Wider die Entwicklungsresilienz

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: A. di Positas

Vor die Aufgabe gestellt, einem „Neuen“ ohne Vorkenntnisse das österreichische Gesundheitswesen zu erklären, fand sich unlängst Ihr eigentlich als eloquent bekannter Gesellschaftsreporter der als kritisch bekannten ÖKZ wieder.

Der Rote Faden, der sich – vom eigenen Rückblick sprachlos – erkennen ließ, war die Rote Linie der wahren Veränderung des Systems, die es selbst um jeden Turm seiner Burg gezogen hatte. Als Bollwerk gegen den Ungeist der versuchten Veränderungen, von denen sich im Vorhinein nie sagen lässt, ob sie Verbesserungen oder doch nur modern sind, stand es da, das subjektive Bildnis dieses österreichischen Gesundheitswesens.

Da die „Gesundheit der Bevölkerung“ und die „medizinische Versorgung der Menschen im Lande“ ebenso abstrakt bleiben müssen wie die „Rettung der Erde vor der Klimakatastrophe“, kann unter diesen Titeln jeder im Angriff etwas fordern oder in der Verteidigung sich für unzuständig erklären.

Die Vielzahl der „Stakeholder“ im System garantiert zudem, dass jedem als Verbesserungsvorschlag getarnten Anschlag auf diese Burg ein „mit uns hat darüber aber wieder niemand gesprochen“ gegenübersteht. Man muss gar nicht gleich dagegen sein, die Gründung eines Arbeitskreises, einer Kommission, einer Expertengruppe usw. genügen zur Verteidigung des eigenen Turmes.

Aber versuchen Sie es – gedankenexperimentell oder besser wirklich – doch einmal selbst, einem Neuen oder einem Fremden dieses Gesundheitssystem mit seinen immer neun plus eins gesetzlichen Regelungen, seinem gedeckelten Zahlungstopf der Sozialversicherung für die stationäre Versorgung, seinen tausenden Finanzierungsströmen, nie gemessenen Zielerreichungen, seine LKF mit Ausgleichszahlungen, Sonderklasseregelungen, Hierarchien, Silos und Abhängigkeiten usw. zu erklären. Zuerst denkt man, es sei seine Komplexität, das es so resilient gegen jede Entwicklung macht. Fragt der Neue aber beharrlich, warum das Eine oder das Andere denn so sei, wie es ist, dann schreitet jedoch die Erkenntnis des Erzählers schneller voran als die des Zuhörers.

Freilich, der Reformversuch vergangener Jahrzehnte, den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, ist gescheitert – zur Floskel verkommen. Doch vielleicht wäre es gar nicht kompliziert, dieses Neudenken der alten Burg, über den beschränkten Horizont ihrer Behübschung mit Innovationen, Digitalem und teurem Mehr vom Selben hinaus. Wenn wir dem alten Komplexitätsgejammer nicht mehr auf den Leim gingen und es simpel hielten, dann kämen wir – unterstützt von den vielen „Warums?“ der Neuen – vielleicht auf einen Weg, der weniger und nicht mehr an Verwaltung, Regelungen, Interessenvertretungen, Teil- und Unzuständigkeiten und Arbeitskreisen brächte.

Wohin mit dem wertvollen Humankapital in diesen überflüssigen Türmen, kann ich noch nicht erklären. Wohin mit exempli gratia Pseudowissenschaftlern mit Wolfgang Sobotka als Musiklehrer, die im täglichen TV-Interview „epidemische“ Situationen nicht von „epidemiologischen“ unterscheiden, aber Politiker belehren, weiß ich nicht. Für diese letzte ungelöste Frage würde ich auf eine erprobte alte Taktik zurückgreifen: Arbeitskreise, Kommissionen, Expertengruppen gründen.

Ihr A. di Positas
mit bösem Handkuss, aber unter uns
können wir ja so offen reden …

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