Die steirische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) hat Freitagnachmittag bei einem Mediengespräch die strategischen Überlegungen bis zum Jahr 2030 öffentlich gemacht. Es waren angesichts des neuen Regionalen Strukturplans Gesundheit 2030 (RSG-St 2030) mit dem Wegfall des geplanten Leitspitals im Bezirk Liezen Änderungen nötig. Ein starker Fokus soll künftig auch auf der Nutzung von Leerstandsflächen liegen, die auch für Privatordinationen vermietet werden könnten.
Im Dezember 2025 wurde der neue RSG beschlossen und er beinhaltete schwarz auf weiß das vorläufige Ende des Leitspitals in der westlichen Obersteiermark. Stattdessen bleiben die KAGes-Spitalsstandorte in Bad Aussee – in abgespeckter Form – sowie Rottenmann erhalten. Letzteres Krankenhaus soll komplett saniert und aufgerüstet werden. Rund drei Mio. Euro hatte die KAGes bereits für den Kauf von Grundstücken für das neue Leitspital ausgegeben und die bisher angehäuften Planungsleistungen belaufen sich auf etwa zwölf Mio. Euro. Hinzu kommen noch Vertragsauflösungen, die wohl etwa eine Mio. Euro kosten werden. In Summe sind also rund 16 Mio. Euro im Zusammenhang mit der von der FPÖ initiierten Streichung des Leitspitals für die KAGes teilweise verloren, rechneten die Vorstände Gerhard Stark und Ulf Drabek vor.
Die Planungen für die Sanierung und Modernisierung des Standorts Rottenmann gehen indessen weiter. Der nächste Schritt werden sogenannte Bauteilöffnungen sein, anhand derer Gutachter entscheiden, was alles neu gebaut und gemacht werden muss. Laut Drabek werde man sich dafür einen Experten aus Niederösterreich holen, der nichts mit der Steiermark und der KAGes zu tun habe, um ein möglichst neutrales Bild zu bekommen. Dass Rottenmann saniert und aufgewertet werden kann, sei bereits fix.

Ein erst vor wenigen Tagen vom Verein Pro Klinikum Stainach publik gemachtes Gutachten, das Zweifel daran aufkommen ließ, wies Drabek zurück. „Die Bausubstanz ist gut, das sagt auch dieses Gutachten.“ Lediglich ein Ausbau als Leitspital und als Ersatz für die anderen nun doch weiter bestehenden Standorte sei nicht möglich gewesen. Die Sanierung werde jedenfalls bei laufendem Betrieb über 16 Jahre hinweg vorgenommen. Wann Baubeginn ist, sei noch offen.
In den vergangenen zehn Jahren wurden aus 15 Spitalsverbünden sieben. Damit sei die KAGes am Ziel der Zusammenschlüsse angelangt. Die in den Verbünden zusammengefassten Spitäler sollen künftig noch stärker in Schwerpunkte für Akutfälle und geplante Operationen und Eingriffe eingeteilt werden. Innerhalb der Verbünde herrsche dann keine Konkurrenz mehr, sondern die Spitäler ergänzten sich in ihren Leistungen. Als Beispiel wurden etwa Hartberg und Feldbach genannt. Während in Hartberg hauptsächlich geplante Eingriffe stattfinden, kommen Akutfälle aus der Oststeiermark vorwiegend nach Feldbach. Die Geburtenstation in Hartberg sei weiterhin gesichert. Rund 500 Babys kommen jährlich in Hartberg zur Welt. Risikogeburten wird allerdings Feldbach empfohlen.
Insgesamt liege man im 2023 bis 2030 vorgelegten Plan, der allerdings jährlich adaptiert wird, unterstrich Aufsichtsratsvorsitzender Peter Umundum. Zwischen 2023 und 2025 konnten die tagesklinischen Leistungen um 30 Prozent gesteigert werden. Seit 2025 könne die KAGes von einer Vollbesetzung aller Stellen sprechen – übliche Fluktuationen natürlich ausgenommen.
Vermietung von Leerstand und teurem Gerät
Sorge bereite aber der Flächenzuwachs. Obwohl Objekte besser gedämmt sind als früher, sei der Energieaufwand immer noch etwa gleich hoch. Drabek führte das auf Leerstandsflächen zurück. Die Nettogeschoßfläche ist von 2005 bis 2025 um 25 Prozent angestiegen. „Das muss weniger werden“, sagte der Vorstand. Alternativ sollen die Flächen besser genutzt werden. Da kommen auch externe Mieter ins Spiel. Die KAGes stellt bereits Flächen für nicht-klinische Leistungen zur Verfügung. Beispielsweise wurde in Hartberg ein Frauengesundheitszentrum im LKH angesiedelt, um auch Mangel von Kassenstellen im niedergelassenen Bereich auszugleichen. Derartige Modelle sollen forciert werden.
Doch auch neue Überlegungen für Einnahmen durch Vermietung werden angedacht: So könnten künftig Ärztinnen und Ärzte, die zusätzlich zu ihrem Job im Krankenhaus auch noch eine Privatordination führen wollen, diese möglicherweise direkt auf Leerflächen im Spital einrichten. Die KAGes will den Medizinern dabei ein Rund-um-Paket gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Voraussetzung sei natürlich, dass weiterhin im Krankenhaus zumindest zu 80, noch besser zu 100 Prozent gearbeitet werde. Mehr als 48 Stunden seien im Spital aber aufgrund des Arbeitszeitgesetzes nicht erlaubt. Laut Stark würden gerade Leistungsträger des Spitals auch oftmals gerne zusätzlich eine Privatordination führen. Dieses Angebot wolle man schaffen.
Denkbar sei auch, dass teure technische Geräte, wie etwa ein Magnetresonanztomograf, außerhalb der Nutzungszeiten der KAGes an andere Mediziner vermietet werden können, so Stark. Für die vertraglichen Abwicklungen und Vermietungen muss die KAGes übrigens eigene Tochtergesellschaften gründen. Die Details dazu seien bereits in Ausarbeitung, sagte Umundum.
Vorstandsvorsitzender Stark dürfte diese Entwicklungen wohl nicht mehr aus der ersten Reihe mitverfolgen, denn der bald 65-Jährige wird im Oktober seine Funktion niederlegen. Die Ausschreibung für seine Nachfolge läuft noch. Mitte des Jahres soll eine Entscheidung fallen, so Umundum.
(APA/red.)

