Im Bundesland Salzburg dürfte es nach dem Jahreswechsel zu erheblichen Abstrichen beim sogenannten Community Nursing kommen. Dabei beraten und unterstützen ausgebildete Pflegekräfte Familien zu Hause und beraten auch die Gemeinden, etwa bei der Erstellung von Gesundheitskonzepten. Nach drei Jahren läuft allerdings die Finanzierung seitens der EU mit Jahresende aus, und nun informierte das Land die Gemeinden, dass es die aufklaffende Lücke nicht auffüllen wird.
Brüssel stellte bisher 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Im kommenden Jahr werden es nur mehr 1,2 Millionen Euro sein, die der Bund aus dem Pflegefonds für das Community Nursing ausschüttet. Man habe den Gemeinden mitgeteilt, dass im kommenden Jahr im Schnitt 37 Prozent weniger Geld zur Verfügung steht, zitieren die „Salzburger Nachrichten“ das Büro von Soziallandesrat Christian Pewny (FPÖ). Das Land kürze aber selbst keine Mittel, weil es ja auch bisher nichts zum EU-Geld zugeschossen habe. Alle Projekte könnten 2025 weiterlaufen, ob man Stunden reduziere oder selbst zuschieße, sei den Gemeinden überlassen. Rund ein Viertel der Salzburger Gemeinden hat ein Community-Nursing-Projekt laufen.
Der Halleiner Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) ist vom Land bereits informiert worden. In der zweitgrößten Stadt Salzburgs wird die Förderung von 658.687 Euro auf 328.349,61 Euro gekürzt, so Stangassinger am Donnerstag in einer Aussendung. Die schwarz-blaue Landesregierung lasse in Zeiten des Pflegekräftemangels Pflegebedürftige und Gemeinden im Stich, außerdem tue es ihm leid um jene Beschäftigten, für die es keine weitere Beschäftigung geben wird.

Kritik kam auch von der Arbeiterkammer: Der Bund stelle von 2025 bis 2028 Mittel aus dem Pflegefonds bereit. „Für Salzburg stehen rund 72 Millionen Euro für die Sicherung und den Ausbau der Pflege und Betreuung zur Verfügung. Hier liegt es am Land, die entsprechenden Schwerpunkte zu setzen und die Finanzierung der Community Nurses sicherzustellen“, sagte Präsident Peter Eder in einer Aussendung.
SPÖ-Sozialsprecherin Barbara Thöny wirft Pewny Wortbruch vor: Entgegen mehrfacher Zusagen, das Projekt auch 2025 in Salzburg finanziell abzusichern, kürze er nun die Finanzierung. „Das ist glatter Wortbruch des Soziallandesrats. Diese schwarz-blaue Landesregierung kürzt unverschämt bei jenen, die keine mächtige Lobby hinter sich haben.“
Protest kommt auch von den Grünen: „Mit seinen Kürzungen sägt der Soziallandesrat an dem Ast, auf dem wir alle sitzen. Denn Community Nurses leisten wichtige Präventionsarbeit und sorgen dafür, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich zuhause leben können“, so Gesundheitssprecherin Kimbie Humer-Vogl.
(APA/red.)


