Salzburg: Ausbildungsinitiative für niedergelassene KinderärztInnen

Lesedauer beträgt 4 Minuten
Autor: Scho

Derzeit sind im Bundesland Salzburg bei den niedergelassenen Kinderärztinnen und -ärzten 17 von 19 Stellen besetzt. Vier Ärztinnen und Ärzte werden in den kommenden Jahren in Pension gehen. Gleichzeitig steigt bei den nachrückenden Pädiaterinnen und Pädiatern der Bedarf an Teilzeitstellen – der Frauenanteil bei den Auszubildenden beträgt mehr als 50 Prozent. Fazit: Unter den heutigen Umständen können spätestens ab 2030 sieben Kassenstellen nicht mehr besetzt werden.

Daher hat Salzburgs Gesundheits- und Spitalsreferent LH-Stv. Christian Stöckl eine Ausbildungsinitiative für niedergelassene Kinderärztinnen und -ärzte genehmigt: „Wir müssen heute handeln, damit wir für 2030 gerüstet sind. Denn die Ausbildung von Fachärztinnen und Fachärzten dauert mehr als fünf Jahre“, begründet Stöckl diesen Schritt.

Professor Daniel Weghuber: „In der medizinischen Ausbildung müssen die Spitäler und der niedergelassene Bereich Hand in Hand arbeiten.“

Das Konzept für die Ausbildungsinitiative stammt von Professor Daniel Weghuber, Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde am Uniklinikum Salzburg, und Primar Christoph Seelbach, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin am Kardinal Schwarzenberg Klinikum (KSK) in Schwarzach. Es umfasst vier Punkte.

Einsatz schon während der Ausbildung

Kinderärztinnen und Kinderärzte, die in den niedergelassenen Bereich wollen, absolvieren ihre Fachausbildung entweder am Uniklinikum Salzburg oder am Kardinal Schwarzenberg Klinikum. Sie werden in Zukunft schon während der Ausbildung in Lehrpraxen für Kinder- und Jugendheilkunde eingesetzt. Dieses Pilotprojekt läuft in Salzburg seit 2022 und wird nun auf Dauer fortgeführt. „Die Auszubildenden sind zumindest sechs Monate fix in den Ablauf einer niedergelassenen Praxis eingebunden und sammeln so bereits in der Ausbildung wertvolle Erfahrungen für die eigene Karriere als niedergelassene Ärztin bzw. als niedergelassener Arzt“, erklärt der niedergelassene Kinderarzt und Ärztekammer-Vertreter Holger Förster, der in seiner Praxis selbst angehende Pädiaterinnen und Pädiater ausbildet.

Die Auszubildenden werden an den Kliniken in strukturierter Form auf die Notwendigkeiten und Anforderungen der Arbeit in einer Ordination vorbereitet.

Auch Vorstellungen von Kooperationsmodellen im niedergelassenen Bereich wie Gruppenpraxen oder alternative Modelle werden Teil der Ausbildung und in enger Kooperation mit der Ärztekammer durchgeführt.

Und all diese Punkte sind Voraussetzung dafür, dass sowohl am Uniklinikum als auch am KSK die Zahl der Ausbildungsstellen in der Pädiatrie erhöht werden können. Konkret wird es am Uniklinikum Salzburg vier zusätzliche und im KSK zwei zusätzliche Ausbildungsstellen geben – mit dem klaren Fokus auf die Ausbildung von niedergelassenen Kinderärztinnen und -ärzten.

Die Gesamtkosten liegen bei mehr als 500.000 Euro pro Jahr für die zusätzlichen Stellen, die vom Land Salzburg finanziert werden.

Hand in Hand

Das Bundesland Salzburg ist in zwei Versorgungsregionen (VR) aufgeteilt: die VR 51 (Stadt, Flachgau, Tennengau) und die VR 52 (Pongau, Pinzgau, Lungau). Das Uniklinikum und das KSK sind die beiden Schwerpunktspitäler der Regionen. Sie betreiben daher pädiatrische Abteilungen und sind für die Ausbildung von pädiatrischen Fachärztinnen und Fachärzten zuständig. „In der medizinischen Ausbildung müssen die Spitäler und der niedergelassene Bereich Hand in Hand arbeiten, wenn wir uns den demografischen und gesellschaftlichen Änderungen erfolgreich stellen wollen“, betont Professor Weghuber.

Primar Christoph Seelbach: „Es ist von zentraler Bedeutung, dass bereits die kinderfachärztliche Versorgung in der Fläche ein starkes Angebot für die Bevölkerung bietet.“

Sein Kollege Primar Seelbach betont: „Es ist von zentraler Bedeutung, dass bereits die kinderfachärztliche Versorgung in der Fläche ein starkes Angebot für die Bevölkerung bietet, das dann wiederum gezielt vernetzt sein muss mit der höher spezialisierten und auch multidisziplinären Versorgung in den Schwerpunktspitälern der Regionen. Mit unserem gemeinsamen Konzept schaffen wir nun die Voraussetzungen für eine nachhaltige pädiatrische Versorgung im gesamten Bundesland Salzburg.“

Im Zug des „Pädiatrie-Gipfels“ wurde auch ein weiteres Problem gelöst. Nach einem Vorschlag von Dozent Paul Sungler, Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken, wird die Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde das bestehende, ausgezeichnete Team von Schulärztinnen und Ärzten in der Stadt Salzburg unterstützen und ab sofort die schulärztliche Betreuung mehrerer Schulen übernehmen: „In Summe geht es um 1100 Schülerinnen und Schüler, für die es derzeit keine schulärztliche Betreuung gibt. Wir übernehmen das, um die Kolleginnen und Kollegen im niedergelassenen Bereich zu entlasten“, erklärt Dozent Sungler.

Mehr über die SALK finden Sie hier.

(OTS/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Zahl der Krankenstände steigt wieder

Zahl der Krankenstände steigt wieder

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) verzeichnete im Jahr 2022 mehr als sechs Millionen Krankenstandsfälle. Nicht nur in den schwer vergleichbaren Coronajahren 2021 und 2020 waren es mit 4,5 bzw. 3,9 Millionen Fällen deutlich weniger. Auch im Vergleich zu 2018 (5,0 Mio. Fälle) und 2019 (5,1 Mio.) war das ein Plus von etwa 20 Prozent.

Plattform zur schnellen Entwicklung von digitalen Gesundheitsanwendungen

Plattform zur schnellen Entwicklung von digitalen Gesundheitsanwendungen

Auf der DMEA (25.–27. April 2023) in Berlin stellt Fraunhofer FIT eine Toolbox zur schnellen Entwicklung von digitalen Gesundheitsanwendungen vor. Die Plattform integriert Anwendungen, Methoden und Lösungen aus mehreren nationalen und EU-Forschungsprojekten. Möglich werden so Gesundheitsdatenräume, die sektorübergreifend Klinik, Praxis und Pflege verbinden.. Zweites Exponat ist eine App zur digitalen Schmerz-Anamnese.

Grundwehrdiener sollen sich ab nun für Stammzellenspende registrieren

Grundwehrdiener sollen sich ab nun für Stammzellenspende registrieren

Pro Tag erkranken laut dem Rotem Kreuz drei Menschen in Österreich an Blutkrebs. Eine Stammzellspende ist oft die einzige Überlebensmöglichkeit. Einen passenden Spender zu finden, ist aber schwierig, die Wahrscheinlichkeit liegt bei eins zu einer halben Million.