Kongresspräsident Heinz Brock lässt den 15. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress Revue passieren.
Sie haben heuer zum vierten Mal den Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress als Kongresspräsident organisiert. Zufrieden?
Ich war sehr zufrieden. Die Teilnehmerzahl war vergleichbar mit den vergangenen Jahren. Für österreichische Verhältnisse ist das ein extrem stabiler Zuspruch. Entscheidend war für mich, dass die richtigen Leute gekommen sind – Menschen, die nicht nur dabei sein, sondern auch wirklich etwas beitragen wollten. Die Diskussionen waren intensiv, manchmal sogar sehr emotional. Das ist ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Themen bewegen und nicht nur abgenickt werden.

Dr. Heinz Brock leitet das Präsidium des Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongresses, seit der Branchenevent vom Springer Medizin Verlag organisiert wird. Heinz Brock engagierte sich in den 18 Jahren als Ärztlicher Direktor des AKH und zuletzt des Kepler Universitätsklinikums für die Gründung einer Medizinischen Fakultät in Linz und begleitete die Zusammenführung des Linzer AKH mit der Landes,- Frauen- und Kinderklinik sowie mit der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg zum KUK, dem nunmehr zweitgrößten Krankenhaus Österreichs.
Die Abendgestaltung zwischen den beiden Kongresstagen sah diesmal die Verkostung ausgesuchter Weine unter der Begleitung eines erfahrenen Weinexperten vor. Hat das geklappt?
Ja, das war genau das richtige Maß. Nichts Übertriebenes, aber auch nicht zu bescheiden. Sowohl von der Teilnahme als auch vom Ablauf her war das völlig in Ordnung. Es geht bei solchen Abenden ja nicht um Show, sondern darum, dass die Leute ins Gespräch kommen. Und das hat funktioniert.
Lassen Sie uns ein bisschen hinter die Kulissen schauen: Wie viel Arbeit steckt in der Organisation eines solchen Kongresses?
Nach dem Kongress ist vor dem Kongress – um das Bonmot eines alten deutschen Bundestrainers abzuwandeln. Das gilt tatsächlich. Im Sommer lassen wir es etwas ruhiger angehen, aber ab September laufen die Vorbereitungen für das nächste Jahr. Man kann sagen: Ein Dreivierteljahr vorher beginnt die Arbeit richtig.
Wie baut man das systematisch auf? Geht es zuerst um die Themenfindung, dann um die Referenten?
Das Wichtigste ist die Ausrichtung. Man muss ein Motto definieren, das nicht banal wirkt, sondern Aktualität und Relevanz hat. Es darf keine Wiederholung sein, aber auch nicht jedes Mal ein völlig anderes Thema. Beim letzten Mal hatten wir „Neue Wege für alte Ziele“. Das beschreibt gut, worum es geht: Die grundlegenden Ziele im Gesundheitswesen sind unverändert – Versorgung für die Bevölkerung zu bestmöglichen Bedingungen. Aber die Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen, ändern sich: Telemedizin, künstliche Intelligenz, neue digitale Werkzeuge. Diese Potenziale müssen wir diskutieren, auch wenn die Umsetzung oft zögerlich verläuft.
Wie schwierig ist es, jedes Jahr neue Akzente zu setzen, wenn sich die Themen inhaltlich oft ähneln?
Die Themen sind tatsächlich oft dieselben, weil die großen Herausforderungen ungelöst bleiben. Wir haben ehrgeizige Ziele – bessere Versorgung, effizientere Strukturen –, und wir erreichen sie nicht von einem Jahr auf das andere. Aber man muss dranbleiben, immer wieder den Blick auf die neuen Entwicklungen richten. Es bringt nichts, die Flinte ins Korn zu werfen. Auf dem Deutschen Hauptstadtkongress etwa habe ich erlebt, dass wir in Österreich in vielen Bereichen weiter sind. – Man darf also auch ein wenig stolz sein.
Wie überzeugen Sie die Referenten, den Kongress zu bereichern?
Es wird immer anspruchsvoller. Viele Wunschkandidaten sind stark gefragt, nicht nur auf Kongressen, sondern auch in ihrem Berufsalltag. Gleichzeitig gibt es viele parallele Veranstaltungen. Daher braucht es neue Netzwerke, neue Kontakte. Daran arbeiten wir ständig.
Es gibt im Gesundheitsbereich mittlerweile viele Events. Spüren Sie eine Übersättigung?
Ich glaube nicht, dass das Interesse nachlässt. Eher gibt es eine gewisse Zurückhaltung, sich öffentlich zu positionieren. Manche ziehen sich auf ihre Kernaufgaben zurück, anstatt sich in einer öffentlichen Diskussion zu exponieren. Das bedaure ich, denn es braucht diese Stimmen.
Sie haben schon die Diskussionen angesprochen. Gab es für Sie heuer ein Highlight, eine besondere Szene, die hängen geblieben ist?
Ja, gleich mehrere. Besonders spannend fand ich die Diskussionen, bei denen sich Vertreter unterschiedlicher Bereiche wirklich ins Gehege gekommen sind – nicht im negativen Sinn, sondern mit Leidenschaft. Wenn jemand aus der Politik, ein Krankenhausmanager und eine Vertreterin der Pflege heftig über Zuständigkeiten, Budgets oder Versorgungsengpässe diskutieren, dann spürt man: Hier geht es nicht um schöne Worte, sondern um konkrete Probleme. Genau das ist es, was ein Kongress leisten soll: ein Ort sein, an dem man Dinge ausspricht, die sonst oft hinter verschlossenen Türen bleiben. Mir ist auch aufgefallen, dass heuer weniger zurückhaltende Wortmeldungen waren – die Leute haben sich getraut, Kritik zu üben. Und das macht den Unterschied.
Was macht ein Kongresspräsident?
Ich bin nicht allein. Unser Präsidium besteht aus vier Personen. Und es gibt eine gewisse administrative Unterstützung. Aber die Anforderungen sind hoch. Und je näher der Kongress rückt, desto intensiver wird es. Da gibt es dann kaum noch freie Minuten, weil gleichzeitig fünf Dinge erledigt werden müssen: Ein Referent sagt ab, eine Grafik fürs Programm muss fertig werden, eine technische Frage ist zu klären.
Wie viel hängt vom persönlichen Einsatz ab, wie viel vom eingespielten System?
Beides gleichermaßen. Ohne ein System geht es nicht – wir haben Checklisten, Abläufe, Verantwortlichkeiten. Aber am Ende sind es die Menschen, die entscheiden. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert – und das passiert jedes Jahr –, dann zählt Erfahrung und Einsatz. Ein Beispiel: Heuer ist ein Referent erst am Morgen abgesprungen. Da muss man schnell reagieren: Wer kann einspringen? Wie füllt man das Programm, ohne dass es wie ein Lückenfüller wirkt? Solche Dinge sieht das Publikum kaum, aber im Hintergrund laufen sie permanent.
Wie ist das, wenn nach dem Kongress die gesamte Spannung abfällt?
Am Tag danach ist man müde und leer. Aber gleichzeitig läuft im Kopf schon das nächste Jahr ab. Ich beobachte während des Kongresses genau: Welche Themen haben die Leute gepackt? – Welche Diskussionen sind ins Leere gelaufen? – Wo haben Stimmen gefehlt? Diese Eindrücke sind Gold wert für die Vorbereitung. Nach einer kurzen Pause geht es wieder los, Schritt für Schritt. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist wie ein endloser Kreislauf: Man kommt nie wirklich an, sondern dreht immer die nächste Runde. Aber genau das macht es auch spannend.
Können Sie schon verraten, worum es beim nächsten Kongress gehen wird?
Im Detail noch nicht, weil wir uns gerade in der Findungsphase befinden. Aber klar ist: Die großen Themen bleiben – Digitalisierung, Finanzierung, Fachkräftemangel. Gleichzeitig wollen wir stärker auf Querschnittsthemen eingehen: Wie geht die Gesundheitswirtschaft mit dem Klimawandel um? Wie nachhaltig sind unsere Strukturen? Wie können wir Versorgung sichern, wenn Energie oder Lieferketten wackeln? Das sind Fragen, die weit über das Tagesgeschäft hinausreichen, aber immer wichtiger werden.
Das Fazit zum Schluss …
Mein Resümee ist eindeutig positiv. Die Diskussionen waren intensiv, die Stimmung war engagiert und die Rückmeldungen, die ich bekommen habe, waren überwiegend begeistert. Natürlich gibt es Kritikpunkte – zu lange Sessions hier, ein zu volles Programm dort. Aber das gehört dazu. Wichtig ist das Gesamtbild. Und da sehe ich, dass die Leute mit dem Gefühl nach Hause gegangen sind: „Es hat sich gelohnt zu kommen.“ Genau das ist das Ziel – und wenn wir das erreichen, dann weiß ich, dass die ganze Arbeit sich gelohnt hat.


