Der Titel des 16. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongresses war die Messlatte: „WIR.K.S.A.M – Wir könnten sicher auch mehr“. Zwei Tage lang haben Stakeholder aus dem Gesundheitsbereich nun debattiert, sich ausgetauscht, kommuniziert. „Ein wirksamer Kongress ist mehr als die Summe seiner Vorträge“, so das Motto der Abschlussrunde am Freitag. Als „Anspruch auf Wirksamkeit“, bezeichnet Romana Ruda vom Kongresspräsidium das Ziel. Das Ziel: „Ins Tun kommen.“ Zeit also, um sich die Frage zu stellen: Können wir denn mehr?
Aufgeteilt war der Kongress in diesem Jahr in vier Themen-Stränge: Produktiv arbeiten, Abläufe anders gestalten, verbindlich kooperieren, Menschen verantwortlich beteiligen – all das in Zeiten enger werdender finanzieller Rahmenbedingungen und sich verändernder demographischer Voraussetzungen.
Produktivität sei Sache der Menschen und nicht des Papiers, so die Juristin Gisela Ernst, Rechtswissenschaftlerin an der Universität Wien in der abschließenden Podiumsdiskussion. Zugleich sagt sie aber auch: Es fehle an klar formulierten GPIs, also Fortschritts-Indikatoren. Das mache Qualität schwer messbar. Transparenz und Vergleichbarkeit sei daher auch ein Feld mit sehr viel Luft nach oben, so Gisela Ernst. Ein Problem sei auch das Feld der Kooperation und Kommunikation unter Institutionen. Ja, es gebe diese Standesdünkel, sagt Gisela Ernst. Es dürfe nicht an einzelnen Personen scheitern.

Zum Thema Abläufe fasste Roland Schaffler vom Kongresspräsidium zusammen: Patientinnen und Patienten müssten besser eingebunden werden und im Fokus stehen. Und gleich danach müsste mehr auf die Erfahrungswerte all jener Professionals zurückgegriffen werden, die direkt mit Patienten arbeiten. Das mache den Blick frei auf den Nachweis der Wirksamkeit von Dienstleistungen. Es brauche zugleich aber auch den Spielraum, um zu probieren. Und: Eine klare Trennung von Interessen und Zielen.
Das ist ein Punkt, der vielfach aufgepoppt ist in den vergangenen zwei Tagen: Die Entkoppelung von Entscheidungsträgern und Verantwortungsträgern. Das, sowie der Punkt Kommunikation.
Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-BetriebsgmbH, sagte dazu auch ganz klar: Eingriffe in das System seien unumgänglich – die Frage sei, wie man diese kommuniziere und moderiere. Österreich sei ein kleines Land mit „überbordenden Strukturen“ – mit einer „viel zu hohen Krankenhausdichte, einer hohen Anzahl an Ärzten“. Das sei ein gutes System, es sei aber auch klar, dass wir „diese Wege verlassen müssen, um Nachhaltig zu agieren“. Denn es gebe Fakten, die nicht wegzuleugnen seien. Es brauche langstfreie Entscheidungen, wie er betont. Es brauche Einbindung. Die Frage sei aber auch, wie viel Partizipation ein solches System vertrage.
Maria Kletečka-Pulker von der Danube Private University ist überzeugt, dass Partizipation Wirksamkeit bringt. Und damit meint sie die Einbindung aller Beteiligten von Arbeitgebern außerhalb des Gesundheitsbereichs bis zu Selbsthilfegruppen von Patienten. Was es brauche, sei eine gute Moderation in einem solchen Prozess. Und Kletečka-Pulker sieht Langsamkeit im Reformprozess auch nicht unbedingt als Nachteil. Biete diese doch auch die Möglichkeit, von den Fehlern anderer zu lernen.
(red.)


