Das erste "Immunis Sponsorship for Young Science" steht fest

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Autor: Scho

Mehr als 30 Projekte wurden beim 1. Immunis Sponsorship for Young Science eingereicht. Sarah Spöck vom Institut für Entwicklungsimmunologie der Medizinischen Universität Innsbruck wird vom Medizinprodukte-Spezialisten Szabo-Scandic nun mit Geld- und Sachleistungen im Wert von 7.000 Euro in ihrer Forschung unterstützt. Der Anerkennungspreis in der Höhe von 1.000 Euro geht an Mustapha Jaiteh vom Research Centre for Molecular Medicine of the Austrian Academy of Sciences.

„Die Zahl der eingereichten Projekte und ihre Qualität zeigt, dass es im Bereich der immunologischen Forschung einen Förderbedarf im Nachwuchsbereich gibt“, sagt Günter Schleinzer, Verkaufsleiter bei Szabo-Scandic und Initiator des Immunis Sponsorship for Young Science. Die unabhängige Fachjury der Next Generation Immunologists unter der Leitung von Katja Knapp hat alle Einreichungen gewertet und die beiden Preisträger:innen ausgewählt.

Sarah Spöck arbeitet derzeit am Institut für Entwicklungsimmunologie der Medizinischen Universität an ihrer Dissertation. Mit der Erforschung des Einflusses der epigenetischen TET Enzyme auf das Immunsystem gewinnt die 27-jährige Tirolerin den Immunis Sponsorship for Young Science. „Wir haben einige sehr gute Bewerbungen erhalten, weswegen uns die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Was uns bei der Bewerbung von Frau Spöck schlussendlich überzeugt hat, war einerseits die interessante Forschungsfrage, wie defekte TET Enzyme in B Zellen die Funktion dieser Zellen, aber auch nicht betroffene T Zellen beeinflussen. Andererseits waren wir begeistert, dass konkrete Vorschläge genannt wurden, wie der Immunis Preis das laufende Projekt unterstützen könnte“, begründet Knapp die Entscheidung der Jury.

Selbstzerstörerische Antikörper

Spöck geht in ihrem Forschungsprojekt davon aus, dass die epigenetischen TET-Enzyme TET2 und TET3 die Entstehung von Autoimmunerkrankungen, insbesondere der autoimmunen lymphoproliferativen Erkran-kung (ALPS) verhindern können. TET Enzyme katalysieren die Oxidation von 5-Methylcytosin zu 5-Hydroxymethylcytosin und spielen eine wichtige Rolle in verschiedenen Immunzellen. In B-Zellen verhindert die Aktivität der TET Enzyme die Produktion von selbstzerstörerischen Antikörpern, und sie unterbricht die unkontrollierte Verbreitung von T Lymphozyten. TET Aktivität ist also zusätzlich zu der Rolle als Tumorsuppressor in myeloischen Leukämien auch für die richtige Entwicklung und Funktion von B-Zellen erforderlich. Die genauen Folgen eines Funktionsverlustes der TET Enzyme auf molekularer Ebene in B-Zellen werden bisher jedoch noch nicht genau verstanden. Genau hier setzt Sarah Spöcks Arbeit an. Sie erforscht an präklinischen Mausmodellen, welche Auswirkungen der B-Zell-spezifische Funktionsverlust der TET Enzyme hat. „Meine Arbeit soll helfen die molekulare Basis von autoimmunen Lymphproliferationen zu entschlüsseln und die Schwachstellen eines TET-Funktionsverlustes identifizieren. Ich möchte damit den Grundstein für eine mögliche Therapie legen“, beschreibt Sarah Spöck das Ziel ihres Forschungsprojekts.

„Wir freuen uns über die Entscheidung der Fachjury, die mit Sarah Spöck eine würdige Siegerin des Immunis 2021 gekürt hat“, sagt Günter Schleinzer bei der Preisverleihung. Szabo-Scandic fördert das Nachwuchstalent mit einem Preisgeld von 2.000 Euro und Sachleistungen im Wert von 5.000 Euro. Konkret wird Szabo-Scandic Antikörper wie IgG2c, TCRb PE und CD44 FITC sowie Laborverbrauchsmaterialien für die Zellkultur zur Verfügung stellen. Für Sarah Spöck bedeutet der Preis viel: „Der Immunis Sponsorship unterstützt mich auf meinem Weg in die wissenschaftliche Unabhängigkeit.“

Dogma in Frage stellen

Die Jury würdigte zudem die Arbeit von Mustapha Jaiteh über das Immungedächtnis von Strukturzellen mit einem Anerkennungspreis. Der 28-Jährige hat seinen Master an der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM), UK gemacht und arbeitet seit Jänner 2021 am CeMM (Research Centre for Molecular Medicine of the Austrian Academy of Sciences) in Wien an seiner Doktorarbeit. Dabei untersucht er das Konzept des „Immungedächtnisses“ in strukturellen Zellen, wie Fibroblasten, Epithel- und Endothelzellen, und möchte das Dogma in Frage stellen, dass sich nur Immunzellen erinnern können. Die Entdeckung einer immunologischen Recall-Funktion in Strukturzellen würde eine bisher nicht erkannte Eigenschaft des Im-munsystems aufdecken, die für eine therapeutische Intervention gezielt genützt werden könnte, ist Jaiteh überzeugt.

Dabei stützt sich Jaiteh auf die Erkenntnisse seiner Forschungsgruppe an der Medizinischen Universität Wien, die bei der systematischen Charakterisierung der Immungenregulation in Strukturzellen ein epigenetisch kodiertes Immunpotential entdeckt hat. In einer mehrstufigen Versuchsanordnung – von Mauszelllinien bis zur bioinformatischen Analyse – sollen vielversprechende Kandidaten für funktionelle Folgeexperimente mit Gewebsproben ausgefiltert werden, um so einen Standard für strukturelle Zellen beim Immuntraining und der Toleranz zu etablieren. Jaiteh ist überzeugt, dass strukturelle Zellen in der Therapie von Krankheiten mit fehlregulierter struktureller Zellfunktion eine direkte translationale Relevanz spielen: „Da strukturelle Zellen die Entwicklung des Immunsystems ermöglichen, ist es von größter Bedeutung, dass wir verstehen, wie diese Zellen unsere Immunität und Krankheiten systematisch beeinflussen.“

„Wir wünschen Mustapha Jaiteh viel Erfolg bei seiner ambitionierten Arbeit und freuen uns, dass wir diese mit einem Anerkennungspreis würdigen dürfen“, sagt Schleinzer. Der Anerkennungspreis ist mit 1.000 Euro dotiert.

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