Nationalrat schafft Pflegelehre

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Autor: Scho

Der Nationalrat hat gegen die Stimmen der SPÖ und der NEOS die Einführung einer Pflegelehre beschlossen. Konkret wird es einen vierjährigen Lehrberuf mit Abschluss Pflegefachassistenz und einen dreijährigen mit Abschluss Pflegeassistenz geben. Nach Meinung der SPÖ erfolgt der Einstieg in den Pflegebereich mit der Lehre zu früh. Den Bonus für pflegende Angehörige bekommt man künftig auch, wenn man nicht im gleichen Haushalt wohnt.

Der größere Aufreger war die Pflegelehre. Gesundheitssprecher Philip Kucher betonte, dass alle Experten vor der Lehre warnten: „Die können ja nicht alle falsch liegen.“ Aber Koalition und Freiheitliche meinten offenbar, sie wüssten es besser. Kucher erwartet eine Drop-Out-Rate wie in der Schweiz von 50, 60 Prozent und dass diese Personen auch später nie in der Pflege tätig sein würden.

Dem entgegnete der freiheitliche Abgeordnete Christian Ragger, dass diese Zahlen so nicht richtig seien. Denn ein guter Teil derer, die die Lehre verlassen, würden sich im Gegenteil höher qualifizieren. 80 Prozent der Auszubildenden blieben in dem Beruf – auf Österreich umgelegt könnten so 7.000 Pflegeberufe neu geschaffen werden und man werde nicht mehr Vietnamesen oder Menschen aus der Karibik brauchen, „sondern eigene Leute“.

NEOS-Gesundheitssprecherin Fiona Fiedler meinte hingegen, dass man jetzt qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland benötige. Dazu brauche es einen Personalschlüssel, der den Patienten gerecht werde, aber auch einen Abrechnungskatalog für die mobile Pflege.

„Altersadäquaten Ausbildung“

Seitens der Koalition wurde betont, dass man mit klaren Jugendschutz-Richtlinien arbeite, wie die VP-Abgeordnete Eva Maria Himmelbauer betonte. Bis zum 17. Lebensjahr würden die Jugendlichen nicht direkt am Patienten arbeiten, auch sei keine Verabreichung von Medikamenten möglich. Bedrana Ribo von den Grünen sprach von einer „altersadäquaten Ausbildung“. Zudem müsse ja niemand die Pflegelehre machen, es gebe genug Alternativen, in den Job einzusteigen: „Wir schaffen Angebot und Angebot schafft Nachfrage.“

Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) betonte, dass es sich bei der Pflegelehre um einen Pilotversuch handle, der wissenschaftlich evaluiert werde. Seinen Angaben zu Folge werden bereits im Herbst die vier ersten einschlägigen Berufsschulklassen starten – jeweils eine in Tirol, Vorarlberg, Nieder- und Oberösterreich.

Eine Erleichterung beschlossen wurde beim Bonus für pflegende Angehörige. Anspruch darauf bekommen nun auch jene, die mit der zu pflegenden Person nicht in einem gemeinsamen Haushalt wohnen. Die Regierung geht von mehr als 22.000 Familien aus, die profitieren. Die Mehrkosten sollen rund 34. Mio. Euro betragen. Ausbezahlt werden heuer im ersten Jahr 750 Euro. Ab 2024 werden es 1.500 Euro sein.

(APA/red.)

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