Wartezeiten von 45 bis 87 Wochen für eine Augen-OP (Grauer Star) – das soll in den steirischen Spitälern in Zukunft wesentlich verkürzt werden. Ein zweiter Linearbeschleuniger soll das Warten und die Anfahrtszeit bei Strahlentherapie in der Obersteiermark verringern und ein „OnkoMobil“ und psychologische Betreuung die Nachsorge nach Tumorbehandlungen verbessern. Landesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) präsentierte am Mittwoch die Maßnahmen im Pressegespräch in Graz.
In der Steiermark warten aktuell mehr als 12.200 Menschen mit Grauem Star auf eine Kataraktoperation – je nach Fortschreiten der Erkrankung zwischen elf Monaten und eineinhalb Jahren. „Ich habe versprochen, dass wir mit aller Vehemenz daran arbeiten werden, um von den langen Wartezeiten runterzukommen“, sagte der Gesundheitslandesrat.
Damit die steirischen Katarakt-Patientinnen und -patienten rascher operiert werden, geht man eine Kooperation mit niedergelassenen Augenfachärzten ein: Die Wartenden können die OP kostenfrei im niedergelassenen Bereich durchführen lassen. Die entsprechenden Ärzte müssen jedoch „klar definierte Kriterien wie zum Beispiel mindestens 550 durchgeführte Operationen in den vergangenen eineinhalb Jahren erfüllen“, wie Michael Koren vom Gesundheitsfonds Steiermark erläuterte. Pro OP bekommen sie 2.000 Euro. Der Eingriff kann in selbst verfügbaren OP-Kapazitäten aber auch in den Operationssälen der KAGes stattfinden.

Insgesamt werden für dieses Projekt 6,3 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Die Beschlüsse dazu sollen Mitte November erfolgen. Die ersten Schreiben an Wartende sollen Anfang 2025 verschickt werden. Anberaumt ist das Projekt auf ein Jahr: Rund 3.100 Patientinnen und Patienten, deren Operation mittlere Dringlichkeit hat, sollen in diesem Zeitraum eine kostenfreie OP im niedergelassenen Bereich bekommen“, führte SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz aus. Die dadurch frei werdenden Plätze werden durch Patienten mit höherer Dringlichkeit nachbesetzt, wodurch sich in dieser Stufe die Wartezeiten ebenso verkürzen.
Das Projekt „OnkoMobil“ soll die Versorgungsqualität bei der onkologischen Nachsorge verbessern. Die Pilotphase startet mit Brustkrebspatientinnen, die auf telemedizinischer Basis fachärztliche Expertise erhalten, statt den oftmals langen und zeitraubenden Weg nach Graz antreten zu müssen. Insgesamt will man ab Mitte 2025 innerhalb von drei Jahren 1.500 Patientinnen in diese Versorgungsform aufnehmen. Die Kosten wurden mit 2,6 Mio. Euro beziffert.
Ausbau von Tages- und Wochenkliniken
Um die Wartezeiten in der Strahlentherapie zu verkürzen, wird für das LKH Hochsteiermark in Leoben ein zweiter Linearbeschleuniger um rund 17 Mio. Euro angeschafft, berichtete Ulf Drabek, KAGes-Vorstand für Finanzen und Technik. Bisher mussten die Patienten aus Kapazitätsgründen teils nach Graz gebracht werden. Weiters will man die psychologische Betreuung der Krebspatienten und ihrer Angehörigen verstärken, denn manchmal erscheine eine nicht gleich startende Strahlentherapie als Wartezeit, sei aber tatsächlich ein Warten auf den optimalen Bestrahlungszeitpunkt, der durch wissenschaftliche Guidelines festgelegt ist, wie Kornhäusl ausführte. „Das muss den Patienten besser erklärt werden“, so der Landesrat.
KAGes-Vorstandsvorsitzender Gerhard Stark hob die bereits erreichte erhöhte Versorgungsqualität durch den Ausbau von Tages- und Wochenkliniken hervor. Hier sei seit 2017 ein Anstieg der tagesklinischen Leistungen um 49 Prozent erzielt worden, mit der neuen Portalambulanz an der Kinderklinik würden nunmehr neun von zehn Patienten ambulant behandelt und stationäre Ressourcen entlastet werden.
Die steirischen NEOS begrüßten die Initiativen ausdrücklich, bezeichneten aber die vorgelegten Maßnahmen als „Notfallpflaster“. Damit die OP-Wartezeiten für alle Eingriffe sinken, brauche es einen Vollzeitbonus für das Gesundheitspersonal, eine Verstärkung der Springerdienste und eine Entbürokratisierungsoffensive, die dem Gesundheitspersonal mehr Zeit für die Patienten gäbe, so NEOS-Chef Niko Swatek.
(APA/red.)


