USAID-Abschaffung: Hilfswerke warnen vor globalem Notstand

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Autor: Scho

Die ersatzlose Abschaffung der US-Entwicklungsbehörde USAID sorgt weltweit für massive Kritik und Alarmrufe von Hilfsorganisationen. Millionen von Menschen in Krisenregionen seien betroffen, warnte Nicoletta Dentico von der „Gesellschaft für internationale Entwicklung“ (SID). Die Entscheidung komme „einem Todesurteil“ gleich, sagte die Expertin für globale Gesundheit und frühere Italien-Leiterin von „Ärzte ohne Grenzen“ laut Kathpress in einem Interview mit Vatikan-Medien.

Die Auflösung der Agentur war im März auf Anordnung von Präsident Donald Trump vollzogen worden. Außenminister Marco Rubio begründete dies mit „5.200 gestrichenen Verträgen“, die „den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten nicht gedient oder sogar geschadet“ hätten. USAID war seit 1961 eine der weltweit wichtigsten Institutionen für Gesundheits-, Ernährungs- und Bildungsprogramme in über 130 Ländern – allein 2024 mit einem Budget von mehr als 40 Milliarden US-Dollar.

„Diese Kürzungen haben unmittelbare Auswirkungen auf lebenswichtige Gesundheits- und Hilfsprojekte“, betonte Dentico. Besonders betroffen seien Menschen mit HIV, Malaria oder Tuberkulose sowie Kinder und Schwangere. In Südafrika seien laufende HIV-Impfstoffstudien gestoppt worden. In Nigeria mussten 77 Kliniken zur Behandlung unterernährter Kinder schließen, rund 60.000 Kinder seien dort aktuell ohne Versorgung.

Auch internationale Partner wie das Welternährungsprogramm (WFP), die Impfallianz Gavi, das Flüchtlingshilfswerk UNHCR und UNICEF verzeichnen drastische Einbußen. Allein dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen seien 131 Millionen Dollar für Polio-Impfprogramme entzogen worden. In Houston, Texas, lagern derzeit 30.000 Tonnen Hilfsgüter, die nicht ausgeliefert werden können.

Dentico sprach von einer „Pandemie des Egoismus“. Nicht nur die USA, sondern auch europäische Staaten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich kürzten zunehmend ihre Entwicklungshilfe. „Das Problem wird also nicht kompensiert, sondern verschärft“, so Dentico. Die Abhängigkeit ganzer Gesundheitssysteme im Globalen Süden von wenigen Geberstaaten sei Ausdruck einer „verantwortungslosen Kurzsichtigkeit“. In einer vernetzten Welt könne sich diese Politik schnell gegen die Interessen der reichen Länder selbst wenden.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind aktuell weltweit rund 300 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Zahl werde weiter steigen – durch Konflikte, Armut und Klimakrise.

(APA/red.)

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