Erfassung von Gesundheitsdaten mittels digitalem Helfer

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: GGZ

Eine zeitnahe und automatisierte Erfassung von Patientendaten ist das Ziel in vielen Krankenanstalten und Pflegeheimen. Klassisch werden für die digitale Erfassung Laptops auf Visitenwägen verwendet, welche direkten Zugriff auf das Krankenhausinformationssystem (KIS) haben. Seit knapp einem Jahr erfolgen in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) Tests und Weiterentwicklungen eines mobilen Erfassungsgeräts für vorwiegend pflegerische Daten. Das mobile Erfassungssystem wird von einem Partnerunternehmen entwickelt, in den GGZ getestet und angepasst. Es soll manuell durchgeführte Schritte der Pflege- und Dokumentationstätigkeit im stationären Setting vereinfachen und erleichtern.

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden Vitaldaten wie Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz mit den dafür vorgesehenen Medizinprodukten gemessen und über das mobile Erfassungssystem in die Krankenakten eingespielt. Als logischer erster Schritt ist die Benutzerauthentifizierung der erhebenden Pflegeperson notwendig. Dies geschieht direkt über eine NFC-Schnittstelle und die Mitarbeiterkarte. Im zweiten Schritt muss der Patient erfasst werden. Dies erfolgt mittels eines QR-Codes, welcher zum Beispiel am Patientenarmband oder am Bett angebracht ist. Anschließend erfolgt die Erhebung der Patientendaten zum Beispiel mittels einer Blutdruckmessung. Ein am Gerät angebrachter QR-Code wird gescannt und die Daten werden automatisch an das mobile Erfassungssystem mittels Bluetooth übertragen. Anschließend können die Daten sofort ins KIS übertragen oder weitere Messungen zum Beispiel mit einem Pulsoxymeter durchgeführt werden. Weitere Parameter wie Tellerprotokolle, Einfuhrmengen von Flüssigkeiten etc. können ebenfalls händisch eingetragen werden. Abschließend nach den geplanten Erhebungen werden die Daten ins KIS übertragen und der Patient abgemeldet.

Das mobile Erfassungssystem (ilviClinic) kann man sich wie ein Smartphone mit integriertem Code-Scanner vorstellen. Hygienische Vorgaben wie leicht zu reinigendes, desinfizierbares Gehäuse sind natürlich eine Grundvoraussetzung. Aufgrund der integrierten Kamera kann auch die Wunddokumentation mit dem mobilen Erfassungssystem erfolgen. Ergänzend kann die Kamerafunktion auch für die Meldung von sämtlichen technischen Problemen an die Haustechnik schnell und einfach erfolgen. ilviClinic verwendet als Betriebssystem Android. Folglich können auch Apps von anderen Softwareherstellern eingebunden werden. Damit können Schnittstellen zur Bestellung von Essen, Pflegeartikeln oder Medikamenten eingerichtet werden. Zukünftig soll es die Möglichkeit geben, Abgleiche zwischen Patientenarmband und Dispenser durchzuführen, um Patientenverwechslungen zu vermeiden. Im Hinblick auf das klinische Risiko­management wäre dies ein wesentlicher Beitrag. Aus technischer Sicht essenziell ist neben der einfachen Benutzeradminis­tration die Herstellung der notwendigen Schnittstellen zu den bestehenden Systemen wie dem KIS.

Vonseiten der Pflege wird dieses neue System aufgrund der Praktikabilität geschätzt und gerne verwendet. Es optimiert den Pflegeprozess und minimiert Übertragungsfehler durch Medienbrüche. Aus technischer Sicht war es wichtig, ein handliches, benutzerfreundliches Verbindungsglied zu schaffen, welches die mobile Erfassung von Daten und die Einbindung von Medizinprodukten ermöglicht. In den GGZ wird das System noch heuer in eine Vollausrollung in allen vier Pflegeheimen kommen. Anschließend erfolgt die Ausrollung in der Albert Schweitzer Klinik.

Autor:

DI (FH) Martin Orehovec
Qualitäts- und Projektmanager
Martin.Orehovec@stadt.graz.at
www.ggz.graz.at

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