Rotes Kreuz: Debatte um mangelnde Ausstattung und Ausbildung

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Autor: Scho

Ein offener, anonymer Brief eines Sanitäters sorgt erneut für Wirbel im steirischen Rettungswesen: Der Absender, er soll in der Weststeiermark beim Roten Kreuz arbeiten, kritisiert laut Medien „minderwertige Ausbildung“ heimischer Sanitäter sowie auch schlechte Ausstattung von Rettungsfahrzeugen. Zudem würden Bezirksstellen Mitarbeitern die Weiterbildung vom Rettungs- zum Notfallsanitäter verwehren. Das Rote Kreuz widersprach am Mittwoch den Vorwürfen.

Konkret würden in vielen Rettungswagen beispielsweise sogenannte EpiPens, ein Notfallmedikament für Allergiker, fehlen. Nur ein Bruchteil der Fahrzeuge des Roten Kreuz würden einen solchen Pen mitführen. In Sachen Ausbildung sagte Notfallmediziner Gerhard Prause zum ORF Steiermark: „Europaweit sind wir absolutes Schlusslicht. In allen EU-Ländern gibt es eine mehrjährige Ausbildung, teilweise mit akademischem Abschluss. In Österreich haben wir nach wie vor eine Sanitäter-Ausbildung, wo der Standard-Sanitäter mit 260 Stunden auch zum schwierigsten Notfall ausfährt.“

Peter Hansak, der steirische Landesrettungskommandant, fordert eine zusammengefasste Notfallsanitäterausbildung

Das Rote Kreuz wehrt sich gegen die Vorwürfe: Alle vom Gesetz und vom Land verlangten Vorgaben würden erfüllt und man arbeite auch kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Notfallsanitäterwesens, hieß es in einer Stellungnahme. Die Ausbildung soll sich durch das neue Rettungssanitätsgesetz ändern, forderte auch der steirische Landesrettungskommandant Peter Hansak: „Die Notfallsanitäterausbildung ist derzeit fragmentiert.“ Derzeit seien neben einem Notfallsanitäter oder -sanitäterin auch drei unterschiedlich ausgebildete Sanitäter mit jeweils anderen Notfallkompetenzen im Einsatz. „Unsere Forderung ist, dass diese Ausbildung zusammengefasst wird in eine Komplettausbildung, sodass es am Ende des Tages nur mehr einen einzigen, vollumfänglich ausgebildeten Notfallsanitäter gibt. In der Steiermark greifen wir dem sogar bereits vor und schulen seit Jahresbeginn aktiv alle Notfallsanitäterinnen und -sanitäter ohne Notfallkompetenzen zu Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz Venenzugang und Infusion sowie Notfallkompetenz Arzneimittellehre“, sagte Hansak in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Opposition fordert Ausbildungsoffensive

NEOS-Landtagsabgeordneter Robert Reif forderte indessen in einer Aussendung eine „groß angelegte Ausbildungsinitiative für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen. Auf Bundesebene muss endlich Tempo in die Reform des veralteten Sanitätergesetzes kommen. Unsere Anträge im Nationalrat werden ständig vertagt.“

In dasselbe Horn stieß SPÖ-Nationalratsabgeordneter Mario Lindner: „Es ist höchste Zeit, dass wir endlich die strukturelle Krise im Rettungswesen anpacken. Dafür brauchen wir natürlich dringend eine bundesweite Offensive für ein starkes Sanitäter- und Rettungswesen – aber auch in der Steiermark können wir schon jetzt wichtige Schritte setzen.“ Konkret soll etwa der EpiPen in allen Einsatzfahrzeugen mitgeführt werden und weiter: „In Tirol ist es schon lange Standard, dass ein Notfallsanitäter in jedem Rettungsauto mit dabei ist.“ Warum das in der Steiermark noch immer blockiert werde, sei unverständlich, so Lindner, der auch stellvertretender Bezirksstellenleiter des Rotes Kreuzes in Liezen ist.

Evaluierung der Ausbildung noch in diesem Jahr

Aus dem Gesundheitsministerium hieß es dazu auf APA-Anfrage, dass man im regelmäßigen Austausch mit dem Berufsverband Rettungsdienst sowie den Rettungsorganisationen sei. Eine fachliche Evaluierung der Ausbildung sowie der Kompetenzen von Rettungs- sowie Notfallsanitäter:innen werde vom Ministerium angestrebt und soll im Laufe des heurigen Jahres vollzogen werden. Der Prozess dazu soll im ersten Quartal 2023 beginnen.

Im Vorjahr hatte es mehrfach Kritik am steirischen Rettungswesen gegeben, nachdem Notfälle mit Todesfolge bekannt geworden waren. Maßnahmen seitens des Landes Steiermark wurden gesetzt, unter anderem ein besseres Honorar für Notärzte. Ein externes Expertengremium untersuchte die in den Medien veröffentlichen Todesfälle und kam zu dem Schluss, dass kein Zusammenhang zwischen dem Eintreffen des Notarztes und dem Ausgang für die Prognose des jeweiligen Patienten bestanden habe.

(APA, red)

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