Herzkatheter: Eingriffe ohne Übernachtung im Spital

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Autor: Scho

Eingriffe zur Beseitigung von Verengungen der Herzkranzgefäße (Stenosen) mit einem Ballonkatheter, der über eine Bein- oder Armarterie ins Herz vorgeschoben wird, haben die Kardiologie revolutioniert. Die Strategie ist laut österreichischen Herzspezialisten auch ohne eine einzige Nacht im Spital sicher. Das geht aus einem Expertenstatement hervor.

„Auf der Basis der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur besitzen auch Koronar-Interventionen mit der Entlassung (aus dem Spital; Anm.) noch am selben Tag ein gutes Sicherheitsprofil ohne einen Anstieg der Häufigkeit größerer unerwünschter Ereignisse im Vergleich zu Eingriffen mit einer Übernachtung (im Krankenhaus; Anm.)“, schrieb jetzt das Autorenteam von der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (Arbeitsgruppe für interventionelle Kardiologie) mit Experten von Zentren praktisch aller Bundesländer. Allerdings müssten die für einen solchen verkürzten Ablauf geeigneten Patientinnen und Patienten sorgfältig ausgewählt werden und es müsse eine entsprechende Planung erfolgen.

In Österreich gab es 2019 insgesamt rund 45.000 sogenannte Koronarangiografien, also per Herzkatheter erfolgende Untersuchungen. Bei knapp 20.000 Patienten erfolgte im Rahmen dieser Eingriffe eine Behandlung infolge der Verengung eines Herzkranzgefäßes (perkutane Koronarintervention; PCI). Das besteht aus der Diagnose der Stenose und dann zumeist aus dem Aufdehnen der Verengung sowie dem Einfügen einer Gefäßstütze (Stent) zum Offenhalten der Koronararterie. Die in den 1970er-Jahren entwickelte Technik dieser Kathetereingriffe hat Bypass-Operationen zurückgedrängt. In der Behandlung akuter Herzinfarkte führte das zu einer starken Reduktion der Sterblichkeit.

Vor allem im Falle von längerfristig geplanten („elektiven“) Kathetereingriffen im Rahmen der Diagnose und Behandlung von Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist die Entwicklung international zu einem immer kürzeren Aufenthalt im Spital gegangen. „Aktuelle technische Fortschritte wie der Katheterzugang über die Radialarterie (Armbeuge; Anm.), die dritte Generation von Stents, die Wirkstoffe freisetzen (zur Verhinderung von neuerlichen Gefäßverengerungen; Anm.), und die hochwirksame medikamentöse Therapie zur Blutplättchenhemmung (Vermeidung von Blutgerinnseln; Anm.) haben die Sicherheit stark erhöht“, schrieben die Experten in der Wiener Klinischen Wochenschrift. Trotz verschiedener Leitlinien und einer klaren Bevorzugung einer früheren Entlassung aus dem Spital durch die Patienten sei die Zahl der ambulant durchgeführten Koronarkathetereingriffe (ohne Übernachtung im Krankenhaus) in Österreich – vor allem aufgrund von Sicherheitsbedenken – bisher klein geblieben.

International hat sich lauf den Experten der Trend in Richtung Kürzest-Interventionen längst etabliert. Eine Studie aus dem Jahr 2021 mit Daten von fast 820.000 Patientinnen und Patienten mit geplanter Koronarkatheterintervention in 1.716 US-Krankenhäusern zwischen den Jahren 2009 und 2017 zeigte beispielsweise einen Anstieg des Anteils der Spitalsentlassungen noch am gleichen Tag des Eingriffs von 4,5 Prozent auf 28,6 Prozent. Wenn der Kathetereingriff über eine Armarterie erfolgte, erhöhte sich dieser Anteil sogar von 9,9 Prozent auf 39,7 Prozent. Ganz ähnlich war die Entwicklung in Kanada oder in Frankreich.

Ambulant

Die Expertengruppe der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft spricht sich jedenfalls für ambulant durchgeführte Kathetereingriffe bei Patienten mit koronarer Gefäßkrankheit aus. Einige Voraussetzungen: Sie müssen dafür geeignet, der Eingriff muss ohne Komplikationen verlaufen sein. Das Behandlungsteam muss der Spitalsentlassung zustimmen – und schließlich müssen Heimtransport und Betreuung zu Hause sichergestellt werden.

Die Strategie solcher ambulanter Kathetereingriffe orientiert sich nicht nur an den Wünschen vieler Betroffener. Internationale Studien haben belegt, dass sie bezüglich des Personaleinsatzes günstiger und insgesamt kosteneffizienter sind.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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