Hitze-Todesfälle-Rekord im heurigen Sommer: 995 Tote geschätzt

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Noch nie seit Beginn des Hitzemortalitätsmonitorings im Jahr 2017 ist die geschätzte Zahl der mit Hitze in Zusammenhang stehenden Todesfälle in Österreich für die Monate Juni bis August so hoch gewesen wie heuer. Nach der aktuellen Auswertung der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wird die Zahl der hitzebedingten Toten für den Zeitraum auf 995 geschätzt. Das 95-Prozent-Unsicherheitsintervall reicht von 625 bis 1.276 Todesfällen, so die AGES am Freitag.

Damit liegt die Schätzung für den Sommer 2026 deutlich über den bisherigen Höchstwerten. Für Juni bis August 2024 hatte die AGES 948 hitzebedingte Todesfälle geschätzt, für 2025 waren es 428. Die jährlichen Schätzungen für den Zeitraum Juni bis August lagen seit 2017 zwischen 324 (2020) und 948 Todesfällen (2024).

Die Entwicklung fällt mit dem heißesten Sommer der 260-jährigen Messgeschichte zusammen. An mehr als 100 Messstationen der Geosphere Austria wurden neue Temperaturrekorde verzeichnet. Erstmals seit Beginn der Messungen stieg die Temperatur sogar über 41 Grad. Dabei wurde mit 41,2 Grad am 5. August 2026 in Bad Deutsch-Altenburg (Niederösterreich) ein neuer Rekord bei der Zahl der Hitzetage erreicht, zudem gab es drei Tage in Folge mit Temperaturen von mindestens 40 Grad.

Auch der Juli war außergewöhnlich heiß: Mit 40,3 Grad wurde der bisherige österreichische Julirekord von 1983 deutlich übertroffen. Im Juni wurde an rund der Hälfte der 277 Wetterstationen in Österreich die Marke von 35 Grad erreicht oder überschritten.

Die AGES weist darauf hin, dass es sich bei den Angaben um Schätzungen für den jeweils gesamten betrachteten Zeitraum handelt und nicht um eine fortlaufende Zählung von Todesfällen. Bei der Berechnung wird auch berücksichtigt, dass sich die Auswirkungen von Hitze auf die Sterblichkeit bis in die Folgetage erstrecken können. Dadurch können Schätzungen für einzelne Zeiträume nachträglich von zuvor veröffentlichten Werten abweichen.

Greenpeace fordert angesichts der 995 Hitzetoten im Sommer 2026 Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) auf, Hitzeschutz zur „Chefsache“ zu machen, hieß es in einer Aussendung am Freitag. Die Umweltschutzorganisation ersuchte ihn um einen Termin und kündigte die Übergabe eines Kondolenzbuchs an. Darin haben Bürgerinnen und Bürger bei einer Greenpeace-Aktion vor dem Bundeskanzleramt ihre Wünsche für einen besseren Hitzeschutz festgehalten. Greenpeace fordert zudem ein Klima-Sofortpaket, das unter anderem mehr Mittel für thermische Sanierungen, einen Notfall-Fördertopf für kurzfristigen Hitzeschutz sowie Maßnahmen gegen Bodenversiegelung und übermäßigen Wasserverbrauch umfasst.

WWF für „Hitzeschutz-Milliarde“

Als weitere Maßnahme verlangt Greenpeace eine „Renaturierungs-Milliarde“ für Städte und Gemeinden, um den Grünanteil zu erhöhen und damit für mehr Kühlung zu sorgen. Klima- und Energieexpertin Jasmin Duregger bezeichnet die Zahl der Hitzetoten als „klares Alarmsignal für die Politik“ und kritisierte, dass Klimaminister Norbert Totschnig (ÖVP) aus Sicht der Organisation zu wenig gegen die Folgen der Klimakrise unternehme. Die Regierung müsse sicherstellen, dass die Bevölkerung bei Hitzewellen besser geschützt werde, so Greenpeace.

Ähnlich auch die Forderungen des WWF. Die Umweltschutzorganisation fordert eine „Hitzeschutz-Milliarde“ für Städte und Gemeinden, eine Sanierungsoffensive und einen wirksamen Renaturierungsplan. „Die Klimakrise wird immer stärker zur Gesundheitsgefahr. Die Bundesregierung muss jetzt direkt in den Schutz der Menschen investieren“, verlangte WWF-Klimasprecher Reinhard Uhrig in einer Aussendung. Zur Finanzierung der Maßnahmen fordert der WWF den raschen Abbau umweltschädlicher Subventionen in Milliardenhöhe.

Die geforderte „Hitze-Milliarde“ soll Entsiegelung, schattenspendende Bäume und zusätzliche Grünflächen finanzieren. Ergänzend benötigt es mehr Renaturierung: Intakte Flüsse, Auen, Moore und gesunde Böden halten Wasser in der Landschaft und tragen zur Abkühlung bei.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: