Wegen einer befürchteten Abhängigkeit von US-Datenanbietern haben Parlamentarier in Großbritannien die Regierung aufgefordert, einen Vertrag zwischen dem staatlichen Gesundheitsdienst NHS und dem US-Unternehmen Palantir zu kündigen. Die zunehmende Präsenz von Palantir im öffentlichen Sektor stelle „eine inakzeptable Schwachstelle dar“, erklärte der parlamentarische Ausschuss für Wissenschaft, Innovation und Technologie in einem vorgestellten Bericht.
Er forderte die Regierung auf, im kommenden Jahr eine Ausstiegsklausel zu nutzen, um den im Jahr 2023 geschlossenen Vertrag über 330 Millionen Pfund (382 Mio. Euro) zu beenden.
„Das Vereinigte Königreich kann und sollte in kritischen Bereichen unseres öffentlichen Sektors technologische Souveränität anstreben und heimische Alternativen durch eine intelligentere Beschaffung fördern“, erklärte die Ausschussvorsitzende Chi Onwurah. Der Ausschuss schlug vor, dass die Regierung entweder nach einem alternativen britischen Anbieter suchen oder ein eigenes, internes System entwickeln solle.

In ihrem Bericht kommen die Ausschussmitglieder zu dem Schluss, dass „die Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl von Anbietern mit Sitz in den USA eine klare Schwachstelle darstellt“. Es werde befürchtet, dass die öffentlichen Dienstleister dadurch „der Willkür ausländischer Akteure“ ausgesetzt sein könnten. Die Schlussfolgerungen des Berichts seien „weder ideologisch motiviert noch von Bedenken hinsichtlich der Qualität der Produkte geleitet“.
Palantir ist auf Datenanalyse und Künstliche Intelligenz (KI) spezialisiert und zählt neben Unternehmen auch Regierungen zu seinen Kunden. Mitgegründet wurde Palantir von dem aus Deutschland stammenden Techmilliardär Peter Thiel, der ein wichtiger Unterstützer von US-Präsident Donald Trump ist. Die Palantir-Software vereinheitlicht Daten und macht sie sofort analysefähig. Dabei kommt KI zum Einsatz. Software von Palantir wird in Deutschland in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen von den Sicherheitsbehörden genutzt.
In den vergangenen Jahren hat Palantir sich bemüht, stärker auf den europäischen Markt vorzudringen. Aktivisten warnen vor möglichen Risiken für den Datenschutz und Eingriffen in individuelle Freiheiten.
Der NHS weist auf seiner Website darauf hin, dass der mit Palantir geschlossene Vertrag mehrere Maßnahmen enthalte, „um das Risiko einer Anbieter-Abhängigkeit zu mindern“. Der Chef von Palantir in Großbritannien, Louis Mosley, warf dem Ausschuss „politische Spielchen“ vor, die dieser „über öffentliche Dienstleistungen“ stelle.
(APA/AFP/red.)


