Sonderausbildung in der Intensivpflege

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Isabella Sparber hat den Weiterbildungslehrgang am Klinikum Wels-Grieskirchen absolviert und ist mit ihrem Wissen Teil des Teams der Internen Intensivstation. Im Interview erzählt sie über ihre Kernkompetenzen, interdisziplinäres Arbeiten, das Erfordernis von Empathie und die Vorzüge von Online-Unterricht.

Frau Sparber, warum haben Sie sich für die Spezialisierung in der Intensivpflege entschieden?

Die Vielseitigkeit unseres Aufgabengebietes ist sicherlich ein Faktor. Zum Leistungsspektrum der internen Intensivstation am Klinikum Wels-Grieskirchen zählen neben der Pflege von kritisch Kranken zum Beispiel auch die Anlage einer temporären Schrittmachersonde, Kardioversionen sowie das Critical-Care-Outreach-Service, welches gemeinsam mit der Anästhesie angeboten wird. Spannend für mich ist vor allem die Betreuung von schwerkranken Patienten, welche abhängig von Beatmungsmaschinen sind, hämodynamisches Monitoring oder eine maschinelle Unterstützung der Nieren benötigen. Technisches Know-how, Troubleshooting, praktisches sowie theoretisches Wissen sind nötig, um diese Patienten adäquat zu versorgen. Zudem spielt die Angehörigenbetreuung dabei eine wesentliche Rolle.

Abgesehen vom spannenden Aufgabengebiet – was bringt noch Abwechslung in den Arbeitsalltag einer Intensivstation?

Das sind unsere Patienten selbst. Sie alle sind unterschiedlich in ihrem Charakter und kulturell sowie sozial geprägt. Dies zeigt sich vor allem, wenn es um das Weaning, die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung, und die Rehabilitation geht. Innerhalb weniger Tagen, in welchen Patienten beatmet und folglich sediert sind, bauen sie Muskulatur ab. Je länger die Beatmungsdauer, desto länger die Entwöhnungs- und Rehabilitationsphase. Hier spielt die Pflege eine wesentliche Rolle. Denn für die Patienten ist dies eine sehr anstrengende und psychisch belastende Zeit. Nach einem wochen- oder sogar monatelangen Aufenthalt mit vielen Höhen und Tiefen ist es nur verständlich, dass ihre Bewältigungsmechanismen nicht mehr greifen. So sind nicht nur Kenntnisse über Beatmung, Weaning sowie die Mobilisation von Bedeutung. Empathie, Verständnis und Ehrlichkeit seitens der Pflege kann unsere Patienten zur Mitarbeit motivieren und ihnen Hoffnung geben. Das Kennenlernen unserer Patienten und der Angehörigen in all seinen Facetten im Erarbeiten gemeinsamer Ziele gehört dazu.

Mit welchen Berufsgruppen arbeiten Sie eng zusammen?

Natürlich können wir die Aufgaben und Leistungen für unsere Patienten nicht alleine schaffen. Unsere Patienten profitierten von einer engen Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegepersonen unterschiedlicher Fachrichtungen, aber auch die Unterstützung von Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden ist unverzichtbar. Im Hinblick auf Diagnostik und Therapie ist die Kooperation mit Labor, Mikrobiologie und Radiologie ein wichtiger Faktor.

Wo haben Sie die Sonderausbildung absolviert? Wie war dies organisatorisch möglich?

Die Intensivpflegeausbildung habe ich an der FH für Gesundheitsberufe in Linz absolviert. Durch die Nähe zu Wels und die gute Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel ließ sich dies organisatorisch unkompliziert gestalten. Die FH in Linz hat sich entschlossen, unabhängig von den Covid-19-Infektionszahlen, weiterhin einige Veranstaltungen online anzubieten, was die Ausbildung familienfreundlicher gestaltet. Pandemiebedingt wurde ich gebeten, meine Praktika vorwiegend bei meinem Arbeitgeber am Klinikum zu absolvieren. So ergab sich die tolle Gelegenheit, Kollegen aus anderen Bereichen zu begleiten und sich einiges abzuschauen. Vor allem die Pflegekräfte der Dialyse haben mich beeindruckt in ihrem wertschätzenden Umgang und in der Förderung der Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit ihrer Patienten.

Welche neuen Kompetenzen konnten Sie sich während der Ausbildung aneignen?

Die Intensivausbildung gab mir nicht nur Gelegenheit, mir Kenntnisse für meinen eigenen Fachbereich anzueignen, sondern ließ mich über den Tellerrand blicken. Beispielweise hatte ich wenig Ahnung von der Versorgung eines Polytraumas. Zusätzlich zum vermittelten theoretischen Wissen durfte ich auf der operativen Intensivstation einiges zur Versorgung von Unfallpatienten dazulernen.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sind für diese Spezialisierung besonders wichtig?

Empathie und Geduld sind zwei Eigenschaften, von denen nicht nur die Patienten profitieren, sondern auch wir Pflegepersonen. Der Alltag auf einer Intensivstation ist nicht immer einfach und wenn man die Befindlichkeiten der Patienten nachvollziehen kann, erleichtert dies die Arbeit. Resilienz mit Bewältigungsstrategien im Umgang schwieriger Situationen ist nötig und soll weiterentwickelt werden. Die Gefahr, dass der Alltag einem langfristig zu nahegeht, besteht sonst genauso wie das Risiko, emotional abzustumpfen. Der Spezialbereich der Intensivpflege verlangt außerdem das Aneignen und Weiterentwickeln von praktischen und theoretischen Kenntnissen. Durch den stetigen technischen sowie medizinischen Fortschritt und das wachsende empirische Wissen der Pflege ist ein Ausruhen auf erworbene Kenntnissen nicht möglich. Das macht die Intensivpflege jedoch noch spannender und interessanter.

Wie haben Sie die letzten beiden Jahre erlebt?

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie war ich in einem Krankenhaus in England tätig. Diese Zeit hat mir enorm viel Kraft abverlangt und ich bin mir dessen bewusst, dass sie auch Spuren hinterlassen hat. Aber auch die letzten zwei Jahre in Österreich haben mir vor Augen geführt, wie sehr wir von gesundheitspolitischen Entscheidungen abhängig sind. Während der Sonderausbildung habe ich – wie auch die Jahrgänge zuvor – selbstverständlich auf meiner Intensivstation ausgeholfen, weil die Situation jede Unterstützung in der Intensivpflege erfordert hat. Ich wünsche mir für zukünftige Kollegen, dass sie sich während ihrer Sonderausbildung nur auf die Ausbildung konzentrieren und das Jahr ohne Zusatzdienste absolvieren können.

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