Neues Antibiotikum gegen multiresistente "Tripper"-Mikroben gefunden

Lesedauer beträgt 1 Minuten
Autor: Scho

„Tripper“, vulgo Gonorrhö, wird von Bakterien verursacht, die laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) „hochproblematisch“ sind. Bei diesen „Gonokokken“ gibt es Exemplare, die allen verfügbaren Antibiotika trotzen. Der Wiener Biochemiker Thomas Böttcher hat jedoch einen neuen Wirkstoff gefunden, der solche Geschlechtskrankheitserreger gezielt tötet. Er lässt sie sogar durch ihre eigenen Waffen sterben, berichtet er mit Kollegen im Fachmagazin „Nature Microbiology“.

Der Wirkstoff stammt ursprünglich von anderen Krankheitserregern (Pseudomonaden), die damit „effektiv Konkurrenten aus ihrer ökologischen Nische fernhalten“, erklärte Böttcher, der am Institut für Biologische Chemie der Universität Wien forscht, der APA: „Wir bauten diesen Naturstoff im Labor nach und stellten leicht veränderte Varianten her.“ Die beste Version trage den Namen „3-methyl NQNO“. Sie lässt Gonokokken zuverlässig absterben, hat aber „keinerlei negativen Einfluss auf andere Bakterien oder menschliche Zellen“, so Christof Hauck von der Universität Konstanz.

„Dieses neuartige Antibiotikum aktiviert einen in den Gonokokken bereits vorhandenen Tötungsmechanismus“, berichten die Forscher in einer Aussendung der Uni Wien. Die Tripper-Erreger tragen nämlich „egoistische Gene“, die einen Giftstoff und das passende Gegengift produzieren lassen, so Böttcher. Der Wirkstoff „3-methyl NQNO“ sorgt für den Abbau des Gegengifts und die Gonokokken gehen daraufhin an dem selbst hergestellten Gift zugrunde. Auch jene, die gegen alle herkömmlichen Antibiotika resistent sind.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Honigbienen spüren verlässlich Umweltschadstoffe auf

Honigbienen spüren verlässlich Umweltschadstoffe auf

Wie gut und in welcher Form die Insekten dazu eingesetzt werden können, gesundheitsschädliche Stoffe in der Umwelt aufzuspüren, wurde nun vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien mit Beteiligung der Montanuniversität Leoben genauer untersucht.

Ganze Organe aus der Retorte bleiben vorläufig Zukunftsmusik
Organoide

Ganze Organe aus der Retorte bleiben vorläufig Zukunftsmusik

Noch ist das Züchtung von ganzen Organen als Ersatzmaterial nicht möglich. Aber: Organoide tragen schon jetzt viel zum Verständnis von Krankheiten bei und können für das Austesten von Therapien verwendet werden.