Polaschek fordert EU-weit Mindeststudienplätze für Medizin

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Autor: Scho

Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) will gegen Ungleichgewichte bei der Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern vorgehen und strebt eine europäische Lösung an. Österreich biete überproportional viele Studienplätze an, sagte er am Rande eines informellen Treffens der EU-Bildungsminister in Brüssel. Der Minister schlägt Mindestzahlen an Studienplätzen pro Land vor. Staaten, die nicht genügend Plätze anbieten, müssten dann andere finanziell unterstützen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass das sogenannte Herkunftslandprinzip wieder eingeführt werde. „Dieses System hat es ja früher auch schon gegeben“, sagt Polaschek gegenüber der APA. „Bevor Österreich der Europäischen Union beigetreten ist, konnten etwa deutsche Studierende in Österreich nur dann studieren, wenn sie auch einen Studienplatz in Deutschland nachweisen konnten.“ Eine solche Regelung unilateral einzuführen, sei aktuell europarechtlich aber nicht möglich. Das gleiche gelte für die aktuellen Quoten: 95 % der Medizinstudienplätze für EU-Bürger, 75 % für Menschen mit österreichischem Reifezeugnis. Diese seien im Rahmen eines langwierigen Verfahrens mit der Kommission ausgehandelt worden und könnten nicht einseitig von Österreich erhöht werden.

Der Minister kann sich zwar eine EU-Regelung auch in einigen anderen Bereichen als der Humanmedizin vorstellen, wie zum Beispiel der Zahnmedizin oder der Veterinärmedizin. Er wolle aber „keine generelle Regelung“. „Wir haben einige wenige Bereiche, wo wir einen großen Bedarf an qualifizierten Personen haben – in vielen Ländern.“ Mit Blick auf Staaten, die hier weniger Studienplätze anbieten, sei es demnach „nur fair, dass diese Ausbildungskosten, die natürlich entstehen, auch von solchen Ländern dann zu einem Teil auch mitgetragen werden“, so Polaschek.

Zustimmung für Polascheks Vorstoß kommt aus der ÖVP. Deren Generalsekretär Christian Stocker fordert zusätzlich eine „Berufspflicht für ausgebildete Ärzte in Österreich“. Auch die österreichische Ärztekammer begrüßt den Vorschlag. „Wir bilden in Österreich mehr als genug Ärztinnen und Ärzte für unseren eigenen Bedarf aus“, meinte derren Präsident Johannes Steinhart. „Doch vor allem von Deutschland, wo viel zu wenige Ärzte ausgebildet werden, werden die Absolventen ‚abgesaugt‘ „.

(APA/red.)

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