Viele Labore verwenden keine angepassten Referenzbereiche für Kinder

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Scho

Viele medizinische Labore in Österreich verwenden keine altersangepassten Referenzbereiche für Kinder. Dies kann dazu führen, dass krankhafte Blutwerte bei Kindern als unauffällig gelten – mit möglichen Folgen für die rechtzeitige Erkennung seltener Erkrankungen, teilte die MedUni Wien mit, die eine entsprechende Analyse durchgeführt hat.

Für die Studie wurden zwei seltene genetische Knochenerkrankungen exemplarisch untersucht: die X-chromosomale Hypophosphatämie (XLH) und die Hypophosphatasie (HPP). Beide Erkrankungen lassen sich anhand bestimmter Laborwerte erkennen – bei XLH ist der Phosphatwert im Blut erniedrigt, bei HPP die Aktivität der alkalischen Phosphatase. Da sich diese Werte im Kindesalter deutlich von jenen Erwachsener unterscheiden, ist die Verwendung altersgerechter Normbereiche für eine korrekte Interpretation entscheidend, betonte die MedUni.

Die Forschenden versandten eine standardisierte Blutprobe mit für ein vierjähriges Kind krankhaften Werten an 26 niedergelassene Labore in Österreich. Obwohl die Messergebnisse technisch korrekt waren, deuteten viele Labore die Werte als für im Kindesalter normal. Nur 18 Prozent der Labore nutzten geeignete Referenzbereiche für Phosphat, 41 Prozent für die alkalische Phosphatase. In mehr als der Hälfte der Fälle blieb die krankhafte Veränderung unbemerkt.

„Ein Grund für dieses Ergebnis ist das Fehlen gesetzlicher Vorgaben“, erläuterte Studienleiter Adalbert Raimann von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni. „In Österreich – wie auch in vielen anderen europäischen Ländern – besteht für Labore noch immer keine Verpflichtung, altersbezogene Referenzwerte zu verwenden oder transparent anzugeben.“

Die Studienautoren empfehlen, nationale und internationale Richtlinien für pädiatrische Referenzbereiche zu entwickeln. Bis dahin könnte eine öffentliche Auflistung von Laboren mit kindgerechten Normwerten Transparenz schaffen, um Kindern und Jugendlichen eine altersentsprechende Labordiagnostik und schnelle Diagnosestellung zu ermöglichen.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Der Österreichische Preis für Integrierte Versorgung 2024 – Jetzt noch bis zum 31. März einreichen
Gestalten Sie das Gesundheitssystem mit

Der Österreichische Preis für Integrierte Versorgung 2024 – Jetzt noch bis zum 31. März einreichen

Der INTEGRI, Österreichischer Preis für Integrierte Versorgung, wird 2024 zum nunmehr siebten Mal vergeben. Reichen Sie bis 31. März 2024 innovative IV-Initiativen Ihrer Institution ein und gestalten Sie das österreichische Gesundheitssystem aktiv mit.

ÖGKV warnt davor Covid-positive Pflegepersonen einzusetzen

ÖGKV warnt davor Covid-positive Pflegepersonen einzusetzen

Spitäler und Langzeitpflegeeinrichtungen gehören zu den sensibelsten Bereichen im Gesundheitssystem. Das Quarantäne Aus gefährdet PatientInnen, so der Pflegeverband.