Sandoz enttäuscht bei Börsendebüt

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Autor: Scho

Der Schweizer Generika-Hersteller Sandoz hat bei seinem Börsendebüt enttäuscht. Der erste Kurs an der Schweizer Börse SIX wurde am Mittwoch bei 24 Franken (24,85 Euro) festgestellt – womit die ehemaligen Novartis-Tochter auf einen Börsenwert von 11,2 Mrd. Dollar (10,7 Mrd. Euro) kommt. Dieser liegt am unteren Rand der Analystenschätzungen, die von 11 bis 26 Mrd. Dollar reichten. Sandoz betreibt unter anderem einen großen Produktionsstandort in Kundl (Bezirk Kufstein).

„Wir sehen bei vielen Novartis-Anlegern nur ein geringes Interesse an einer eigenständigen Sandoz-Aktie“, hatten die Analysten von Jefferies am Tag vor der Abspaltung von Sandoz vom Mutterkonzern Novartis noch gewarnt. Für Enttäuschung bei Investoren gesorgt haben dürfte zudem, dass Sandoz von der SIX vorerst nicht in den Standardwerteindex SMI aufgenommen wurde.

Trotz des schwachen Auftakts ist der gemessen am Bruttoumsatz weltgrößte Anbieter von Arzneien mit abgelaufenem Patentschutz der größte Neuzugang an der Börse in Zürich seit dem Augenheilkunde-Konzern Alcon – ebenfalls ein Spin-off von Novartis – im Jahr 2019. Und auch europaweit gehört Sandoz heuer zu den größten Börsendebüts. Der mehrheitlich staatliche rumänische Stromerzeuger Hidroelectrica, der im Juli an die Börse in Bukarest ging, ist nach Angaben des Datendienstleisters LSEG aktuell 11,4 Mrd. Dollar wert. Der größte Neuzugang an der Börse Frankfurt, der Pharmaverpackungskonzern Schott Pharma, bringt es auf 4,7 Mrd. Dollar. Weltweit vorne liegt bei den Börsenneuligen der britische Chip-Designer Arm mit knapp 53 Mrd. Dollar.

Kurzfristig volatil

Der Aktienkurs von Sandoz dürfte kurzfristig volatil bleiben. Einige Novartis-Aktionäre dürften aussteigen, dafür Investoren, die auf Generika setzen, einsteigen. Sandoz ist kein klassisches Initial Public Offering (IPO), bei dem frisches Kapital eingesammelt wird. Stattdessen wurden den Novartis-Eigentümern die Titel im Zuge der Abspaltung einfach ins Depot gelegt – eine Sandoz-Aktie für je fünf Novartis-Anteile.

Sandoz-Chef Richard Saynor gab sich jedenfalls optimistisch. „Als unabhängiges Unternehmen wird Sandoz in der Lage sein, seine zielgerichtete Strategie umzusetzen, die auf eine nachhaltige Führungsposition in der wachsenden und kritischen Generika- und Biosimilar-Branche abzielt“, erklärte er. Der Brite setzt vor allem auf die führende Position des Unternehmens bei Nachahmerversionen von biologisch hergestellten Medikamenten – sogenannten Biosimilars – und hat seinen Aktionären steigende Umsätze und eine höhere Rentabilität in Aussicht gestellt. Rivalen sind unter anderem die israelische Teva, der US-Konzern Viatris und die indischen Sun Pharmaceuticals.

Marktexperten billigen Sandoz ebenfalls Potenzial zu. „In den nächsten Jahren verlieren viele biologisch hergestellte Milliardenmedikamente den Patentschutz, was den Biosimilar-Produzenten einige Chancen eröffnen dürfte“, erklärte etwa Analyst Michael Kunz von der Luzerner Kantonalbank.

Sandoz als Eisbrecher?

Marktexperten setzen darauf, dass gelungene Börsengänge wie Arm, Schott Pharma und Nucera dem bisher verhaltene IPO-Jahr 2023 im Herbst noch frischen Schwung verleihen dürften. „Trotz bleibender Unsicherheiten haben Anleger mehr Vertrauen in die Robustheit der Aktienmärkte und investieren wieder in qualitativ hochwertige IPOs mit einer überzeugenden Equity-Story mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und Wertsteigerungspotenzial“, erklärte Tobias Meyer, Leiter des Bereichs Transaction Accounting und IPO Services beim Beratungsunternehmen EY in der Schweiz.

In der Schweiz könnte sich Sandoz als Eisbrecher erweisen. Denn an der SIX gab es dieses Jahr noch kein IPO im klassischen Sinn. Neu gelistet wurden lediglich sechs chinesische Unternehmen im Rahmen einer Zweitnotiz. Als IPO-Kandidaten gelten das Hautpflegeunternehmen Galderma und das Ladestationen-Geschäft des Elektrotechnikkonzerns ABB.

Novartis macht mit der vor mehr als einem Jahr angekündigten Abspaltung des vergleichsweise margenschwachen Geschäfts mit Nachahmerarzneien den vorerst letzten Schritt eines fast zehn Jahre dauernden Umbaus, der den Pharmakonzern ganz auf das lukrative Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten ausrichten soll. Das Unternehmen bekräftigte nach der Abspaltung von Sandoz seine Jahresprognose. Die Novartis-Aktien legten 2,3 Prozent zu.

(APA/ag/red.)

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