Chemikalie TFA in 14 von 23 österreichischen Mineralwässern

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Scho

Nach einem europaweiten Test von Mineralwasser auf die Chemikalie TFA (Trifluoressigsäure) hat Global 2000 nun österreichische Mineral- und Heilwässer auf die „Ewigkeits-Chemikalie“ untersucht. Fündig wurde die Umwelt-NGO in 14 von 23 Produkten. Deren Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden forderte im Rahmen eines Medientermins sowohl einen Trinkwassergrenzwert für TFA als auch ein EU-Gruppenverbot der Vorläufer-Chemikalie PFAS sowie ein Verbot von PFAS-haltigen Pestiziden.

Global 2000 betonte in der Publikation der Untersuchung aber auch, dass Mineralwasser weiterhin bedenkenlos konsumiert werden könne: „Die hier gefundenen Konzentrationen überschreiten keine derzeit bekannten gesundheitlichen Richtwerte oder Grenzwerte von TFA.“ Im Vergleich mit den Belastungen von oberflächennahem Grundwasser, der Quelle von Leitungswasser, lagen die TFA-Belastungen der untersuchten Mineralwässer – mit Ausnahme der drei am stärksten belasteten Produkte – zudem bei den unteren 50 Prozent.

Bei zwei der 14 belasteten Produkten lag der Wert zudem unter 100 Nanogramm/Liter (ng/L) was laut den Angaben dem EU-Grenzwert für toxikologisch relevante Pestizid-Abbauprodukte entspricht. „Mineralwasser aus einer tiefen Quelle, die noch dazu von einer geologischen Barriere gut geschützt ist, hat in der Regel wenig oder keine TFA-Belastung“, lautete die laut Burtscher-Schaden gute Nachricht aus der von ihm durchgeführten Studie.

In seichte Quellen könne sich mit TFA belastetes Grundwasser leichter mit Mineralwasser vermischen, „intensive Landwirtschaft erhöht dann noch zusätzlich die Verunreinigung“, so der Umweltchemiker. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) verweist auf ihrer Online-Präsenz auf eine Studie des deutschen Umweltbundesamts (UBA), die von TFA-Werten im Niederschlag von durchschnittlich 0,335 μg/L berichtet.

Auch Global 2000 beruft sich im Zuge der Forderung nach einem PFAS-Pestizid-Verbot auf die deutsche UBA: Demnach seien in „Regionen mit einem hohen Anteil an Ackerland die durchschnittlichen TFA-Werte deutlich höher (1,66 μg/L) als in Gebieten, in denen keine landwirtschaftlichen Einträge zu erwarten sind, sondern der Niederschlag der dominierende Eintragspfad ist (0,67 μg/L).“ Laut Burtscher-Schaden zählen rund 16 Prozent der verwendeten Pflanzenschutzmittel zu den PFAS-Pestiziden – und von denen gelte es sich zu verabschieden, so seine Forderung an das Landwirtschaftsministerium.

„Extrem stabiles“ Zerfallsprodukt mit möglicherweise schweren Auswirkungen

Umweltschutzorganisationen fordern im Fall von TFA schon seit längerem strengere Vorgaben, Global 2000 verwies erneut auf eine Studie aus dem Jahr 2021, die schwere Missbildungen an Kaninchen-Föten wegen der Chemikalie gezeigt habe und den daraus resultierenden Verdacht, dass infolge auch die Fortpflanzung beim Menschen gefährdet sei. TFA ist ein „extrem stabiles“ Zerfallsprodukt (Metabolit) von per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS), die unter anderem in Pflanzenschutzmitteln wie auch in Imprägnierungen für Textilien, Leder- und Papierwaren oder Feuerlöschschaum, Kosmetika oder Lebensmittelverpackungen enthalten.

Was den Umgang mit der Vorgänger-Chemikalie PFAS betrifft, so hat das österreichische Umweltministerium im Vorjahr einen Aktionsplan vorgelegt, mit dem die Belastung durch „Ewigkeitschemikalien“ verringert werden soll. Ebenfalls schränkte die Europäische Kommission 2024 die Verwendung einer Untergruppe sogenannter PFAS-Chemikalien ein.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Slowakei: Siemens Healthineers eröffnet Ultraschall-Fertigung in Košice

Slowakei: Siemens Healthineers eröffnet Ultraschall-Fertigung in Košice

Es ist die erste Ultraschall-Fabrik des Unternehmens in Europa. Mit Inbetriebnahme der neuen 3.300 Quadratmeter großen Fabrik steigt die Zahl der Mitarbeitenden in der Slowakei auf über 800.

Kooperation zwischen WIGEV und Privatkliniken soll OP-Wartezeiten verkürzen
Wien

Kooperation zwischen WIGEV und Privatkliniken soll OP-Wartezeiten verkürzen

Vor allem über die Auslagerung planbarer Operationen sollen die Wartezeiten verkürzt und eine raschere Behandlung gewährleistet werden.