Verein „PflegerIn mit Herz“ und MedUni Wien richten Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaften ein

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Autor: Scho

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt rasant an: Seit 1993 hat sich die Zahl der PflegegeldbezieherInnen verdoppelt, 2021 zahlte der Bund österreichweit Pflegegeld an 465.814 Menschen aus. Laut Prognosen wird sich diese Zahl bis zum Jahr 2050 erneut nahezu verdoppeln. „Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit dem Thema Pflege. Nun gehen wir gemeinsam mit der MedUni Wien den nächsten Schritt und wollen mit der Etablierung einer Stiftungsprofessur konkrete Ansätze zur Lösung des Pflegenotstands liefern“, erklärt Günter Geyer, Initiator und Präsident von „PflegerIn mit Herz“ sowie Aufsichtsratspräsident des Wiener Städtischen Versicherungsvereins.

Der demografische Wandel, die sich ändernden Familienstrukturen und nicht zuletzt die Corona-Pandemie haben insbesondere den Pflegepersonalmangel massiv verschärft. Vor allem in den Bereichen Psychiatrie, Kinderkrankenpflege und Altenpflege besteht ein dringender Bedarf an Nachwuchs-Fachkräften und Pflegehelfer:innen. Schätzungen zufolge fehlen in Österreich bis 2030 rund 76.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte. „Pflege wird uns künftig alle entweder direkt oder indirekt treffen. Wir brauchen dringend innovative Lösungen, die ab sofort die Stiftungsprofessur der MedUni Wien erarbeiten wird, damit ein funktionierendes und leistungsstarkes Pflegesystem in Österreich sichergestellt werden kann“, sagt Robert Lasshofer, Vorstandsvorsitzender des Wiener Städtischen Versicherungsvereins und Vize-Präsident des Vereins „PflegerIn mit Herz“.

Auf der Suche nach theoretischen und praktischen Lösungen

Der Verein „PflegerIn mit Herz“ finanziert die Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaften an der MedUni Wien in Höhe von 1,5 Mio. Euro mit dem Ziel, nicht nur theoretische, sondern auch praktikable Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Im Kern setzt sich die Professur für Pflegewissenschaften an der MedUni Wien drei konkrete Ziele: Erstens Forschung und Lehre im Bereich der Pflege auf möglichst breiter medizinischer als auch soziodemografischer Ebene. Zweitens soll die Professur eine Schnittstelle bilden, um an bestehenden Organisationen und NGOs andocken zu können und um eine Bündelung der Kräfte zu ermöglichen. Drittens sollen konkrete Lösungen für den Pflegeberuf erarbeitet werden, und bei deren Umsetzung soll beratend mitgeholfen werden. „Mit der Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaften verankern wir in den kommenden Jahren ein höchst relevantes Thema an der MedUni Wien. Wir freuen uns über diese Gelegenheit, unserem gesellschaftlichen Auftrag einmal mehr nachzukommen“, sagt Markus Müller, Rektor der MedUni Wien.

Die Stiftungsprofessur wurde bereits ausgeschrieben, noch im zweiten Quartal 2023 soll das Auswahlverfahren abgeschlossen sein, sodass voraussichtlich ab dem Herbstsemester gestartet werden kann. Das Fach „Pflegewissenschaften“ soll innerhalb eines medizinisch-wissenschaftlichen Umfelds in der Forschung und innerhalb der an der Medizinischen Universität Wien eingerichteten Diplomstudien der Humanmedizin und Zahnmedizin sowie in den Doktoratsstudien in der Lehre vertreten sein. Aus- und Weiterbildungen im Bereich der Pflege, insbesondere in der Intensivpflege und in anderen Spezialausbildungen im Pflegebereich, sollen etabliert werden. Die Stiftungsprofessur ist zunächst auf eine Dauer von drei Jahren vereinbart.

Breites Engagement im Pflegebereich

Der Wiener Städtische Versicherungsverein setzt sich seit vielen Jahren für das Thema Pflege ein. Der Verein „PflegerIn mit Herz“ wurde bereits 2012 vom Wiener Städtischen Versicherungsverein und der Wiener Städtischen Versicherung ins Leben gerufen. Partner der ersten Stunde ist die Erste Bank. Darüber hinaus unterstützt der Versicherungsverein auch die digitale soziale Innovation „Alles Clara“ – die App für pflegende Angehörige. „Alles Clara“ ist ein digitales Entlastungangebot für Menschen in Österreich, die sich um ihnen nahestehende Personen kümmern.

Der Versicherungsverein ist auch Partner von „second victim“. Der Verein „second victim“ unterstützt traumatisierte Personen im Pflege- und Gesundheitswesen in und nach Krisen: niederschwellig, ohne Verknüpfung zum Arbeitgeber und systemunabhängig in Form von kostenlosen psychologischen Gesprächseinheiten. Auch den NGOs Caritas und Volkshilfe steht der Wiener Städtische Versicherungsverein seit Jahren verlässlich zur Seite, vor allem wenn es um die Themen Kinder(armut), Pflege und Altern in Würde geht.

Als eine der führenden Institutionen in medizinischer Forschung und Ausbildung ist die Medizinische Universität Wien ihrem Leitbild, der „Erhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit auf Basis von Wissen und Innovation“, verpflichtet. Entsprechend stellt sich die MedUni Wien den Herausforderungen des Gesundheitssystems der Gegenwart und Zukunft. Dabei werden auch über die spezifischen Fachbereiche hinausgehende Disziplinen von hoher gesellschaftlicher Relevanz wie die Pflegewissenschaften berücksichtigt.

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