Warum wir bei hohen Temperaturen weniger Appetit haben

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Der menschliche Körper entwickelt bei hohen Temperaturen in der Regel weniger Appetit. Obwohl dies bereits wissenschaftlich belegt war, waren die Hintergründe dafür bisher unklar. Ein internationales Team unter Leitung der MedUni Wien hat nun erstmals jenen neuronalen Signalweg beschrieben, der die Nahrungsaufnahme bei Hitze drosselt. Die Ergebnisse könnten Ansatzpunkte für neue Therapien von krankhaftem Über- und Untergewicht liefern, teilte die MedUni mit.

Wie die Untersuchungen bei Mäusen zeigten, startet die Signalkaskade im Nucleus parabrachialis, dem „Thermostat im Kopf“, der für die Wahrnehmung der Temperatur zuständig ist. „In diesem Areal haben wir im Gehirn von Mäusen, die eine Stunde lang einer Temperatur von 40 Grad Celsius ausgesetzt waren, die Aktivierung spezieller Zellen beobachtet“, berichtete Tibor Harkany vom Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien, der die Studie in Zusammenarbeit mit Tamas L. Horvath von der Yale University School of Medicine (USA) geleitet hat.

Diese Zellen strecken ihre Fortsätze (Axone) in den Hypothalamus aus, wo jene Neurone sitzen, die die Nahrungsaufnahme koordinieren. Die Signalübertragung auf diese Neurone erfolgt aber nicht direkt, sondern über spezialisierte Zellen namens Tanyzyten. Tanyzyten kleiden die Wand des dritten Ventrikels, also eines der vier Hohlräume des Gehirns, aus. Sie geben für die Kommunikation mit entfernten Zielen Signalmoleküle in die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit ab.

Die Forschenden klärten, dass die nach außen ragenden Strukturen der Tanyzyten in das Hirngewebe eindringen und schließlich mit jenen Neuronen in Kontakt treten, die zur Nahrungsaufnahme anregen. „Der von uns entdeckte Signalweg zeigt also, dass die Einwirkung von Hitze nicht wie bisher angenommen das Sättigungsgefühl beeinflusst. Vielmehr wird über die Freisetzung eines bestimmten Wachstumsfaktors die Aktivität jener Gehirnzellen gehemmt, die zur Nahrungssuche und -aufnahme anregen“, erläuterte Harkany.

Die Kerntemperatur zwischen 36,5 und 37,4 Grad zu halten, ist für den Menschen überlebensnotwendig. Deswegen setzt der Körper bei akuter Einwirkung von Hitze oder Kälte verschiedene Reaktionen in Gang. Reduzierte Nahrungs- bzw. Kalorienaufnahme ist eine dieser Bewältigungsstrategien bei hohen Temperaturen.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Sucht: Eine Million Österreicher mit problematischem Trinkverhalten

Sucht: Eine Million Österreicher mit problematischem Trinkverhalten

Auch wenn die durchschnittliche Menge des konsumierten Alkohols seit den 1970er-Jahren kontinuierlich sinkt, gilt Österreich als "Hochkonsumland". Rund fünf Prozent der Erwachsenen pflegen ein problematisches Trinkverhalten.

Jede Zigarette verkürzt das Leben um rund 20 Minuten
Studie

Jede Zigarette verkürzt das Leben um rund 20 Minuten

Die Angaben stützen sich auf eine neue Auswertung zweier Langzeitstudien aus Großbritannien. Das Forschungsteam berücksichtigte darin aktuellere Daten, eine längere Beobachtungszeit und mehr Faktoren als eine frühere Schätzung aus dem Jahr 2000.