Krisenresilienz in Österreichs Spitälern

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Herbert Saurugg

Österreich konnte auch während der Pandemiejahre die Versorgung trotz widriger Umstände auf sehr hohem Niveau sicherstellen. Sind Österreichs Spitäler daher krisenresilient? Ja und nein! Spitäler waren bisher auf zwei wesentliche Ausnahme- und damit Krisenszenarien vorbereitet: ein Massenanfall von Verletzten (MANV), der binnen weniger Stunden abgearbeitet werden musste, und eine hausinterne Krise, etwa durch ein Brandereignis oder ein Infektionsgeschehen, das die Handlungsfähigkeit einschränkt. Eine Unterstützung von extern war dabei immer möglich.

Vernetzte Krisen

Mit der Pandemie wurde erstmals eine neue Dimension erreicht: Sie stellte zur gleichen Zeit eine flächendeckende und länger andauernde Lage dar und betraf das Personal in seinem privaten Umfeld. Zusätzlich kam es zu Beginn zu massiven Problemen bei der Verfügbarkeit von Ressourcen, wie etwa bei der Schutzausrüstung oder bei Desinfektionsmitteln. Eine massive Unterdeckung bei den ICU-Einheiten blieb uns zum Glück erspart. Hier wäre besonders rasch die Personalverfügbarkeit zum Problem geworden.

Die wichtigste Ressource in einem Blackout ist Ihr Personal, das sich zu Hause krisenfit macht. Nur dann kann Ihre Organisation krisenresilient werden.

Insgesamt war die Krisenresilienz, also die Anpassungs- und Lernfähigkeit, trotz diverser Verbesserungspotenziale gegeben. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Grenzen des Möglichen häufig erreicht wurden und auch viel Glück dabei war, dass die Pandemie nicht, wie erwartet wurde, schärfer verlaufen ist. Das könnte beim nächsten Mal anders sein. Daher sollten wir uns nun nicht auf dem Erfolg ausruhen. Wir müssen jetzt Planungen und Vorbereitungen für die nächsten Krisen angehen. Denn eine Entspannung ist kaum in Sicht.

Blackout

Bei der Corona-Pandemie bestanden immer gewisse Zeitpuffer und Koordinierungsmöglichkeiten. Beim realistischen Szenario eines europaweiten Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfalls („Blackout“) könnte das ganz anders kommen. Hier würde von einem Augenblick auf den nächsten kaum mehr etwas funktionieren. Weder die Strom- noch die Telekommunikationsversorgung und damit auch keine Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Auch die Mitarbeiter würden nicht mehr erreicht oder alarmiert werden können. Ganz zu schweigen, ob sie noch ausreichend mobil wären, um in die Arbeit zu kommen. Ein Szenario, das für die meisten Menschen kaum vorstellbar ist. Daher wären die wenigsten Menschen in der Lage, sich zumindest 14 Tage selbst versorgen zu können, bis hoffentlich wieder eine Grundnotversorgung funktioniert. Das betrifft auch die eigenen Mitarbeiter. Befinden sich diese in einer persönlichen oder familiären Ausnahmesituation, werden sie nicht in die Arbeit kommen. Spitäler haben zwar eine Notstromversorgung. Diese deckt jedoch nur einen Bruchteil der erwartbaren Folgen eines Blackouts ab, die erst richtig nach dem Stromausfall beginnen. Der Lieferkettenkollaps würde auch die Spitäler sehr hart treffen: Medikamente, Medizingüter, Wäsche, Reinigungsmaterial, Lebensmittel etc. werden fast täglich angeliefert, was dann nicht mehr funktioniert.

Blackout-Vorsorge in Spitälern

Ohne rasche Rationierung und Triage wäre nach wenigen Tagen Schluss mit der medizinischen Versorgung. Die Bewältigung eines solch möglichen Ereignisses erfordert komplementäre Planungs- und Vorbereitungsmaßnahmen. Hier ist sehr viel Kommunikations- und Abstimmungsarbeit erforderlich, was zwar Ressourcen kostet, aber rasch angegangen und umgesetzt werden kann. Die wichtigste Ressource ist Ihr Personal, das sich zu Hause krisenfit macht. Nur dann kann Ihre Organisation krisenresilient werden. 

Herbert Saurugg, MSc, ist internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge. Er betreibt einen umfangreichen Fachblog
unter www.saurugg.net und berät u.a. Gesundheitseinrichtungen bei einer ganzheitlichen Blackout-Vorsorge.

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