informiert – eine Symptomatik, unter der rund 20 Prozent aller BrustkrebspatientInnen leiden. Ein Lymphödem ist eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Zwischenzellraum und wird durch eine Dysfunktion des Lymphgefäßsystems – etwas infolge einer Entfernung von Lymphknoten – ausgelöst.

Das Lymphsystem ist nach dem Blutkreislauf das wichtigste Zirkulationsorgan unseres Körpers. Die Lymphe ist eine milchig-wässrige Körperflüssigkeit, die abgestorbene Zellen, Eiweiß- und Fremdkörper, Bakterien, Fette und Stoffwechselendprodukte ableitet und lebenswichtig ist. Über die linke Schlüsselbeinvene wird sie vom lymphatischen System in den Blutkreislauf eingeleitet. Werden Lymphknoten chirurgisch entfernt, etwa aufgrund einer Krebserkrankung, werden dabei nicht selten auch die Lymphbahnen durchtrennt. Dies hat zur Folge, dass die Lymphe nicht mehr richtig abtransportiert werden kann und im Gewebe verbleibt. Diese Flüssigkeitsanstauung führt zu sichtbaren Schwellungen in den betroffenen Körperbereichen – meist Arme oder Beine – und kann Schmerzen verursachen und in fortgeschrittenen Stadien auch Entzündungen hervorrufen.

„Grundsätzlich unterscheidet man beim Lymphödem vier verschiedene Stadien“, erklärt OÄ Dr.in Viola Schöppl. „Bei Stadium 0 handelt es sich um ein latentes, nicht sichtbares Lymphödem. Das System ist zwar beschädigt aber die Betroffenen haben noch keine Beschwerden. Bei Stadium 1 ist das Ödem sichtbar, aber noch reversibel. Im zweiten Stadium hat sich bereits überschüssiges (Fibrose) beziehungsweise verhärtetes Gewebe (Sklerose) gebildet, das nicht mehr zurückgebildet werden kann. Im dritten Stadium verhärtet sich das Gewebe weiter – es entstehen extreme Schwellungen oder warzenartige Wucherungen.“

Innovative Operationsmethoden

Ein Lymphödem sollte in jedem Fall zuerst konservativ behandelt werden. „Hier empfiehlt sich eine sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie, ein Kombinationsverfahren aus manueller Lymphdrainage, Kompressionstherapie und Bewegungsübungen“, erklärt Dr.in Schöppl. Patientinnen mit Lymphödem leiden vor allem in fortgeschrittenen Stadien unter starken Schmerzen, Funktionsstörungen sowie erhöhter Infektanfälligkeit. Bessern sich die Beschwerden nicht, kann eine chirurgische Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Am Ordensklinikum Linz ist eine neuartige, schonende Operationsmethode im Einsatz, die das Lymphödem nachhaltig bessert. Bei der sogenannten lymphovenösen Anastomose werden intakte Lymphgefäße mit Venen anhand eines supermikrochirurgischen Verfahrens verbunden, wodurch der Abfluss der Lymphflüssigkeit wieder gewährleistet wird. Das Ordensklinikum Linz ist das einzige Spital in Oberösterreich, in dem diese Behandlung durchgeführt wird. In der plastisch-chirurgischen Spezialambulanz wird für alle betroffenen Patientinnen ein individueller Therapieplan entwickelt. Neben der lymphovenösen Anastomose werden auch Lymphknotentransfers, auch im Rahmen von Brustrekonstruktion, und Gewebereduktionstechniken angeboten.

„Diese supermikrochirurgischen Eingriffe ermöglichen es, den physiologischen Lymphabfluss zu rekonstruieren: Für PatientInnen, bei denen konservative Therapieoptionen erschöpft sind, bieten diese Verfahren eine Möglichkeit zur Linderung ihrer Beschwerden“, so Dr.in Viola Schöppl.

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