REACT-Studie: Allergie-Impfung bringt langfristigen Nutzen

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Eine aktuelle Studie, die eben im renommierten Wissenschaftsjournal „The Lancet Regional Health Europe“ von führenden Experten auf dem Gebiet der Allergologie veröffentlicht wurde, belegt die langfristige Wirksamkeit der Allergen-spezifischen Immuntherapie („Allergie-Impfung“). Die Ergebnisse bestätigen den Effekt dieser Behandlung bei Atemwegsallergien und Asthma über einen Zeitraum von bis zu neun Jahren. Sie untermauern außerdem, dass der Bedarf an symptomlindernden Medikamenten verringert ist, weniger plötzliche Verschlechterungen der Asthma-Erkrankung auftreten und eine bessere Kontrolle des Asthmas erreicht werden kann.

Mindestens jeder vierte Österreicher leidet an Heuschnupfen und/oder allergischem Asthma. Die häufigsten Auslöser dieser Atemwegserkrankungen sind Gräser- und Baumpollen sowie Hausstaubmilben. Mit der Allergen-spezifischen Immuntherapie (abgekürzt AIT und auch unter den Begriffen Allergie-Impfung und Hyposensibilisierung bekannt) steht eine höchst effektive Therapieoption zur Verfügung, die nicht allein die Symptome lindert, sondern auch das Übel an der Wurzel packt und die Ursache der Allergie bekämpft. Das Therapieprinzip ist einfach: Eine geringe Dosis des Allergie-Auslösers wird über einen Zeitraum von drei Jahren regelmäßig gespritzt oder unter die Zunge getropft. Durch die kontinuierliche Verabreichung des Allergie-Auslösers lernt das Immunsystem nach und nach, das Allergen nicht mehr als Gefahr zu sehen. Es wird wieder toleriert. Für die häufigsten Allergien (Gräser-, Baum- und Ragweedpollen sowie Hausstaubmilben) steht diese bewährte Therapie als besonders patientenfreundliche Schmelztablette zur Verfügung, die einmal täglich unter die Zunge gelegt wird.

Allergiker können diese hochwirksame Therapie bequem zuhause durchführen, nachdem die erste Einnahme in der Arztpraxis erfolgt ist.

Beschwerden langfristig loswerden

Schon nach wenigen Wochen bessern sich die Beschwerden, die Entwicklung neuer Allergien kann ausgebremst und die Entstehung von allergischem Asthma verhindert bzw. bestehendes Asthma besser kontrolliert werden. Die Wirkung der Allergen-spezifischen Immuntherapie wurde wiederholt in einer Reihe von wissenschaftlichen Studien bestätigt. In der Behandlung von Gräserpollen-Allergien beispielsweise erstreckten sich diese Studien jeweils über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer dreijährigen Behandlung mit der SQ-Gräsertablette, gefolgt von einer zweijährigen Nachbeobachtung.

In der neuen REACT (REAl-world effeCTtiveness of allergy immunotherapy)-Studie konnte der krankheitsverändernde Effekt über einen Zeitraum von mehr als neun Jahren nach Beginn der Behandlung bestätigt werden. Anders gesagt: Die AIT-Behandlung ist mit einer langfristigen, nachhaltigen Reduzierung der Einnahme von Allergie- und Asthma-Medikamenten verbunden. Die Ergebnisse brachten zudem neue Erkenntnisse über mögliche neue Vorteile der AIT-Behandlung, wie zum Beispiel ein geringeres Risiko für Lungenentzündungen und Krankenhausaufenthalte. Weiters wurde eine geringe Häufigkeit von Anaphylaxien – der schwersten Form einer allergischen Reaktion –festgestellt.

Bei Asthmapatienten, die mit AIT behandelt wurden, war es wahrscheinlicher, dass sie ihre laufende Asthmatherapie reduzieren konnten. Darüber hinaus wurde die AIT mit einer vorbeugenden Wirkung auf plötzliche Verschlechterungen der Asthma-Erkrankung (Exazerbationen) in Verbindung gebracht. Bisher haben zwei große klinische Studien mit SQ-Hausstaubmilbentabletten die Wirksamkeit der AIT bei der Behandlung von allergischem Asthma nachgewiesen Die REACT-Studie bestätigt, dass sich diese Vorteile der AIT auch in der Praxis zeigen und bis zu neun Jahre anhalten können.

Erkenntnisse aus der „realen Welt“

REACT ist eine sogenannte „Real-World-Evidence“-Studie. Das bedeutet, dass Behandlungsergebnisse aus dem „realen“ Praxisalltag außerhalb von klinischen Studien gesammelt und analysiert wurden.
Diese Art von Studien mit Gesundheitsdaten aus Quellen wie elektronischen Patientenakten oder Verordnungsdaten der Sozialversicherungsträger sind eine äußerst wertvolle Ergänzung von Erkenntnissen, die in klinischen Studien gewonnen werden können.

Klinische Studien untersuchen die Wirksamkeit und Sicherheit von Therapien in einer bestimmten Patientengruppe unter vorab definierten Kriterien vor Zulassung eines Arzneimittels. Real-World-Daten liefern anschließende zusätzliche Informationen, wie sich ein Arzneimittel in der täglichen Anwendung bewährt.

In die REACT-Studie wurden mehr als 92.000 Patienten mit Atemwegsallergien (mit oder ohne Asthma) gegen die drei wichtigsten Allergene Hausstaubmilben, Gräserpollen und Baumpollen eingeschlossen. Die Studie ist die erste dieser Art und dieses Umfangs innerhalb der Allergie-Immuntherapie (AIT). Sie wurde 2019 vom Allergie-Spezialisten ALK initiiert, um die langfristigen Effekte der AIT-Behandlung bei Patienten mit allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) mit oder ohne Asthma zu untersuchen. ALK hat dabei eng mit Wissenschaftlern und führenden Experten auf dem Gebiet der Allergie-Immuntherapie zusammengearbeitet, um die höchstmögliche Qualität der gewonnenen Daten zu gewährleisten.

Benedikt Fritzsching, leitender Studienautor der REACT-Studie: „Während die Wirksamkeit und Sicherheit von AIT – beispielsweise in Form von Schmelztabletten – bei den häufigsten Atemwegsallergien in klinischen Studien nachgewiesen wurde, besteht nach wie vor Unsicherheit darüber, wie AIT in der klinischen Praxis wirkt. Die Ergebnisse der REACT-Studie unterstreichen, dass AIT eine wirksame und gut verträgliche Behandlungsoption für Patienten mit Atemwegsallergien ist, und zeigen einige interessante neue Vorteile auf. Für Ärzte bieten diese Ergebnisse wichtige ergänzende Erkenntnisse, die ihnen helfen werden, Behandlungsentscheidungen zum Wohle von Patienten mit Atemwegsallergien zu treffen.“

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

NÖ LGA: 80 Studierende der KL unterstützen Universitätskliniken

NÖ LGA: 80 Studierende der KL unterstützen Universitätskliniken

Für die NÖ Landesgesundheitsagentur ist die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) ein wesentlicher Partner in der Ausbildung zukünftiger Kolleginnen und Kollegen. Im Rahmen der „Junior Assistance“ erhalten die Unikliniken Krems, Tulln und St. Pölten aktuell Unterstützung von den Studierenden der KL.

Weniger Augenverletzungen durch Feuerwerke

Weniger Augenverletzungen durch Feuerwerke

Feuerwerke gehören traditionell zu Silvester, aber weltweit kommt es zunehmend zu einem Paradigmenwechsel - aus unterschiedlichen Gründen. In jedem Fall stellt das private Hantieren mit Feuerwerkskörpern seit Jahren eine Gefahrenquelle für Augenverletzungen dar.