Novartis schluckt Morphosys für 2,7 Milliarden Euro

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Autor: Scho

Der Schweizer Pharmariese Novartis will das deutsche Biotechunternehmen Morphosys für 2,7 Milliarden Euro übernehmen. Je Morphosys-Aktie will Novartis 68 Euro zahlen, wie beide Seiten mitteilten. Für den Vollzugs des Deals sind noch die erforderlichen kartellrechtlichen Genehmigungen nötig sowie das Erreichen einer Mindestannahmequote von mindestens 65 Prozent der Morphosys-Aktien.

Reuters hatte bereits zuvor von Insidern erfahren, dass sich Novartis in fortgeschrittenen Gesprächen zu einer Übernahme von Morphosys befindet. Das hatte die Aktien der Biotechfirma zu Wochenbeginn auf ein Jahreshoch von 58,50 Euro getrieben.

Novartis habe sich gegen den Arzneimittelhersteller Incyte durchgesetzt, der Vertriebspartner von Morphosys ist und ebenfalls um die Firma geworben habe, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters zuvor von zwei mit der Sache vertrauten Personen. Morphosys-Aktien legten um mehr als 37 Prozent auf ein Jahreshoch von 57,86 Euro zu.

Morphosys mit Sitz in Planegg bei München hat sich auf die Entwicklung von Krebsmedikamenten spezialisiert. Größter Hoffnungsträger des Unternehmens ist das Mittel Pelabresib zur Behandlung von Myelofibrose – einer seltenen bösartigen Erkrankung des Knochenmarks – zu dem Morphosys Ende vergangenen Jahres Ergebnisse der entscheidenden Phase-3-Studie vorlegte. Diese konnten Anleger nicht überzeugen, obwohl Pelabresib das Hauptziel der Studie erreichte. Bei einem wichtigen Nebenziel war jedoch kein statistisch signifikanter Nutzen erkennbar.

Morphosys traut Pelabresib bisher Umsätze in Milliardenhöhe zu und will Mitte des Jahres die Zulassungsanträge für das Medikament in den USA und der Europäischen Union einreichen. Das bisher einzige eigene Medikament auf dem Markt von Morphosys ist das Krebsmittel Monjuvi, das das Unternehmen im Rahmen einer Gewinnbeteiligungsvereinbarung mit Incyte vertreibt. Im vergangenen Jahr erzielte Morphosys mit Monjuvi einen Netto-Produktumsatz in den USA von 92 Millionen Dollar.

Um Kosten zu senken, stellte Morphosys Anfang 2023 einige seiner Forschungsprogramme im Frühstadium ein und strich etwa 17 Prozent seiner Stellen. Der Website des Unternehmens zufolge beschäftigt Morphosys nun fast 550 Mitarbeiter in seinen Niederlassungen in den USA und Deutschland. Novartis hat ebenfalls Stellen und Kosten abgebaut und im vergangenen Jahr das Generikageschäft Sandoz ausgegliedert, um sich auf weniger Therapiegebiete und geografische Märkte zu konzentrieren. Der Schweizer Pharmariese konnte Anleger mit einem kräftigen Umsatz- und Gewinnzuwachs im Jahr 2023 und einer Dividendenerhöhung zuletzt nicht überzeugen.

(APA/ag/red.)

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