Digitale Lösungen verändern die Patientenrolle grundlegend. Mit PROMS (Patient Reported Outcome Measures) rückt die PatientInnenwahrnehmung von Gesundheit und Behandlung in den Mittelpunkt – einfach erfasst über Smartphone-Apps und vernetzte Plattformen.
Die letzten Jahre haben in mehrfacher Hinsicht ein deutliches Empowerment der PatientInnen gebracht. Längst nicht mehr nur „digital natives“ oder die Generation „Z“ setzen heute für viele Tätigkeiten des täglichen Lebens Smartphones ein. Vom Handy-Parken und Telebanking bis zu Bezahlfunktionen und – nicht zu vergessen – diversen Social-Media-Apps reicht das Anwendungsspektrum der kleinen Computer in unseren (Hosen-)Taschen. Die handlichen Geräte haben eine Rechenleistung und einen Speicher, mit dem anno dazumal eine Mondlandung durchführbar gewesen wäre.
Es liegt also nahe, auch das Gesundheitsmanagement immer mehr digital zu unterstützen. Selbst die berechtigten, aber lange limitierenden hohen Anforderungen an den Datenschutz und die Privacy im Umfeld sensibler Gesundheitsdaten stellen in Zeiten einer ID-Austria und ähnlicher Verfahren heute keine (Usability-)Hindernisse mehr dar.

Wie waren wir?
Der „Patient Reported Outcome“ beschreibt die Wahrnehmungen der Patienten, wie sie die Gesundheitseinrichtungen erleben. Fragebögen und Clipboards fallen dabei langsam aus der Zeit.
Große Hoffnungen auf Patientenseite
Die Erwartungshaltung der Bevölkerung hinsichtlich digitaler Angebote im Gesundheitswesen steigt massiv. Das mag teilweise auch darauf zurückzuführen sein, dass man sich als ratsuchender Bürger oder Patient mit endlosen Warteschleifen am Telefon konfrontiert sieht – oftmals schon für die einfachsten, meist administrativen Belange wie Terminvereinbarungen.
Aber auch „die andere Seite“ würde von erweiterten digitalen Angeboten massiv profitieren. Durch die sowohl ressourcenbedingte als auch medizinisch indizierte Straffung von Abläufen und Ansätzen wie etwa einer „Fast-Track-Chirurgie“ werden viele Prozessschritte einer Behandlung in den prä- oder poststationären Zeitraum verlagert. Eine erfolgreiche und stetig an Verbesserungen orientierte Medizin wird uns aber nur gelingen, wenn trotzdem – oder vielleicht gerade dann – alle Informationen zeitgerecht und nachvollziehbar zur Verfügung stehen.
Wer mittelfristig der „Patienten-Manager“ sein wird – ob wirklich noch der „Hausarzt“ als zentrale Anlaufstelle und Gatekeeper oder eventuell bis zu einem gewissen Grad eine AI –, in jedem Fall wird den PatientInnen eine wesentlich größere Eigenverantwortung zukommen. Schon lange sind die „Götter in Weiß“ der Zeit unserer Großeltern nicht mehr unwidersprochen die alleinigen Herrscher über alles, was im Zuge einer Behandlung geschieht. Vielmehr dürfen und sollen die informierten PatientInnen eine überlegte Entscheidung treffen können. Die Ermächtigung dazu schließt neben vielen anderen Aspekten auch mit ein, dass man so manches lieber in aller Ruhe nochmals durchlesen und andere (vor allem digitale) Quellen zusätzlich zu Rate ziehen möchte. Naturgemäß ist man daheim am Sofa in einer gänzlich anderen Situation, als wenn man dem schnellen Redefluss und der aus Zeitgründen in die kürzest mögliche Form gebrachten mündlichen Information des Arztes/der Ärztin zu folgen versucht. Schon wenn die Türe der Ambulanz hinter einem zugeht, erinnert man sich nur mehr an einen Bruchteil dessen, was vorgetragen wurde. PatientInnen gewinnen gerne und sinnvollerweise schon mal eine Nacht Abstand zu einem vielleicht emotional aufreibenden Gespräch:
-> Die eine oder andere Wartezeit (über die man sich im Wartezimmer noch so trefflich echauffiert hatte) wird zur Nebensächlichkeit in nochmaliger bewusster Rekapitulation der erfolgten Bemühungen des klinischen Personals.
-> Der postoperative Schmerz „gestern“ wird in bewusster Wahrnehmung des eigenen Befindens „heute“ – in welche Richtung immer – womöglich viel realistischer beurteilt.
Und damit sind wir genau beim Thema: „PRO“ steht in diesem Zusammenhang für „Patient Reported Outcome“. Ja, das gab es irgendwie schon immer. Da wurden (und werden vielfach noch) Zettel und Fragebögen verteilt, es kam Snailmail oder digitale Post. Wurden Befragungen nicht ohnehin gleich „rundgeordnet“ oder der Anruf der Ambulanz zwecks Nachfrage – angesichts der im Kekserlteig vergrabenen Finger – abgewürgt, darf die Treffsicherheit der historischen Verfahren als überschaubar eingestuft werden.
Wie war’s
Als Qualitätsmanager weiß ich ein Lied davon zu singen: Schon alleine ausreichend valide Schätzungen der „Rücklaufquoten“ oder der zu adressierenden „Grundgesamtheit“ zu erhalten, war und ist mitunter ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht zuletzt ist es aber auch den um sich greifenden Zertifizierungen und den damit verbundenen Forderungen des Nachweises der erzielten Ergebnisqualität geschuldet, dass der Behandlungsprozess nicht mit dem Versand des Entlassungsbriefes abgeschlossen ist. Es soll also der – auch längerfristige – Outcome ermittelt werden.
PROMS gehen aber noch viel weiter: Es sollen nicht nur medizinische Daten erhoben werden, sondern auch psychische, soziale und weitere Dimensionen sowie natürlich auch die Zufriedenheit mit dem Behandlungsteam etc.
Mittlerweile gibt es diverse Off-the-Shelf-Produkte, die den PRO(MS) Prozess unterstützen. Sinnvoll und zeitgemäß sind diejenigen, die eine gut bedienbare Smartphone-App für den Patienten und eine intuitive Auswerte- und Managementplattform für das klinische Personal bereitstellen.
Eine bidirektionale Anbindung an das Krankenhausinformationssystem ist unbedingt wünschenswert: Einerseits, weil derartige Systeme sich zuletzt (getrieben nicht zuletzt durch das „Krankenhauszukunftsgesetz“ KHZG in Deutschland) vielfach zu umfangreicheren Portallösungen entwickelt haben. Unter anderem können sie auch eine wesentliche Entlastung aller Beteiligten im Rahmen des Terminmanagements bringen und auch eine Drehscheibe für den bidirektionalen gerichteten Austausch von Dokumenten (Vorbefunden, Entlassungsbriefen etc.) darstellen. Glücklicherweise wird sich in Österreich allerdings das durch das erfolgreiche Konzept der ELGA über Stecken erübrigen. Andererseits erlaubt es diese Technologie aber auch trefflich, etwa Anamnesebögen in strukturierter Form schon vor dem Besuch an den Patienten/die Patientin zu senden. Wird das erhobene Datenmaterial im KIS entsprechend weiterverarbeitet und gespeichert, kann beispielsweise vieles im Rahmen des nächsten Besuches bereits vorgeschlagen bzw. vorausgefüllt werden. Gerade bei uns im Brustzentrum wäre auch das ein wesentlicher Komfort- und Zeitgewinn für unsere Klientinnen und das Personal!
Wir sind eindeutig pro PRO!

Autor:
OA Dr. Thomas Gitter
Radiologische Brustdiagnostik
Kepler Universitätsklinikum Linz
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit KUK (Entgeltliche Einschaltung)
