Premiere: Arzt steuert, Roboter operiert, Patient rascher zu Hause

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Eine echte Premiere findet heute, dem 2. Februar, im Krankenhaus Oberwart statt: die erste Roboter-Operation im Burgenland. Erst vor kurzem hatte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gemeinsam mit den burgenländischen Spitalsbetreibern den Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) für das Burgenland vorgestellt. Nun setzt die Burgenländische Krankenanstalten-Ges.m.b.H (KRAGES) erste angekündigte Modernisierungen in die Realität um.

Primar Dr. Gottfried Pfleger, Vorstand der Abteilung für Urologie im südburgenländischen Schwerpunkspital, entfernt mit Unterstützung eines neuen „Da-Vinci“-OP-Roboters die Prostata eines Karzinom-Patienten. In der Fachsprache nennt man diesen Eingriff „radikale Prostatektomie“. Der Tumor wird dabei vollständig entfernt, mit dem Ziel, den Patienten zu heilen und seine Lebensqualität so weit wie möglich zu erhalten.

In der Urologie ist dies heutzutage ein Eingriff, den die Fachärzte oft durchführen. Künftig verstärkt mit Hilfe des Roboters. Warum? Primar Pfleger: „Ich kann damit exakter operieren, die Instrumente sind feiner zu bewegen. Dank der 3D-Optik auf dem Bildschirm habe ich eine bessere Sicht. Die Nerven und Blutgefäße werden vergrößert und scharf dargestellt, das ist bei einer Prostata-Entfernung sehr wichtig. Der Bewegungsumfang der Gerätespitzen ist größer als bei einer menschlichen Hand. Das natürliche Zittern der menschlichen Hand wird ausgefiltert und nicht auf die Instrumentenspitze übertragen. Vor allem Eingriffe in einem engen, begrenzten OP-Gebiet wie dem Becken werden übersichtlicher und exakter möglich.“

Schneider von der Konsole aus

Der Operateur selbst sitzt entspannt an der Operationskonsole, vor allem lange Eingriffe sind so für die Chirurginnen und Chirurgen nicht so anstrengend und die Konzentration kann länger aufrechterhalten werden.

Die Eingriffe werden schonender für Patienten: „Sie erholten sich schneller“, so Primar Pfleger. Früher musste man bei einer Prostatektomie insgesamt meistens neun Tage im Spital bleiben, mit der Roboter-OP sind es durchschnittlich fünf. Auch die Ergebnisse in Bezug auf Lebensqualität würden sich mit der neuen Technologie noch verbessern.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, KRAGES-Aufsichtsratsvorsitzender, in der Landesregierung für Gesundheit und Spitäler und damit auch für den RSG verantwortlich, sieht sich in der Grundausrichtung der Spitalsplanung bestärkt: „Uns geht es einerseits darum, alle fünf Spitalsstandorte abzusichern – andererseits wollen wir durch die Spezialisierung in unseren Häusern eine möglichst hohe Versorgungsqualität gewährleisten. Der Einsatz von Roboter-Technologie ist eines von etlichen Beispielen, wie wir Spitzenmedizin im Burgenland für die gesamte Bevölkerung sicherstellen können. Wenn
Spitalsaufenthalte durch Eingriffe mit High-Tech-Geräten kürzer und Patienten dabei weniger belastet werden, zeigt das auch: Unsere Planungen kommen wirklich bei den Menschen an – und Landesgelder werden gut eingesetzt, weil sie der Gesundheit der Bevölkerung dienen. Das ist der Weg, den wir weitergehen werden!“

Investition in Millionenhöhe

Für die Burgenländischen Krankenanstalten-Ges.m.b.H (KRAGES) ist es ein Meilenstein in der Umsetzung des Regionalen Strukturplans Gesundheit, gesetzt bereits zwei Jahre vor der Eröffnung des neuen Spitalsstandortes. Die KRAGES investierte in das System knapp zwei Millionen Euro – und hat damit die neueste Generation des Roboters angeschafft. 2024 übersiedelt der Da-Vinci-Roboter dann mit ins neue Krankenhaus.

KRAGES-Geschäftsführer Hubert Eisl: „Mit dem neuen Roboter-Operationssystem machen die burgenländischen Landesspitäler einen großen Schritt in die medizinische Zukunft. Das Bekenntnis des Landes zur Standortgarantie der Krankenhäuser drückt sich auch durch solche Schlüsselinvestitionen aus. Diese technische Ausstattung auf dem höchsten Stand ist vorteilhaft für Patientinnen und Patienten und macht unser größtes Spital zusätzlich für Ärztinnen und Ärzte zu einem noch attraktiveren Arbeitsplatz.“

Bei den ersten Operationen unterstützt und berät ein so genannter Proctor das Team in Oberwart, am kommenden Mittwoch ist dies Professor Dr. Lukas Lusuardi, Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Urologie und Andrologie. Primar Pfleger bedient den DaVinci an der Konsole aus einem Nebenzimmer. Direkt am OP-Tisch beim Patienten befinden sich ein weiterer Facharzt der Urologie, der Narkosearzt sowie das Team der Pflege. Nach dem Start am 2. Feber werden die Abteilungen für Urologie, Chirurgie und Gynäkologie im KH Oberwart verstärkt mit dem Da-Vinci-System operieren – vor allem dort, wo bisher die „Knopflochchirurgie“ (Laparoskopie) eingesetzt wird. In den USA würden laut Primar Pfleger „mehr als acht von zehn Prostataoperationen bereits robotisch unterstützt“.

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