98 Prozent der FSME-Erkrankten haben keinen Impfschutz

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Autor: Scho

Mit höheren Temperaturen wird die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) wieder ein Thema. Aktuelle deutsche Zahlen belegen: 98 Prozent der Erkrankten sind nicht oder nur unzureichend per Impfung geschützt. Hohe Erkrankungszahlen wurden vergangenes Jahr sowohl in Österreich als auch in Deutschland und der Schweiz (DACH-Raum) registriert. In Deutschland weitet sich das Endemiegebiet immer weiter aus.

Insgesamt gab es in den DACH-Ländern auch im Jahr 2022 im Vergleich zu den Vorjahren viele FSME-Erkrankungen: In Österreich waren es 179 (2021: 128, 2020: 216, 2019: 108, 2018: 154). Dabei handelte es sich um Kranke, die ins Spital aufgenommen werden mussten. Es wurden aber zusätzlich auch 13 „ambulante“ Fälle registriert, wie vor kurzem in der Virusepidemiologischen Information des Zentrums für Virologe der MedUni Wien zu lesen war. Zwei Erkrankte im Alter von 63 und 86 Jahren starben.

Hoch war die Zahl der FSME-Fälle auch in Deutschland mit 546 Patienten im Jahr 2022, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mit dem Stichtag 16. Jänner 2023 mitteilte. Das war immerhin eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert (2021) von 421 Erkrankungen (2020: 717 Erkrankungen). Das dritte DACH-Land, die Schweiz, registrierte eine ähnliche Situation: 393 FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr (2021: 285, 2020: 454, 2019: 262, 2018: 376; Daten aus Virusepidemiologischer Information mit Verweis auf offizielle Schweizer Stellen).

79 Prozent FSME-Durchimpfung in Deutschland

Die Situation ist laut dem deutschen RKI eindeutig: Den einzigen Schutz stellt die Impfung dar. „Die Mehrzahl (98 Prozent) der 2022 übermittelten FSME-Erkrankten war gar nicht oder unzureichend geimpft, d.h. die Grundimmunisierung war unvollständig oder Auffrischimpfungen fehlten. Ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen könnte wahrscheinlich durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in Risikogebieten mit hoher FSME-Inzidenz (Erkrankungshäufigkeit pro 100.000 Einwohner und Jahr; Anm.) verhindert werden“, stellte das staatliche Institut fest.

Dabei ist gerade in Deutschland die FSME ständig auf dem Vormarsch. „In Deutschland besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und seit 2022 auch im südöstlichen Brandenburg“, schrieb das RKI. Neu bei den Risiko-Landkreisen dabei sind nun offenbar auch Fürstenfeldbruck sowie der Stadtkreis München und Anhalt-Bitterfeld (Sachsen-Anhalt).

In Österreich betrug die Durchimpfungsrate bei der FSME im Jahr 2019 noch 79 Prozent (jemals geimpft). Als mögliches Problem wird von Experten aber die Rate der Auffrischungsimpfungen bezeichnet. Bis zum 60. Lebensjahr sollte nach einer Grundimmunisierung alle fünf, danach alle drei Jahre eine Auffrischung erfolgen. In Deutschland sind die FSME-Impfraten traditionell deutlich geringer. Nach einer Auswertung der Daten der deutschen Kassenärztlichen Vereinigung (Stand: 2020) schwankte die Impfquote innerhalb der Risikogebiete zwischen 7,5 Prozent und 39,1 Prozent bei Erwachsenen.

(APA/red.)

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