Zwischenfalls­management als Teamaufgabe erfordert Training

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Autor: Elisabethinen Graz

Strukturierte Simulations-Teamtrainings auf der Intensivstation steigern die Patientensicherheit im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz. In etwa 75 % aller tödlichen Flugzeugunglücke sind auf die sogenannten „Human Factors“ zurückzuführen – also Leadership, Kommunikation, Teamwork, Entscheidungsfindung und Situationsbewusstsein. Diese Zahlen lassen sich auch auf Krankenhäuser übertragen. Daher ist regelmäßiges Training von Zwischenfällen im Rahmen einer Simulation unter realitätsnahen Bedingungen unverzichtbar. Man lernt aus Fehlern, die keinem echten Patienten schaden. Der Fokus dieser Trainings liegt auf Selbstreflexion und dem gemeinsamen Erleben von Lösungsstrategien. Neben Zwischenfällen und Krisensituationen können aber auch Standardabläufe trainiert und perfektioniert werden.

Der Patient, der seit zehn Minuten im Intensiv-Bett um Luft ringt, erleidet während der Versorgung einen Kreislaufstillstand. Plötzlich wird es stressig – das gesamte ärztliche und pflegerische Team kämpft engagiert um das Leben ihres Patienten. Der Atemweg wird gesichert, Medikamente werden verabreicht, verschiedene Zugänge gelegt und später auch ein Herzschrittmacher platziert. Dank der Bemühungen des Teams stabilisiert sich der Patient nach circa 15 Minuten, weitere Untersuchungen werden durchgeführt. Während der Patient auf den Transfer zum Herzkatheterlabor wartet, sitzen die sechs Lebensretter an einem Tisch und sehen sich Videos der Versorgung aus verschiedensten Perspektiven an. Mögliche Verbesserungspotenziale werden besprochen ebenso wie Arbeitsschritte, die extrem gut gelaufen sind. Das Thema Kommunikation und Teamverhalten nimmt einen besonders hohen Stellenwert in dieser Nachbesprechung – genannt Debriefing – ein. Der Patient wird die Nacht jedoch nicht auf der Intensivstation verbringen, sondern in einem Lagerraum – er ist nämlich eine hochentwickelte Plastikpuppe vom Simulations-Anbieter Med-STA.

„In etwa 75 % aller Zwischenfälle lassen sich auf den Faktor Mensch zurückführen – arbeiten wir gemeinsam daran.“

So, oder so ähnlich, laufen jedes Jahr ca. 20 Med-STA Simulations-Teamtrainings im Krankenhaus der Elisabethinen ab. Notfallsituationen oder gar Zwischenfälle sind in einem Krankenhaus zum Glück nicht Alltag – sie finden selten statt. Umso sinnvoller ist es, sich mit dem Wissen um die extreme Wichtigkeit des Einflusses dieser menschlichen Faktoren auseinanderzusetzen. Aspekte wie Teamwork, eine strukturierte Kommunikation, Situationsbewusstsein, Aufgabenmanagement und Entscheidungsfindung sind nämlich trainierbar. Durch realitätsnahe Simulationstrainings werden diese Aspekte begreifbar. Med-STA, ein Unternehmen der Elisabethinen Graz, ist bereits seit 2005 am österreichischen Markt mit professionellen Simulations-Teamtrainings vertreten und hat während dieser Zeit in etwa 15.000 Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer in ganz Österreich betreut.

Neue Techniken und Abläufe werden zuerst mittels Simulation erprobt

Diese Trainings eignen sich aber nicht nur für das Training von Notfällen oder Krisensituationen. Werden beispielsweise neue Arbeitsabläufe oder Techniken in einem komplexen Umfeld wie einer Intensivstation eingeführt, können diese vorab mit dem Simulator auf ihre Sicherheit hin überprüft und Prozessabläufe bei Bedarf optimiert werden.

Strukturänderungen als Auslöser für komplexe Trainings

Für die Versorgungsregion Graz sieht der regionale Strukturplan Gesundheit einige grundlegende Änderungen der Grazer Krankenhaus-Landschaft bis 2025 vor. Eine davon betrifft unmittelbar das Krankenhaus der Elisabethinen sowie das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz. Die beiden Versorger mussten aufgrund ihrer räumlichen Nähe ihr Leistungsangebot im Sinne des Effizienzprinzips und der Vermeidung von Doppelstrukturen anpassen. Defacto wurde damit eine Bündelung von Ressourcen in Form einer Splittung in ein operativ tätiges und ein konservativ tätiges Haus vorgenommen.

Am Krankenhaus der Elisabethinen bestehen daher nun die Abteilungen für Innere Medizin mit einer Intensivstation und einer Palliativstation, die Abteilung für Neurologie mit einem Schlaflabor sowie die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie an den beiden Standorten in der Elisabethinergasse und in Eggenberg. Im Zuge eines Neubaus werden diese Abteilungen bis 2025 wieder an einem Standort in der Elisabethinergasse gebündelt. Während dieses Transformationsprozesses wanderten die Abteilungen für Allgemeinchirurgie und HNO-Heilkunde ebenso wie die Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin an das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Obwohl ein Teil der Anästhesie als Organisationseinheit für Anästhesiologische Schmerzmedizin am Standort verbleibt und somit die anästhesiologische Basisversorgung sichergestellt ist, stellt diese Veränderung auch die intensivmedizinische Versorgung am Standort vor große Herausforderungen. Die Fachärztinnen und Fachärzte für Anästhesie und Intensivmedizin können zwar bei Zwischenfällen innerhalb der Regeldienstzeit unterstützen, stehen jedoch außerhalb der Regeldienstzeit nur mehr in Form einer Rufbereitschaft zur Verfügung. Aus diesem Grund begannen bereits lange vor dem Betriebsübergang die Trainings im Intensivbereich mit dem Schwerpunkt Atemwegssicherung unter besonders schwierigen Bedingungen.

Notfälle sind selten und können extrem sein. Deswegen ist es wichtig, dass wir regelmäßig trainieren! Somit steigern wir nicht nur die Patientensicherheit, sondern auch die Sicherheit und Motivation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Prim. Dr. Elisabeth Roth Anästhesiologische Schmerzmedizin

Einen besonderen Schwerpunkt im Leistungsspektrum der Abteilung für Innere Medizin nimmt der Fachbereich Pulmologie ein.

Im Sinne unserer Patientinnen und Patienten und auch im Sinne einer möglichst optimierten Ressourcennutzung bieten wir eine pulmo­logische Komplettabklärung innerhalb von 48 Stunden an.

OA Dr. Josef Landlinger Facharzt für Pulmologie und Facharzt für Innere Medizin

Diese pulmologische Komplettabklärung beinhaltet, wenn nötig, ein PET-CT, Bronchoskopie und EBUS (endobronchialer Ultraschall), periphere Lymphknotenpunktionen sowie Vorstellung im Thorax-Board. Besonders im Bereich der Bronchoskopie hat sich eine hohe fachliche Expertise herauskristallisiert – so finden bis zu neun diagnostische und/oder therapeutische Eingriffe pro Woche, unter anderem unter Verwendung von EBUS, Argon-Laser, Kryotherapie-Sonden bei gesichertem Atemweg oder unter Jet-Ventilation, im Krankenhaus der Elisabethinen statt. Diese Eingriffe werden mit Unterstützung der Anästhesie im Eingriffsraum des Krankenhauses durchgeführt.

Dieses enorme Leistungsspektrum im Bereich von pulmologischen Eingriffen erfordert natürlich die Erweiterung der Trainingsangebote um das Feld des pulmonalen Blutungsmanagements (beispielsweise mit Bronchus-Blocker oder Doppellumentubus). Für diese Trainings werden sogenannte „High fidelity“ Simulatoren verwendet. Diese Simulatoren können zwinkern, bluten, schwitzen, krampfen oder auch auf verschiedenste Möglichkeiten die Atemwegssicherung erschweren. Sogar ein Ultraschall ist möglich. Dank eines Zusatzmoduls werden die Vitalfunktionen des künstlichen Patienten wie O2-Sättigung, Herzfrequenz, invasive Drücke oder das CO2 in der Ausatemluft auf den echten Überwachungsmonitoren angezeigt.

Seit 2023 wird – übrigens österreichweit einzigartig – ein neuer Lungensimulator mit dem hochmodernen Patientensimulator SimMan 3G Plus kombiniert. Mit dieser neuartigen Kombination lässt sich der lebensnahe Patientensimulator sogar mit verschiedensten Pathologien extrem realistisch beatmen. So kann dieser „Plastikpatient“ nun auch einen Asthma-Anfall erleiden oder an einer schweren COPD erkrankt sein. Gerade in Hinblick auf Trainings im Bereich Pulmologie und Intensivmedizin ist dieser neue Lungensimulator ein sehr sinnvolles und hilfreiches Upgrade.

Rückfragen:

Dr. Michael Weldi, MSc MBA, Leiter der Stabsstelle Patientensicherheitsmanagement & Organisationsentwicklung
Krankenhaus der Elisabethinen GmbH Graz
michael.weldi@elisabethinen.at