Klinik-Wäschereien ohne Dampf

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Autor: Norbert Peter

Die Turbulenzen rund um die Versorgungssicherheit im Energiebereich drohen nun auch die Krankenhaus-Wäschereien zu erreichen.

Ohne Erdgas ist die Versorgung der Spitäler gefährdet!“, warnen die heimischen Wäschereien. Sie sehen sich als unverzichtbare Dienstleister für systemrelevante Sektoren. Das Gesundheitswesen sei letztlich auf saubere Wäsche angewiesen. Der Fachverband der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie schlägt Alarm: „Gerade in Krisenzeiten kann auf die Lieferung von reiner Wäsche keinesfalls verzichtet werden“, heißt es in einer Presseaussendung. Es drohen Versorgungsengpässe, wenn die Textilservicemanagementbetriebe aufgrund von fehlendem Erdgas stillstehen. Eine enorme Anzahl an Betrieben wird von den Wäschereien mit hygienisch aufbereiteter Wäsche und Berufsbekleidung versorgt. Die gewerblichen und industriellen Wäscher bearbeiten für Pflegeeinrichtungen und Kliniken zirka 230 Tonnen Wäsche pro Tag österreichweit. Rund 1.000 Mitarbeiter kümmern sich außerhalb der Krankenanstalten um sauberes Linnen.

300 Megawattstunden pro Tag

300 Megawattstunden Gas pro Tag werden gebraucht, um die heimischen Gesundheitseinrichtungen mit sauberer Wäsche zu versorgen, schätzt man im Fachverband. Der Vorsitzende der industriellen Wäschereien, Thomas Krautschneider: „Die Belieferung der systemerhaltenden Wäschereien mit Erdgas muss sichergestellt sein.“ Umstiegsmöglichkeiten bei den Energieträgern gibt es fast keine. Die meisten österreichischen Wäscherei-Betriebe haben derzeit keine technologische Alternative für die Dampferzeugung. Sie sind für den Betrieb ihrer Dampfkessel von Erdgas abhängig. „Ein kurzfristiger Umstieg auf ein alternatives Energiesystem und der damit verbundene Austausch des Maschinenparks ist unmöglich und bedarf technologischer Entwicklungen“, lässt Krautschneider keine Zweifel. Der Fachverbandsobmann ist im Brotberuf Geschäftsführer des Wäschedienstleisters Salesianer.

Antriebslos: Der Großteil der heimischen Krankenhaus-Wäschereien und Dienstleister ist auf Erdgas angewiesen. Alternativen gibt es so gut wie keine.

Erneuerbare Energiequellen rund um den Einsatz von Fotovoltaik, Biothermie und Biomasse benötigen noch technologische Entwicklungsschritte, um das Gas in den Wäschereien ersetzen zu können. Die Energieträger müssen leistungsstark sein, um die benötigten Temperaturen von 180 bis 200 Grad erreichen zu können. Bei einer Erdgasverknappung sind Alternativszenarien rar. Einige wenige Wäschereibetriebe haben Kombibrenner im Einsatz: moderne Anlagen, die mit alternativen Brennstoffen betrieben werden können – meist Holz (oder Derivate wie Pellets) oder Öl. Diese Betriebe können eine dritte Schicht aufmachen, um kurzfristig das Problem Erdgas-Knappheit zu umschiffen. Kooperationen zwischen Wäschereien werden angedacht. „Kurzfristig kann man der Problematik ausweichen, indem man das Erdgas drosselt oder Aufträge umschichtet. Langfristig ist viel Kapital nötig. Weil es für den Einsatz von neuen Technologien viel Forschung und Innovation braucht“, so Eva Maria Strasser, Geschäftsführerin des Fachverbandes. Maßnahmen, wie etwa der Einsatz von Smartmetern für die exakte Messbarkeit, tragen ihren Teil dazu bei, die eingesetzten Mittel möglichst ökonomisch zu verwenden.

Energieverbrauch reduzieren

Ein Großteil seiner Wäsche reinigt der größte Klinikverbund Wiens selbst: In der „Serviceeinheit Wäsche und Reinigung“ (SWR) des Wiener Gesundheitsverbundes werden täglich mehr als 30 Tonnen Wäsche für die Patienten, Bewohner und Mitarbeiter der Spitäler und Pflegewohnhäuser gemäß den gültigen Hygienerichtlinien gewaschen und aufbereitet.

Es werden damit mehr als 6.500 stationäre Patienten und Bewohner sowie um die 2/3 der rund 30.000 Mitarbeiter des Wiener Gesundheitsverbundes täglich mit Wäsche versorgt. Derzeit knapp 200 Mitarbeiter sind in der Serviceeinheit Wäsche beschäftigt. Die Dimensionen der Waschleistung sind gewaltig, etwa 30 Tonnen Wäsche pro Tag: Das entspricht etwa 7.000 Haushaltswaschmaschinen! Um diese Tagesleistung abzudecken, müsste eine Person vier Jahre lang nur waschen und bügeln – mit einer Haushaltswaschmaschine und einem Bügelbrett, rechnet der Gesundheitsverbund vor.

Insgesamt hat sich im SWR die Wäscheaufbereitung stark verändert und weiterentwickelt. Marion Wallner von der Unternehmenskommunikation des Wiener Gesundheitsverbundes erklärt: „Wuschen wir vor 50 Jahren 1 kg Wäsche noch mit rund 70 Litern Wasser, so sind es heute durchschnittlich um die sieben bis acht Liter. Auch der Energieverbrauch hat sich massiv reduziert.“ Früher war der SWR im Wesentlichen „nur“ eine große Wäscherei, heute zeigt er sich als ein hochtechnisiertes Logistikunternehmen, das seine Leistungen unter Einsatz neuester Technologien wie RFID, Wäscheausgabeautomaten, umweltgerechte Wäschereitechnik und Automatisationstechnik auch bis auf die Station erbringt. Die Serviceeinheit Wäsche und Reinigung ist nicht für den gesamten Wiener Gesundheitsverbund zuständig. Dafür reichen die Kapazitäten nicht. Deshalb wird auch für den WGV Wäscheaufbereitung von externen Anbietern erbracht.

Vorzugsbehandlung: Salesianer Miettex-Chef und Fachverbandsvorsitzender Thomas Krautschneider pocht auf eine Priorisierung der Erdgasversorgung für Wäschereien.

Für den Betrieb bei Erdgasknappheit wird für die Wäscherei wie für den gesamten Krankenhausbetrieb noch nach Lösungen gesucht. Im Raum steht eine Bedarfspriorisierung der Gesundheitseinrichtungen als „kritische Infrastruktur“, wie es im Energielenkungsgesetz heißt. Die Einstufung der Spitalszulieferer und -Dienstleister ist dagegen ungeklärt. Dazu ist auch aus dem Infrastrukturministerium keine Antwort zu erhalten.

Das Outsourcing der Services an gewerbliche wie industrielle Wäschereien erfolgt in der Regel auf Basis der Hygiene-Leitlinie der ÖGHMP (Österreichische Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin). Dort werden Hygienemaßnahmen und Rahmenbedingungen formuliert, die für die Bearbeitung von Wäsche aus Gesundheitseinrichtungen relevant sind. Sie enthält eine Checkliste aus Fragen und Kriterien, mit der Wäschereien visitiert und begutachtet werden. Dabei werden bauliche (Trennung der Spitalswäsche von „normaler“ Wäsche), verfahrenstechnische (zwingende Anwendung thermischer oder chemo-thermischer desinfizierender Verfahren) und logistische Maßstäbe (so wenig Kontakt wie möglich zur Schmutzwäsche, geregelte Desinfektion der Transportfahrzeuge) angelegt. Eine Checkliste prüft die Voraussetzungen, die zur jährlichen Erneuerung des Hygiene-Gütezeichens erfüllt werden müssen.

Hygiene-Logistik: GETRENNTE WELTEN
Die Reinigung von Krankenhauswäsche erfordert hohe Prozessqualität. Die Serviceeinheit Wäsche und Reinigung des Wiener Gesundheitsverbundes (SWR) verfügt dazu über Zertifikate zum implementierten Qualitätsmanagement (ISO 9001), Umweltmanagement (EMAS) und zur Arbeitssicherheit (ISO 45001). Die Einhaltung der Hygienevorschriften wird laufend von dazu befugten Instituten überprüft.

Lizenz zum Reinigen. Der Hygienepass verlangt eine bauliche Trennung zwischen der schmutzigen und der sauberen Wäsche. Dazwischen gibt es eine Containerschleuse. Darin desinfizieren sich die Mitarbeiter. Diese tragen auch hygienisch saubere Arbeitsbekleidung inklusive Kopfbedeckung, ebenfalls hygienisch sauber. Das desinfizierende Waschverfahren wird über Programme der vollautomatischen Waschstraßen gesteuert, wie etwa die Menge der verwendeten Waschmittel. Je höher die Temperatur (und der Energieeinsatz), desto weniger Chemie wird benötigt.

Keimfreier Fuhrpark. Die perfekte Logistik für eine Wäscherei ist die Voraussetzung, um mit dem eigenen Fuhrpark die Spitäler zu versorgen. Bei industriellen und gewerblichen Wäschereien ist die Innenraumdesinfektion der Transportautos vorgeschrieben. Im Spital arbeiten die Kleiderausgabe-Automaten auf RFID-Basis: Mit Chip ist die Kleidung dem Personal zuordenbar. Eigene Wäscheversorgungsassistenten werden von Wäschereien dafür eingesetzt, die Wäsche bis in die Kästen und Räume des Krankenhauses zu bringen. Dies sind meistens Teilzeitkräfte mit hohem Frauenanteil. Das Arbeitsruhegesetz erlaubt für das Gesundheitswesen, dass auch am Wochenende geliefert werden darf.

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