Weiterer Umbau der Vorarlberger Spitallandschaft steht bevor

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Autor: Scho

Vorarlbergs Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) arbeitet mit Experten weiter am Umbau der Vorarlberger Spitallandschaft. Im Fokus steht die Frage, wie die Struktur in zehn oder 15 Jahren aussehen soll. „Wir schließen kein Spital, aber mit welcher Versorgung die Standorte ausgestattet sein werden, darüber entscheiden wir gerade“, sagte Rüscher im Interview mit der APA. Außerdem will sie stärker an der Patientenlenkung arbeiten und kann sich Selbstbehalte vorstellen.

Vorarlberg mit seinen knapp 413.000 Einwohnern hat sieben Spitalstandorte. Zu den Akutkrankenhäusern Bregenz, Dornbirn und Hohenems im Norden (Versorgungsregion Rheintal-Bregenzerwald) kommen im Süden Feldkirch und Bludenz (Versorgungsregion Vorarlberg-Süd). Außerdem gibt es das Krankenhaus Maria Ebene in Frastanz für Suchterkrankungen sowie das Krankenhaus Rankweil (beide Bez. Feldkirch) mit seiner Spezialisierung auf Psychiatrie und Neurologie.

Als Schwerpunktkrankenhaus ist das Spital in Feldkirch die deutlich größte und wichtigste Einheit. Dort werden alle Eingriffe gemacht, die eine spezialisierte stationäre Versorgung erfordern und die ein Spital leisten kann, ohne Universitätsklinik zu sein. Ein Schwerpunktkrankenhaus ist für die Versorgung von 400.000 bis 600.000 Personen ausgelegt. Laut Rüscher sind in Feldkirch bis 2050 Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro notwendig.

Im Norden Vorarlbergs würde der Bau eines neuen Hauses als Alternative zu den drei betriebenen Standorten in etwa gleich viele Mittel verschlingen und wäre mit vielen Unsicherheiten und Projektrisiken verbunden. Stattdessen will man sich auf die Weiterentwicklung der Spitäler in Bregenz, Dornbirn und Hohenems konzentrieren und hofft, mit geringeren Kosten durchzukommen. Rüscher betonte: „Wir haben nicht die Kraft, große Investitionen in parallelen Strukturen zu tätigen.“ Die Krankenhäuser in Bregenz und Hohenems seien „sehr gut saniert“, in Dornbirn bestehe aber im stationären Bereich ein Investitionsbedarf von 200 Mio. Euro. „Bevor wir dieses Geld investieren, muss die Struktur klar sein“, unterstrich die Landesrätin. Als eine Möglichkeit führte sie etwa an, einen Standort nur für stationäre Aufenthalte zu nutzen, einen anderen für ambulante. Auch ist denkbar, aus einem Krankenhaus ein Facharztzentrum zu machen. „Bis zum Ende der Periode (2029, Anm.) wollen wir wissen, wie es weitergeht“, so Rüscher.

Nach den Erfahrungen mit dem Ende 2025 beschlossenen Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) 2030 – die darin festgeschriebene Verlegung von Gynäkologie und Geburtenstation von Dornbirn nach Bregenz sorgte für große Aufregung und ein Volksbegehren – betonte die Landesrätin noch einmal, dass es bei den Umstrukturierungen um die bestmögliche medizinische Behandlung gehe. Der laufende Betrieb der Krankenhäuser verschlinge jährlich 800 Mio. Euro. Bediene man Mehrfachstrukturen, fehle das Geld.

Die Umsetzung der im RSG 2030 enthaltenen Standortbündelungen im Unter- und Oberland laufen laut Rüscher gut und plangemäß. „Ich spüre bei allen Beteiligten große Motivation“, sagte sie. Mit der abschließenden Übersiedlung von Gynäkologie und Geburtenstation nach Bregenz ist im Lauf des Jahres 2029 zu rechnen, in Dornbirn werden stattdessen Orthopädie und Traumatologie gebündelt. Durch sämtliche Zusammenführungen würden pro Jahr rund 10,9 Millionen Euro eingespart. Das sei vor allem auf effizientere Einsätze der Personalteams zurückzuführen, so Rüscher. „Man muss nicht an zwei Standorten Personal aufbauen“, erklärte die Landesrätin.

Übernahme von Dornbirn kein aktuelles Thema

An den Landeskrankenhäusern sind rund 900 Ärzte beschäftigt. Die Planung für die Zukunft basiert auf einer erarbeiteten Ärztebedarfsstudie, die bis 2035 ausgelegt ist. Für Rüscher steht aber nicht nur die Ausbildung von Ärzten im Vordergrund, sondern auch das Halten der medizinischen Fachkräfte. Gerade deshalb hätte Rüscher gerne einen Medizinuni-Standort in Vorarlberg. „Wir bieten attraktive Arbeitsplätze, adäquate Bezahlung, Verlässlichkeit in der Dienstplanung, viele möchten aber auch forschen“, sagte die Landesrätin. Man führe Gespräche mit der Sigmund-Freud-Privatuniversität, ob ein Angebot in Vorarlberg „realistisch“ sei. Die diesbezügliche Prüfung sei im Gang.

Aktuell kein Thema ist die Übernahme des Krankenhauses Dornbirn, das der Stadt gehört. Bei allen anderen Spitälern handelt es sich bereits um Landeskrankenhäuser. „Die Türen sind offen, es ist aber die Entscheidung der Stadt Dornbirn, ob sie das Spital führen und finanzieren möchte“, so Rüscher. Das Land würde sich jedenfalls der Verantwortung stellen, Dornbirn in den Kreis der Landeskrankenhäuser aufzunehmen.

Dass Vorarlberg vorerst lediglich über drei Primärversorgungseinheiten (PVE) verfügt, bedauerte Rüscher. Sie wies aber auch darauf hin, dass diese in die Zuständigkeit der Sozialversicherung fallen. „Die Rolle des Landes beschränkt sich darauf, sie zu fördern“, erläuterte sie. Kämen weitere hinzu, würde sie sich freuen. Es gebe aber auch andere Formen, etwa Gruppenpraxen: „Die freuen uns genau gleich.“ Ein Anliegen Rüschers ist, die Zuzahlungen der Bundesländer zu den PVE aneinander anzugleichen, „das würde bei der Entwicklung gut tun“. Dazu will sie die Vorsitzführung Vorarlbergs in der Landeshauptleutekonferenz bis zum Jahresende nutzen.

1450 als Gesundheitsplattform

Weichen wurden aber auch abseits der Krankenhäuser gestellt. Die „Gesundheit Vorarlberg GmbH“ – ein gemeinsames Unternehmen des Landes Vorarlberg (40 Prozent), der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK, 40 Prozent) und der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG, 20 Prozent) – betreibt in Vorarlberg seit 1. Juli die telefonische Gesundheitsberatung 1450. Zuvor wurde das Service vom Roten Kreuz geleistet. Nun soll aber eine Gesundheitsplattform daraus werden. Schon jetzt werden medizinische Beschwerden abgeklärt, telemedizinische Angebote soll es demnächst geben. Ist eine ärztliche Intervention notwendig, könnte in Zukunft über die 1450 auch die Patientenlenkung bis hin zu einer Terminvergabe oder einer Zuweisung zu einem Facharzt-Ambulatorium („Ich möchte in dieser Legislaturperiode mindestens eins eröffnen“) erfolgen. Die Gesundheitsberatung wird aktuell von 24 Personen geleistet.

Für Rüscher ist klar, dass es „hinter“ der 1450 eine starke Primärversorgung – Allgemeinmediziner, Primärversorgungseinheiten – braucht. Ebenso hält sie es für das Funktionieren des Systems aber auch für notwendig, dass Patienten die richtige Reihenfolge einhalten, sprich: Über die 1450 wird man zum Hausarzt geschickt, dieser weist den Patienten falls nötig dem Facharzt zu. Für eigenmächtig initiierte nächtliche Besuche in der Spitalsambulanz zur Abklärung einer Kleinigkeit hat Rüscher wenig Verständnis. „Wir haben im System wenig Effizienz, das muss verbessert werden“, stellte sie fest. In der Steuerung gelte es konsequenter zu werden, möchte sie in Richtung einer verbindlichen Patientenlenkung gehen. „Ich kann mir einen Selbstbehalt vorstellen, wenn der Weg nicht eingehalten wird“, so die Landesrätin. Eine andere Überlegung wäre ein Belohnungssystem für jene, die es tun. Sollte auf Bundesseite ein Versuch in diese Richtung angedacht werden, könnte sich Rüscher Vorarlberg als Pilot-Bundesland vorstellen.

(APA/red.)

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