Robert Bauchinger: „Man darf sich nicht fürchten, andere ins Boot zu holen“

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Autor: Josef Ruhaltinger

Robert Bauchinger, Chief Digital Officer (CDO) und CIO-Stellvertreter der Oberösterreichischen Gesundheitsholding, im ÖKZ-Brennpunkt-Interview.

Herr Bauchinger, Sie sind Chief Digital Officer der Oberösterreichischen Gesundheitsholding und haben das Team geleitet, das die Ausschreibung für ein Patienten­portal verfasst hat. Was hat der Patient von einem digitalen Portal?
Robert Bauchinger: Wir sprechen lieber von einem Gesundheitsportal als von einem Patientenportal. Ziel ist, für Patienten mehr Klarheit im österreichischen Gesundheitswesen zu schaffen. Die Menschen wollen wissen, wo sie sich hinwenden können. Für die einen heißt das, einen Termin festmachen oder einen Aufklärungsbogen online abrufen zu können, für andere reicht vielleicht eine Telefonnummer mit Beratung. Das Portal ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Teil, um Orientierung zu bieten und Gesundheitskompetenz zu stärken – etwa durch Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen oder Impftermine.

Robert Bauchinger (geb. 1979) ist Chief Digital Officer (CDO) und CIO-Stellvertreter der Oberösterreichischen Gesundheitsholding. Der gelernte Musiker und psychiatrische Krankenpfleger ist seit mehr als 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig. Sein Wechsel ins Gesundheitsmanagement erfolgte nach Abschluss eines einschlägigen Studiums an der Donau-Universität Krems im Jahr 2006.

Sie haben die oberösterreichischen Ausschreibungskriterien auch den anderen Bundesländern zugänglich gemacht. Warum die Offenheit?
Die Kriterien wurden teilweise gemeinsam erarbeitet. Allein bei uns in Oberösterreich hätte es theoretisch sieben verschiedene Krankenhausträger gegeben, die sieben verschiedene Lösungen entwickelt hätten. Darum der Plan, bei der Formulierung der Ausschreibungskriterien eine gemeinsame Plattform zu schaffen, an der sich alle beteiligen können. Es haben acht Bundesländer mitgearbeitet, die die Perspektiven ihrer Juristen, Techniker, Datenschützer und IT-Experten eingebracht haben. Das war Neuland – so etwas hat man in Österreich noch nie gemeinsam gemacht.

Was haben die Krankenhausträger von einem Gesundheitsportal?
Ein klarer Vorteil ist, dass Menschen dorthin gelangen, wo sie wirklich Hilfe erhalten, – und nicht automatisch in der Notaufnahme landen. Wenn ein Portal hilft, Termine zu vereinbaren, Informationen bereitzustellen oder telemedizinische Beratung anzubieten, dann werden Ressourcen besser genutzt. Wichtig ist: Das Ganze funktioniert nur auf Basis von ELGA. Ohne ELGA macht so ein Portal keinen Sinn.

Macht es Sinn, wenn jedes Bundesland ein eigenes Patientenportal aufsetzt?
Nein. Das Ziel muss sein, gemeinsame Standards zu schaffen, damit ein Bürger in Linz dieselbe Benutzererfahrung hat wie jemand in Wien oder Graz.

Wie steht es um die Interoperabilität, also die Fähigkeit der Portale, sich zu vernetzen?
Technisch ist das lösbar, weil viele Standards schon bestehen – etwa bei Authentifizierung, Datenformaten oder ELGA-Dokumenten. Wichtig ist, dass sich alle daran halten. Es braucht eine gemeinsame Weiterentwicklung verbindlich gestalteter Standards.

Wie definiert man Standards für bestimmte Aufgaben, etwa bei Terminbuchungen?
Die Terminverwaltung ist ein gutes Beispiel. Da muss man festlegen, wie ein Termin technisch beschrieben wird, wie Serientermine funktionieren, welche Organisationseinheiten dahinterstehen oder welche Fachrichtungen angezeigt werden. Selbst scheinbar banale Details wie die Benennung – Frauenheilkunde oder Gynäkologie – müssen vereinheitlicht sein, damit später alle Systeme „gleich sprechen“. Solche Standards fehlen in vielen Bereichen noch.

Klingt kompliziert. Könnte man das nicht einfacher machen?
Man könnte –, aber es gibt derzeit kein österreichweit einheitliches Vorgehen, wie Standards entwickelt und verbindlich festgelegt werden. Es braucht eine Struktur, die sicherstellt, dass am Ende eine Vorgabe steht, die auch angewendet wird.

Was waren die wichtigsten Learnings aus dem bisherigen Prozess?
Dass man sich nicht fürchten darf, andere ins Boot zu holen. Am Anfang hatte man Respekt davor, so viele Personen miteinzubeziehen. Genau das hat sich aber als Stärke erwiesen. Man profitiert enorm vom Wissen anderer. Auch das Vergabeverfahren hilft: Es muss rechtlich einwandfrei gestaltet sein, und gerade bei Projekten dieser Größe ist juristische Präzision entscheidend.

Wann fällt die Vergabeentscheidung?
Geplant ist noch 2025.

Umsetzungsdauer?
Für den Aufbau der ersten Services wird es ein Jahr brauchen.

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