MSF: Russland greift Medizinpersonal in Ukraine gezielt an

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Autor: Scho

Angriffe auf das Gesundheitssystem und das medizinische Personal in der Ukraine sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen Teil einer gezielten Strategie der russischen Armee. Zu diesem Ergebnis kommt der am Montag veröffentlichte Bericht „No Safe Place to Heal“ der Hilfsorganisation. „Diese Angriffe sind zu systematisch, zu häufig und zu präzise, um zufällig zu sein“, betonte Robin Meldrum, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Ukraine, am Montag in einer Aussendung.

„Wenn Krankenhäuser wiederholt getroffen werden, wenn Rettungswagen gezielt mit Präzisionsdrohnen angegriffen werden und wenn medizinisches Personal auf dem Weg zur Auslieferung von Medikamenten in deutlich gekennzeichneten Fahrzeugen getötet wird – dann ist das kein Zufall, dann ist das ein Muster. Und hinter Mustern steckt eine Absicht“, so Meldrum weiter. Ärzte ohne Grenzen fordern ein sofortiges Ende der Angriffe auf das medizinische Personal.

Allein zwischen April 2022 und Dezember 2025 zählte die Hilfsorganisation mehr als 20 Angriffe auf medizinische Einrichtungen, die sie selbst betrieben oder unterstützt hat. Insgesamt vier Krankenhäuser, in denen Ärzte ohne Grenzen tätig war, wurden vom russischen Militär vollständig zerstört. Dem Bericht zufolge hat die Organisation außerdem den Zugang zu mehr als 80 ukrainischen Dörfern verloren, in denen mobile Teams eine medizinische Grundversorgung angeboten hatten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete ebenfalls über derartige Angriffe: Zwischen Februar 2022 und Ende 2025 wurden hier insgesamt 2.811 Angriffe auf die medizinische Versorgung in der Ukraine dokumentiert.

Darüber hinaus haben die Anschläge auf die medizinische Infrastruktur und die Angst vieler Menschen vor Angriffen zu einer deutlichen Verschlechterung beim Zugang zur Gesundheitsversorgung geführt. Laut Ärzte ohne Grenzen ist die Situation für Menschen in Frontnähe besonders herausfordernd.

Viele der noch bestehenden medizinischen Einrichtungen sind stark unterbesetzt. In einem von der Organisation unterstützten Krankenhaus in Cherson, im Süden der Ukraine, ist die Zahl der Ärzte seit 2022 etwa um 66 Prozent gesunken.

Teams von Ärzte ohne Grenzen im Osten und Süden der Ukraine arbeiten außerdem unter der ständigen Bedrohung durch Angriffe von sogenannten „First-Person-View“-Drohnen (FPV-Drohnen). Sie ermöglichen es Soldaten, Ziele in Echtzeit genau zu identifizieren und anzugreifen. Am 29. September 2025 wurden etwa eine Krankenpflegerin und der Leiter eines von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Gesundheitszentrums von einer solchen FPV-Drohne in Lyman in der Region Donezk attackiert. Die beiden waren bei der Auslieferung von Medikamenten in einem deutlich gekennzeichneten Fahrzeug unterwegs gewesen. Der Leiter des Gesundheitszentrums verlor bei dem Angriff ein Bein.

Laut Bericht ist außerdem der Anteil der Verletzungen durch Drohnenangriffe zuletzt deutlich angestiegen, etwa in einem Zentrum für Frührehabilitation in Tscherkassy, das nahe der Frontlinie liegt. Betroffene erleiden dabei oft mehrere Verletzungen gleichzeitig. Dadurch steigt das Risiko einer Infektion oder gar Sepsis. „Der erste Kampf gilt der Blutung. Wenn der Patient das überlebt, ist der zweite Kampf der gegen die Infektion. Und viele verlieren diesen zweiten Kampf“, erklärte ein Chirurg von Ärzte ohne Grenzen.

Der Organisation Human Rights Monitoring Mission (HRMMU) zufolge verzeichnete die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges insgesamt etwa 15.000 getötete und 40.000 verletzte Zivilisten, heißt es im Bericht.

Den Bericht finden Sie hier.

(APA/red.)

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