Alte Knochen zeigen vermeintliche "Zivilisationsveränderungen"

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Autor: Scho

Wie sich Knochen über das Leben hinweg verändern, hat ein Forschungsteam um Vladimír Sládek von der Uni Prag mit Unterstützung von Margit Berner vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien untersucht – an Proben aus rund 9.000 Jahren. Dabei zeigte sich, dass es die Abnahme der Knochenstärke im Alter schon lange gibt, sie also nicht nur auf die moderne Lebensweise mit wenig Bewegung zurückzuführen ist. Damals, wie heute gilt: Training ist der Schlüssel zur Knochengesundheit.

Fast 2.000 Skelette von der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit haben die Anthropologinnen und Anthropologen im Rahmen ihrer im Fachjournal „Science Advances“ vorgestellten Studie auf Veränderungen, wie Knochenverlust und Bildung von neuem Gewebe, auch in fortgeschrittenem Alter, untersucht. Im Fokus lagen die Oberarm-, Oberschenkel- und Schienbeinknochen. Ein Teil der untersuchten Knochen kam aus der Sammlung der Anthropologischen Abteilung des NHM. Diese umspannen den Zeitraum von der ausgehenden Steinzeit bis zum Frühmittelalter, wie Berner im Gespräch mit der APA erklärte.

Das zeige, wie aus Museumssammlungen immer wieder neues Wissen gewonnen werden kann, denn die nunmehrige Studie wäre ohne diesen Fundus nicht möglich gewesen. Um genügend gut erhaltene Knochen aus den verschiedenen Epochen von Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen mittels CT-Scans zu untersuchen, war man stark auf Museen und ihre Bestände europaweit angewiesen.

Grob aufgebaut ist ein Knochen mit der Außenhaut, dem Knochenschaft und der inneren Haut, die den Übergang zum Knochenmark bildet. Durch Belastung und Bewegung wird das Gewebe stimuliert und der Knochen über die Zeit gestärkt. „Man hat gedacht, dass sich über die Lebenszeit hinweg der innere Bereich des Knochens etwas vergrößert, außen aber dann mehr dazu gebaut wird“, so Berner. Die Ausweitung der Knochenmarkhöhle mit dem Gewebeverlust an der Innenseite des Knochenschaftes wird immer wieder mit einem Fehlen an Bewegung und fortschreitendem Alter in Verbindung gebracht.

„Unsere Studie hat herausgefunden, dass der Vorgang vielleicht doch komplexer ist“, sagte die Anthropologin. Das Team fand nämlich über den gesamten, Jahrtausende langen Untersuchungszeitraum hinweg mehr oder weniger gleichbleibende Veränderungsmuster. Die Erklärung mit der sitzenden Lebensweise und zu wenig Belastung greift aber über all die Epochen nicht. „Das hat uns schon überrascht“, so Berner. Offensichtlich gibt es eine mehr oder weniger natürliche Knochenalterung – denn so viel Inaktivität gab es wahrscheinlich bei bronzezeitlichen Individuen oder Menschen aus späteren Epochen nicht.

Zudem fanden die Forschenden verschiedene Einflussfaktoren auf die Veränderung, etwa das Geschlecht. Vor allem bei Frauen stellten sich epochenumspannend an den Oberarmknochen die größten Verluste mit zunehmendem Alter ein. Insgesamt zeigte sich, dass der Knochenaufbau an der Außenseite den altersbedingten Verlust an der Innenseite nicht ausgleicht.

Selbst wenn es eine gewisse biologische Tendenz zum altersbedingten Verlust von Knochenmasse vor allem auf der Innenseite gibt, ist man der Entwicklung nicht ausgeliefert, betonen die Expertinnen und Experten. Ihre stärkste Phase haben unsere Knochen nach dem abgeschlossenen Wachstum im jungen Erwachsenenalter. Dementsprechend „ist es wichtig, möglichst früh viel zu tun und vielleicht schon in der Kindheit Impulse zu setzen. Damit meine ich kein massives Training, aber je früher wir konstant Bewegung machen, desto eher lässt sich später die Knochengesundheit erhalten“, so Berner.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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