Roche erreicht ersten Studienerfolg bei Fettleibigkeit

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Der Schweizer Pharmakonzern Roche kann mit einem ersten wichtigen Studienerfolg in seinem Kampf gegen Fettleibigkeit punkten. Wie Daten aus einer frühen klinischen Studie mit dem jüngst übernommenen Kandidaten CT-388 zeigen, war das Mittel sehr wirksam. So hat die einmal wöchentliche Behandlung mit dem Kandidaten innerhalb von nur sechs Wochen zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 18,8 Prozent geführt, teilten die Firma am Donnerstag mit.

Das ist auch im Vergleich zu den bereits zugelassenen Abnehmspritzen viel, wie es von Analysten hieß. An der Börse kam die Studiendaten sehr gut an. Die Aktien zogen zuletzt um 3,8 Prozent auf 236,10 Franken (240,92 Euro) an und zählten damit zu den besten Werten im Schweizer Leitindex SMI.

Mit den deutlichen Kursgewinnen bei Roche verstärken sich die Zeichen einer Kursstabilisierung. Die Papiere hatten seit dem Ende des Corona-Booms kräftig Federn gelassen. Von Kursen von 400 Franken hatte sich die Papiere in rund zwei Jahren fast halbiert.

Auch auf den Blutzuckerspiegel hatte der Kandidat eine normalisierende Wirkung, teilte Roche weiter mit. Allerdings handelt es sich hierbei noch um sehr frühe klinische Daten (Phase-I-Studie), bei der zunächst auch die Verträglichkeit getestet wird.

Analyst Peter Welford vom Investmenthaus Jefferies sprach von günstigen Daten. Es liege aber noch ein weiter Weg vor einer möglichen Zulassung. Zudem sei das Potenzial in dem hart umkämpften Markt schwer abzuschätzen. Es bleibe abzuwarten, ob sich die hohen Kosten für den Wirkstoff rechnen werden. Analyst Stefan Schneider von der Schweizer Investmentbank Vontobel rechnet mit einer Markteinführung frühestens gegen Ende des Jahrzehnts.

Den Kandidaten hatte Roche im Zuge der Milliarden-Übernahme des US-Unternehmens Carmot Therapeutics Anfang Dezember gekauft. Rund drei Milliarden US-Dollar haben sich die Basler den Einstieg in den Kampf gegen Fettleibigkeit kosten lassen.

Produkt-Kandidaten ins Haus geholt

Mit der Übernahme hatte sich Roche verschiedene Produkt-Kandidaten ins Haus geholt, die zur Behandlung von Fettleibigkeit bei Patienten mit und ohne Diabetes eingesetzt werden können. Sie alle basieren auf dem neuartigen GLP-1-Wirkmechanismus, um den es zuletzt viel Medienwirbel gab. Der Kandidat CT-388 gehört ebenfalls zu der Klasse dieser Inkretin-basierten Medikamente, die darauf abzielen, den Blutzucker zu regulieren und den Appetit zu zügeln.

Zu den bereits zugelassenen Medikamenten gehört Tirzepatide von Eli Lilly, ebenfalls ein GLP-1/GIP Agonist. Hier schreibt Analyst Marcel Brand der Züricher Kantonalbank, im Schnitt erwarteten Analysten 2030 einen Umsatz von 24 Mrd. US-Dollar (22 Mrd. Euro) in der Diabetes-Indikation (Mounjaro) und von 23 Mrd. in der Fettleibigkeits-Indikation (Zepbound).

Das weckt Fantasie. Immerhin ist der Kandidat von Roche in puncto Gewichtsverlust vergleichbar effektiv wie das Mittel von Eli Lilly. Allerdings erzielt der Roche-Wirkstoff diesen Verlust in einem deutlich kürzeren Zeitraum als das bereits zugelassene Mittel.

(APA/dpa-AFX/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

US-Forscher arbeiten an Impfstoff gegen Opioid-Überdosierung

US-Forscher arbeiten an Impfstoff gegen Opioid-Überdosierung

In den USA sterben derzeit täglich im Durchschnitt mehr als 150 Menschen an einer Überdosis des synthetischen Opioids Fentanyl. Texanische Wissenschafter arbeiten an einem Impfstoff, der helfen soll. Durch die Vakzine hervorgerufene Antikörper sollen das Opioid im Blut abfangen, bevor es das Gehirn erreicht.

ÖÄK-Mayer: Stehen mit Expertise bei Reform des Aufnahmetests für das Medizinstudium bereit!

ÖÄK-Mayer: Stehen mit Expertise bei Reform des Aufnahmetests für das Medizinstudium bereit!

ÖÄK-Vizepräsident spricht sich für breite Analyse des MedAT aus und dafür, das Erfassen sozial-emotionaler Kompetenzen stärker in die Beurteilung einfließen zu lassen.