Digitale Unterstützung für pflegende Angehörige

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Autor: Michaela Endemann

Rund eine Million Menschen in Österreich pflegen und betreuen Angehörige. „Alles Clara“ will österreichweit ein digitales Beratungsangebot für pflegende Angehörige schaffen.

Basis von „Alles Clara“ bildet eine App, in der sich pflegende Angehörige und professionelle Beraterinnen aus der Pflege, Psychologie und weiteren Disziplinen in virtuellen Beratungsräumen austauschen können. Später sollen Videochats hinzukommen. Im Prinzip funktioniert „Alles Clara“ wie ein Messengerdienst für einen hochspezialisierten Nutzerkreis. „Die Anwendung ist intuitiv bedienbar und vor allem datensicher“, so Nicole Traxler, Projektleiterin, Managing Director, Two Next, sowie Social Innovation Manager, ERSTE Stiftung.

Die pflegetheoretische Basis: Personenzentrierung

In der Profession der Pflege steht der Mensch im Mittelpunkt. Personenzentrierung hat sich zu einer internationalen Strategie auf Health Care Policy Ebene entwickelt, die auch von der WHO unterstützt und eingefordert wird. In Europa nimmt Großbritannien eine Vorreiterrolle rein, aber auch im deutschsprachigen Raum, den USA, Kanada, Australien sind personenzentrierte Strategien in der Pflege immer mehr zu beobachten.

Das Konzept der Personenzentrierung soll im digitalen Tool „Alles Clara“ weitergeführt werden. Die Theorie kann jedoch nicht 1:1 übernommen werden. Hanna Mayer, Leiterin des Departments Allgemeine Gesundheitsstudien, Fachbereich Pflegewissenschaft an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften hat in einem Forschungsprojekt die Möglichkeiten personenzentrierter Grundlagen in digitalen Produkten herausgearbeitet. „Will man digitale Tools so entwickeln, dass sie die Bedürfnisse des einzelnen Menschen treffen und nicht einen technischen Selbstzweck erfüllen, so ist Personenzentrierung ein Schlüsselkonzept. Wichtig dabei ist, dass man damit alle Prozesse (von der Entwicklung bis zur Anwendung) und alle Beteiligten mit einschließt“, so Mayer.

Die Personenzentrierung bedeutet für „Alles Clara“, dass diese nicht nur auf Ebene der App und ihrer Entwicklung großen Einfluss auf Konzeption, Design, Usability, Features, Copywriting und Haltung hat. Ziel der Anwendung ist es, in Kontakt zu treten und gemeinsame Entscheidungen zu treffen, also eine Art Leitsystem darzustellen, um die Bedürfnisse der beiden Usergruppen in den Vordergrund zu stellen.

Potenzial für Pflegepersonen

Pflegeorganisationen wie Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe sind Kooperationspartner und stellen die Beraterinnen und Berater zur Verfügung. „Langfristig soll die Möglichkeit, in der Online-Beratung aktiv zu werden, auch zur Attraktivierung der Pflege beitragen, sodass Pflegekräfte länger im Beruf bleiben“, so Traxler.
„Alles Clara“ ist aus einem Forschungsprojekt der Two Next GmbH, der ERSTE Stiftung, der Caritas der Erzdiözese Wien und des Ludwig-Boltzmann-Institute Digital Health and Patient Safe­ty entstanden. Für die Kostenübernahme der digitalen Entlas­tungs- und Pflegeberatung soll die öffentliche Hand involviert werden. Die Privatwirtschaft übernimmt die Verantwortung für die Entwicklung des Messenger-Tools mit Fokus auf Datensicherheit, Usability und State-of-the-Art Technologie. Die „Alles Clara“-App soll noch heuer österreichweit verfügbar sein. Für den Winter werden noch weitere Unternehmen als Kooperationspartner in ganz Österreich gesucht.    //

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