Arzneimittel­therapie­sicherheit-Projekte stark beim Deutschen Preis für Patientensicherheit

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Autor: Redaktion

Drei Preisträger zeichnete das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) am 7. September im Rahmen des Big Bang Health Festivals mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit aus. Mit den Preisträger-Themen der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in der ambulanten Betreuung von Patienten, Closed Loop Medication Management sowie Patienten- und Angehörigenbetreuung in Pandemiezeiten war die AMTS stark repräsentiert. Medikationsfehler sind für zirka fünf Prozent aller Krankenhauseinweisungen verantwortlich. Die Auszeichnung ist für den ersten Platz mit 10.000 Euro, für den zweiten mit 6.000 Euro und den dritten Platz mit 3.500 Euro dotiert. Das Preisgeld wird zweckgebunden vergeben. Ende September startet die nächste Ausschreibung für den Deutschen Preis für Patientensicherheit 2024 mit einem Bewerbungszeitraum bis 30. November 2023.

In der Vergangenheit prämierte das APS bereits 33 Leuchtturm-Ideen, die Patientensicherheit fördern und verbessern. Darunter wurden auch einige spezielle Sonderpreise vergeben. Insgesamt wurde der Preis nun an 36 Preisträger vergeben. Die Preisausrichter setzen sich zum Ziel, nicht nur den stationären, sondern verstärkt den ambulanten Bereich im Gesundheitswesen zu Projekteinreichungen zu ermutigen.

Die Preisträger des Deutschen Preises für Patientensicherheit 2023

Platz 1: Mit „Digital unterstütztes hausärztliches Medikationsmanagement für ambulante Patienten mit Polypharmazie“ ging der 1. Platz an das Team aus BARMER, AOK-Nordost, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin und RpDoc® Solutions GmbH. Es geht darum, Gefahren der Polypharmazie digital zu verringern. Die Nutzung von Routinedaten der Krankenkassen zur Behandlungsunterstützung und die elektronisch unterstützte Prüfung auf vermeidbare Risiken sollen Ärzten eine bessere Behandlung ihrer Patienten ermöglichen. Bei einer flächendeckenden Anwendung von niedergelassenen Ärzten könnten laut der BARMER so jährlich bundesweit 65.000 bis 70.000 Todesfälle vermieden werden.

Platz 2: „Auswirkungen pharmazeutischer Interventionen innerhalb des Closed Loop Medication Managements auf die Arzneimitteltherapiesicherheit“ von Vivien Berger, Fachapothekerin für Klinische Pharmazie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinikapotheke. Das Closed Loop Medication Management (CLMM) beschreibt einen sicheren, effizienten und in sich geschlossenen digitalen Medikationsprozess. Für die einzelnen Elemente des CLMM wurde bereits nachgewiesen, dass diese zu einer Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beitragen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen des gesamten CLMM auf pharmazeutische Interventionen (PI) als Maß für die AMTS auszuwerten. Neben der Digitalisierung und Automatisierung trägt der flächendeckende Einsatz von Stationsapothekern in beiden Gruppen zu einer Verbesserung der stationären Patientenversorgung bei. Medikationsfehler können frühzeitig erkannt und gelöst werden, bevor diese zu einer Schädigung der Patienten führen. So werden sowohl Qualität als auch Quantität bei der AMTS-Prüfung miteinander vereint.

Platz 3: „Palliativmedizin & Hospizarbeit in der Pandemie – das PallPan-Projekt in Deutschland“ von Professor Dr. med. Claudia Bausewein, LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin. Erfahrungen im Umgang mit Sterben und Tod während der Corona-Pandemie waren geprägt von Einsamkeit. Schwerstkranke und sterbende Menschen, ob infiziert oder nicht, waren von Besuchseinschränkungen ganz besonders betroffen – viele blieben selbst in der letzten, oft schwersten Phase ihres Lebens allein. Darunter litten Patienten, ihre Angehörigen und das medizinische Fachpersonal. Einige unterstützende Angebote für die Behandlung und Begleitung der Menschen am Lebensende waren durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht mehr umsetzbar. Beispielsweise war die Begleitung durch ehrenamtliche Trauerbegleiter durch die Kontakt- und Besuchseinschränkungen deutlich erschwert.

Damit schwerkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen in künftigen Pandemien in vollem Umfang begleitet und unterstützt werden können, braucht es eine nationale, verbindliche Strategie in Form von Handlungsempfehlungen zur allgemeinen und spezialisierten Palliativversorgung von Patienten (mit oder ohne COVID-Infektion) auf allen Versorgungsebenen sowie Best Practice-Beispiele für den praktischen Alltag. Die Entwicklung dieser nationalen Strategie war das Ziel von „Palliativversorgung in Pandemiezeiten“ (PallPan). Das Verbundprojekt ist Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Grundlage für die Entwicklung der Strategie bildeten neben der internationalen Literatur die Ergebnisse aus insgesamt 16 Studien, die 2020 und 2021 im Verbundprojekt PallPan durchgeführt wurden. Die PallPan-Studien haben Betroffene, Versorgende und Verantwortliche im Gesundheitssystem und in der Politik nach ihren Erfahrungen während der Corona-Pandemie befragt und deren Aussagen ausgewertet. Kernstück der Strategie sind – neben der Sammlung und Entwicklung von Informationsmaterial – konkrete Handlungsempfehlungen, die sich in drei Kapitel untergliedern: 1. Patienten und Angehörige unterstützen; 2. Mitarbeiter unter­stützen; 3. Strukturen und Angebote der Palliativversorgung unterstützen und aufrechterhalten.

Weitere Informationen finden Sie unter
www.aps-ev.de