Beim Ars Electronica Festival wird Linz vom 9. bis 13. September 2026 fünf Tage lang zum Treffpunkt für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Mit dabei ist in diesem Jahr auch die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG): Im Rahmen der „Impact Initiative“ des LBG Open Innovation in Science Centers (LBG OIS Center) wurden in diesem Jahr drei Ludwig Boltzmann Institute eingeladen, den Austausch zwischen Künst und Wissenschaft zu fördern und an der Schnittstelle von Forschung, Kunst und Technologie neue Perspektiven auf Gesundheit und Medizin zu eröffnen.
„Das Ars Electronica Festival bringt Menschen aus Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander ins Gespräch. Für die LBG ist die Teilnahme daher mehr als eine Vorstellung unserer Forschung‘“, so Elvria Welzig und Marisa Radatz, Geschäftsführerinnen der LBG in einer Aussendung. Man wolle wissenschaftliche Erkenntnisse für die Gesellschaft zugänglich machen und somit gemeinsam neue Perspektiven auf zentrale Fragen entwickeln. Einher geht diese Stelllungnahme mit einer allgemeinen Einladung, „die Projekte unserer Institute aus nächster Nähe zu erkunden, mitzumachen“ und mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen.
Die im Rahmen des LBG OIS Center entwickelte „Impact Initiative: Transforming Medicine Through AI and Arts“ wird in Kooperation mit dem Linz Institute for Transformative Change der Johannes Kepler Universität Linz (LIFT_C) und Ars Electronica umgesetzt. Kofinanziert ist die Initiative durch Mittel des Fonds Zukunft Österreich (FZÖ). Ziel ist es, Akteurinnen und Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammen zu bringen, die in klassischen Innovationsprozessen oft nur selten gemeinsam arbeiten: Forschende, KI- und Technologieexperten, Künstler, Kreativschaffende.

Das LBI for Digital Health and Prevention (LBI DHP) zeigt gemeinsam mit dem Künstler Emanuel Gollob das Projekt „Intimate Triage“. Dabei betritt jeweils eine Person für fünf Minuten eine ungewöhnliche Behandlungssituation mit einem humanoiden Roboter und einer menschlichen Fachkraft. Beide hören zu, reagieren, sprechen und gestikulieren mit dem oder der Teilnehmenden. Die Begegnung folgt dabei keinem vorgegebenen Ablauf, sondern wird von den drei Beteiligten gestaltet. Dabei stellen sich die Fragen, wem man vertraut, wer die Diagnose stellt und wer Entscheidungen trifft. Dadurch soll erlebbar gemacht werden, wie sich eine medizinische Situation verändert, wenn nicht mehr nur ein Mensch, sondern auch eine Maschine zuhört, beurteilt und Empfehlungen abgibt.
Das Projekt „P.A.I.N.“ (Personal And Interconnected with Nature) des LBI for Network Medicine (LBI NetMed) und der Künstlerin Mary Maggic befasst sich mit der Frage, wie persönlicher Schmerz und die Verletzungen unseres Planeten miteinander verbunden sind. Durch die Verschmelzung von Kunst, KI und Netzwerkwissenschaft werden dafür oft voneinander getrennte Datensätze wie Klimaindikatoren, Gesundheitsdaten, Stimmungsbilder aus sozialen Medien und Armutsindizes zu einer interaktiven 3D-Weltkugel verknüpft. Besucherinnen und Besucher können eigene Erfahrungen beitragen und erleben, wie diese mithilfe von KI in größere ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge eingeordnet werden.
Das LBI for Science Outreach and Pandemic Preparedness (LBI SOAP) lädt gemeinsam mit der Künstlerin Sonja Bäumel zum Workshop „The Virus Stories We Carry – Encounters at the Human Scale“. In dem interaktiven Format tauschen die Teilnehmenden Geschichten über Viren aus, setzen sich mit Materialien aus der modernen Virologie auseinander und gestalten lebensgroße Virusformen. Durch künstlerische Erkundung eröffnet der Workshop einen neuen Zugang zu Viren und ihrem Verhältnis zu Menschen und städtischen Lebensräumen. Zum Abschluss erhält jeder Teilnehmende ein fotografisches Porträt mit dem selbst gefertigten Virus.
„Die ‚Impact Initiative‘ ist ein Format des LBG OIS Centers um inter- und transdisziplinäre Forschung auf höchstem Niveau durchzuführen und unter Einbindung von Gesellschaft umzusetzen“, so Georg Russegger, Leiter des LBG OIS Centers. „Körperliche und geistige Gesundheit sind gerade durch den medientechnologischen Wandel extremen Situationen ausgesetzt. Um diesen humanitären Herausforderungen zu begegnen, bringen wir Menschen aus Wissenschaft, Medizin, Technologie, Kunst und Gesellschaft zusammen, um neue Zugänge zu bearbeiten. Innovation entsteht nicht allein durch technologischen Fortschritt, sondern dort, wo unterschiedliche Wissensformen, Erfahrungen, Menschen und Maschinen gelungen kooperieren.“
Seit 1979 analysiert das Ars Electronica gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Kunst, Wissenschaft, Technologie und Aktivismus die digitale Transformation und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Unter dem Titel „Negotiating Humanity“ findet das Ars Electronica Festival dieses Jahr von 9. bis 13. September in der Linzer Innenstadt statt und bietet ein breites Programm mit diversen Ausstellungen, Performances, Konferenzen und Workshops.
(red.)


