Zwölf Prozent der Österreicher direkt betroffen

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Etwa zwölf Prozent der Österreicherinnen und Österreicher waren im Vorjahr von moderater und/oder schwerer Ernährungsarmut betroffen. Das heißt, sie mussten sich bei der Versorgung mit Lebensmitteln bei der Qualität und/oder Quantität einschränken, ergab eine Befragung von rund 2.000 Personen (ab 16 Jahren), die bei einem Symposium der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) in Wien präsentiert wurde.

Rund 420.000 Personen fallen sogar in die Kategorie schwere Ernährungsarmut. Sie mussten teilweise Mahlzeiten unfreiwillig ausfallen lassen oder hatten einen ganzen Tag nichts zu essen. Knapp 13 Prozent der Befragten mit Minderjährigen im Haushalt hatten in den vergangenen zwölf Monaten Sorge, dass ihre Kinder nicht ausreichend zu essen haben. Etwa ein Fünftel gab an, dass sie nicht in der Lage waren, bei Freunden, Bekannten, Verwandten oder Gastronomie zu speisen bzw. andere zum Essen einzuladen.

Besonders betroffen sind laut der Erhebung Jüngere, Kranke, Menschen mit niedrigem Bildungsstand oder Arbeitslose. Betroffene würden beim Einkauf gerne mehr auf gesunde Lebensmittel und -qualität achten. Die größten Hürden sind fehlende finanzielle Mittel, zu wenig Zeit und ein Mangel an erschwinglichen Optionen. Laut Expertinnen und Experten wären Maßnahmen wie eine kostenlose Gemeinschaftsverpflegung, die Senkung der Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sowie die Förderung demokratischer Supermärkte in Kombination mit Verhaltensmaßnahmen, wie der Erhöhung der Ernährungskompetenz, zentral.

Es sei „nicht akzeptabel“ wenn Menschen sich nicht ausreichend und gesund ernähren könnten, sagte Sozial- und Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) in der ORF-Mittags-ZIB. Der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner rief gegenüber Kathpress die Politik zum raschen Handeln auf. „Es braucht dringend politischen Willen und Maßnahmen, um betroffene Menschen konkret zu unterstützen und sicherzustellen, dass jedes Kind in Österreich ausreichend zu essen hat.“

„Besonders Familien mit mehreren Kindern und Alleinerziehende haben mit den gestiegenen Preisen zu kämpfen. Das Scheitern des Lebensmittelgipfels der Regierung vor einem Jahr zeigt seine bitteren Folgen. Ein Einschreiten gegen die Teuerung bei Nahrungsmitteln ist längst überfällig“, meinte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger und forderte die Einführung einer Kindergrundsicherung. Ingrid Reischl, ÖGB Bundesgeschäftsführerin: „Wenn sich Menschen in Österreich, einem der reichsten Länder der Welt, keine anständige Ernährung mehr leisten können, ist das ein Armutszeugnis für die Politik.“ SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim sieht einmal mehr das Totalversagen der schwarz-grünen Bundesregierung im Kampf gegen die Inflation. „Es ist in einem reichen Land wie Österreich ein Skandal, wenn Hunderttausende Menschen Mahlzeiten unfreiwillig auslassen müssen oder Angst haben, dass ihre Kinder nicht ausreichend zu essen haben.“

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Wiener Ärzte fordert mehr Honorar für Vorsorgeuntersuchung

Wiener Ärzte fordert mehr Honorar für Vorsorgeuntersuchung

Gefordert wird nicht nur mehr Geld: Es sei auch an der Zeit, die Leistungen für die Patientinnen und Patienten zu aktualisieren, befindet Erik Randall Huber, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte in der Wiener Kammerer.

Niedergelassene Ärzte: Apotheker durch ärztliche Medikamentenabgabe entlasten

Niedergelassene Ärzte: Apotheker durch ärztliche Medikamentenabgabe entlasten

Die zunehmende Arbeitsbelastung in Apotheken kann durch das Dispensierrecht für Ärztinnen und Ärzte abgefedert werden, betont ÖÄK-Vizepräsident Edgar Wutscher.

UNAIDS: Immunschwächekrankheit soll bis 2030 besiegt werden

UNAIDS: Immunschwächekrankheit soll bis 2030 besiegt werden

2022 waren nach UNAIDS-Schätzungen 39 Millionen Menschen weltweit mit dem Aids-Virus HIV infiziert. 1,3 Millionen Menschen steckten sich neu an. 9,2 Millionen Menschen wurden noch nicht behandelt, darunter 600.000 Kinder. 630.000 Menschen starben durch Aids.