Sandoz eröffnet 50 Mio. Euro schwere Produktionsanlage

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Autor: Scho

Der Generika-Hersteller Sandoz mit Sitz im Tiroler Kundl (Bezirk Kufstein) hat eine weitere Anlage zur Herstellung von Antibiotika eröffnet. Mit der 50 Mio. Euro teuren Produktionsstätte soll die Kapazität um 20 Prozent gesteigert werden, hieß es bei einer Pressekonferenz. Die Verantwortlichen forderten indes bessere Rahmenbedingungen in Europa und „faire Marktbedingungen“.

„Es bestürzt mich, dass wir unsere Produkte billiger als eine Packung Süßigkeiten verkaufen“, hielt Richard Saynor, CEO von Sandoz, fest. Er wolle mit den politisch Verantwortlichen in Europa ein „Gespräch über Partnerschaften“ führen, um „nachhaltige Investitionen“ zu ermöglichen. Saynor brachte dafür Maßnahmen wie etwa günstigere Energieverträge, steuerliche Vorteile oder höhere Preise für die Produkte ins Spiel. Er monierte, dass es in Europa dahingehend kein einheitliches Vorgehen gebe, sondern man nur „Markt für Markt“ agieren könne.

In Kundl sah der Sandoz-Chef indes ein Positiv-Beispiel. Bei einer 150 Mio. Euro teuren Produktionsanlage, die im November eröffnet worden war, beteiligte sich die öffentliche Hand mit 50 Mio. Euro, um die Produktion von Penicillin am Standort halten zu können. Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) bezeichnete es ebenfalls als „gutes Beispiel für die Strategie in Österreich“, bei der versucht werde, „Innovation und Produktion“ im Land zu halten. Er räumte jedoch ein: „Wir werden nie in Lohnkonkurrenz mit asiatischen Staaten gehen können.“ Dennoch gelte es, wettbewerbsfähig zu bleiben.
Sandoz-Countrymanager Peter Stenico nannte die in Österreich relativ hohe Inflation sowie die hohen Löhne als Hemmschuh. Für den Österreich-Chef war auch der Preis ein Thema: „Generika sind wertvoll, aber nicht teuer.“ Unabhängig von den Produktionskosten müsse der Preis „immer der günstigste sein“.

Mit der neuen Penicillin-Anlage gab Sandoz jedenfalls auch ein Bekenntnis zum Standort Kundl ab. „Wir haben hier eine unglaubliche Infrastruktur“, sagte Seynor. Immerhin bestehe hier die einzige verbliebene, vertikal integrierte Produktionsstätte in Europa. Für den Aufbau einer komplett neuen Anlage würde man 3 Mrd. Euro benötigen – erteilte er damit einer möglichen Auslagerung eine Absage.

2.700 MitarbeiterInnen in Österreich

Sandoz beschäftigt laut eigenen Angaben 2.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich. Durch die neue Anlage würden aber aufgrund der gesteigerten Effizienz keine zusätzlichen Mitarbeitenden gebraucht, sagte die für Produktion verantwortliche Stephanie Jedner. „Nichts ist wichtiger für uns als Kundl, nichts ist für uns wichtiger als Penicillin“, unterstrich auch Glenn Gerecke, Chief Manufacturing and Supply Officer. Das Pharmaunternehmen habe im Tiroler Unterland eine Anlage mit dem „neuesten Stand der Technik“ gebaut.

Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), der bei der feierlichen Eröffnung ebenfalls anwesend war, zeigte sich von der Investition begeistert. Wenn dadurch 250 Millionen Patientinnen und Patienten mit Penicillin versorgt werden können, sei das „mehr als jeder zweite Europäer“, verdeutlichte er. Er versprach, etwa durch internationale Schulen in Tirol, weiterhin für ein gutes Umfeld zu sorgen: „Es sind die wenigen Dinge, die wir mitgeben können.“

Mit der neuen Anlage auf einer Produktionsfläche von 3.000 Quadratmeter können 240 Millionen Packungen pro Jahr hergestellt werden. Dies entspricht einer Kapazitätssteigerung von 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2023 und einer Verdoppelung zum Produktionsniveau von 2021. Die Produktion wurde damit weiter automatisiert und ermöglicht die Produktion von einer Milliarde weiterer Tabletten Penicillin und einer Verdoppelung wichtiger Trockensäfte im Bereich von Kinderarzneimitteln.

Der seit dem Vorjahr vom ehemaligen Mutterkonzern Novartis getrennte Generikahersteller Sandoz hat seinen Hauptsitz in Basel in der Schweiz. Das Unternehmen verzeichnete laut eigenen Angaben im Jahr 2023 einen Umsatz von 9,6 Mrd. US-Dollar (umgerechnet 8,85 Mrd. Euro) und beschäftigt 20.000 Menschen aus 200 Nationen.

(APA/red.)

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